Ein Tag, nur für dich Eine besondere Auszeit nach den Feiertagen
Weihnachten überlebt? Und Silvester auch? Mitunter sogar die letzte Folge Stranger Things an Neujahr? Dann kann es direkt wieder losgehen mit dem Alltagsstress, richtig? Oder vielleicht lieber doch nicht? Vielleicht gönnen wir uns noch etwas Besonderes, bevor das alltägliche Leben wieder über uns bestimmt?
Die Müdigkeit schleicht sich ein wenig in uns hinein in dieser Zeit, macht uns träge. Es ist so ein Gefühl von Lethargie, das noch verstärkt wird, wenn sich die Januartage alsbald richtig kalt und grau präsentieren. Kaum Winterwunderland, eher Grippe-Party. Vielleicht sollten wir einfach noch einmal innehalten? So richtig zur Ruhe kommen. Nur für uns. Ganz alleine vielleicht. Ein Tag, nur für dich.
Ein wunderbarer Tag
Wie könnte so ein wunderbarer Tag aussehen? Nun, wir könnten damit anfangen, das Smartphone zur Seite zu legen und ganz auszuschalten. Kein blinkendes Licht mehr, keine neuen WhatsApp-Nachrichten, kein witziges Bild auf Instagram, das wir mit einem unwichtigen Herzchen versehen müssen. Kein sexy Kerl, der dir unter Aufbringung seiner gesamten orthografischen Fähigkeiten ein „Lust jetzt?“ über eine Dating-App schreibt. Schluss damit. Für heute. Für wenigstens einen Tag. Verschwenden wir nicht unsere Zeit wie Zombies mit gebrochenen Nacken vor dem kleinen schwarzen Bildschirm unserer Geräte, befreien wir uns davon. Für einen Tag. Komplett.
Bekommst du es jetzt bereits mit der Angst zu tun? Dann, mein Freund, ist es noch viel wichtiger und noch dringender, dass du dir einen solchen Tag der Ruhe gönnst. Der Laptop bleibt ebenso ausgeschaltet und auch den altbekannten „Tudum“ Laut bei Erscheinen des Netflix-Logos wollen wir heute nicht hören. Jetzt wirst du dich ängstlich fragen, was um Himmels willen mache ich bitte dann? Richtig? Nachdem du zuletzt auch dein normales Telefon ausgeschaltet hast, könntest du den Tag damit beginnen, erst einmal wieder ins Bett zu kriechen. Die Augen zu schließen. Einfach zu atmen. Nach was riecht es in deiner Wohnung? Kannst du den Lärm der Stadt hören? Oder vielleicht ein paar Raben, die mit lautem Krächzen den Tag beginnen? Oder ist da nur Ruhe und Stille?
Kannst du dich noch daran erinnern, was für ein schönes Gefühl es ist, in ein frisches Bett zu gleiten? Die Laken auf der nackten Haut zu spüren. Die Federn deines Kissens zu fühlen, während dein Kopf langsam darin eintaucht. Heute ist ein Tag für Neugierde. Und für Zeit. Heute vergeht die Zeit langsamer, Meister Hora, der Hüter der Zeit, hat es doch geschafft, die Minuten nur für dich langsamer laufen zu lassen. Welch ein Wunder. Wohin treibt dich der Tag, die Lust, der Augenblick? Verfalle nicht in vorgefertigte Muster, lass dich treiben.
Da liegt ein ganzer Tag vor dir und er gehört nur dir! Keine Termine, keine Freunde, keine Familie - da bist nur du. Du kannst dich im Bett oder auf der Couch herumwälzen, gedankenverloren deine Blicke aus dem Fenster schweifen lassen oder einfach nur zuhören, wie du langsam ein und wieder ausatmest. Das funktioniert und es hat nichts mit einem esoterischen Unterbau zu tun, das bist nur du. Und du kannst es definitiv aushalten, mit dir einen Tag allein zu sein, glaube mir. Alle Aggregate auf null zu stellen.
Werde zum Entdecker!
Wenn es dich schlussendlich langsam aus dem Bett heraustreibt, erkunde doch einmal deine Wohnung. Raum für Raum. Ganz so, als wärst du ein Fremder, der neugierig heimlich eintritt und sich umsieht. Lege dich auf den Boden, spüre den Boden. Dein eigenes Gewicht auf den Holzdielen. Welche Pflanzen stehen in diesem Zimmer? Welche Blätter tragen sie? Wie fühlen sie sich an? Und der Staub? Sicherlich gibt es Ecken in deiner Wohnung, wo die Zeit ihre verräterischen kleinen Krümel gleichmäßig über alles verteilt hat. Jetzt ist nicht die Zeit, zu putzen, aber warum malst du nicht ein grinsendes Gesicht auf die verstaubten Buchrücken? Zeit für Kindereien.
Überhaupt Bücher. Bücher und Filme. Erkunde sie! Blätter in den alten Bänden. Wie lange hattest du die einzelnen Exemplare schon nicht mehr in der Hand? Kannst du dich noch an den ersten Satz erinnern? Oder den letzten? Oder an eine besondere Szene, eine Stelle zwischen den Seiten, die du besonders geliebt hast? Sei es als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener. Und wie sieht es mit den Filmen aus? Den DVDs, Blurays oder vielleicht sogar der ein oder anderen VHS-Kassette, die noch irgendwo existiert. Lass den Film vor deinem inneren Auge vorbeiziehen. Weißt du noch, bei welchen Momenten du laut lachen musstest? Oder du dich zu Tode erschreckt hast, weil das Monster durchs Bild lief? Kannst du dich noch erinnern, mit wem du den Film zuletzt gesehen hast? Habt ihr dabei Popcorn gegessen? Chips? Oder habt ihr es vielleicht gar nicht geschafft, den Film ganz anzusehen, weil ihr plötzlich mehr bei euch als auf den Bildschirm konzentriert wart?
Bekommst du Hunger? Oder Durst. Wunderbar. Schlendere doch einmal durch deine Wohnung. Und warum eigentlich nicht nackt? Du bist ein wunderschöner Mensch, genauso, wie du bist. Verstecke dich nicht. Wenn du Lust hast, hole dir ein Glas Wein. Oder wie wäre es mit einem heißen Kakao wie an Kindertagen? Lust auf eine frisches Brot oder Brötchen? Oder hast du noch kalte Pizza vom Vortag in der Küche? Folge deiner Begierde, nicht deinen Bedenken. Heute zählen keine Kalorientabellen, keine Fitnessvorsätze, heute zählt nur der Augenblick.
Tief hineinsehen, immer wieder
Weißt du noch, wann du zuletzt deine Hand auf die Wand gelegt hast? Ja, die Wand. Es gibt da diese besondere Frau, eine Künstlerin, ihr Name ist Marina Abramovic. Vor einigen Jahren setzte sie sich für neunzig Tage ins weltberühmte MoMa-Museum in New York. Menschen kamen, sahen ihr einfach nur in die Augen, von Angesicht zu Angesicht, und es entstand eine Verbindung. Jedes Mal. Die meisten Menschen weinten und beschrieben dieses Erlebnis später als eine der tiefgreifendsten Erfahrungen ihres Lebens. Über eine dreiviertel Million Menschen erging es so. Und Abramovic? Sie hat einfach nur hingesehen. Niemals weggesehen. Tief hinein. Dieselbe Frau umarmt heute Bäume, stundenlang manchmal. Spürt das Holz.
Klingt verrückt für dich? Warum probierst du das nicht einmal aus? Lege die Hand auf deinen Schreibtisch, deine Wand, deinen Schrank. Haben sie nicht alle etwas zu erzählen? Wie lange begleiten dich diese Wände, diese Gegenstände als stumme Zeitzeugen schon in deinem Leben? Haben dich weinen gesehen? Lachen? Haben gesehen, wie du lustvoll Spaß hattest. Haben dich stockbetrunken und todtraurig erlebt. Lust, noch mehr zu erkunden?
Wie wäre es mit deinen CDs, deinen Schränken voll Kleidung und Schuhen. Zwischen dem ganzen unnützen Zeugs versteckt sich das ein oder andere Juwel, das besonders ist. Nur für dich besonders. Ist es nicht so? Warum ist das so? Erinnere dich. Male dir diesen Moment aus. Mache dir klar, all das, was dich umgibt, sind Puzzlestücke deines Lebens. Sie sind nicht du, aber sie sind wie Reisende, die eine Zeit lang mit dir im selben Abteil sitzen. Meistens wissen sie mehr von dir, als dir lieb ist und es ist nur zu gut, dass sie nicht reden können. Was würden sie alles verraten? Und wem?
Heißes Wasser auf deiner Haut
Hast du eine Badewanne? Oder eine Dusche? Wie wäre es jetzt mit heißem Wasser auf deiner Haut? Klingt das nicht wunderbar? Lass dir Zeit, denn du weißt, heute haben die Minuten nicht sechzig Sekunden. Sie beugen sich deiner Laune. Wenn du willst, entzünde eine Kerze, lege Musik auf. Schlafe vielleicht noch einmal eine Runde, gerade da, wo du bist. Die Nacht kommt früh genug wie ein stummer Jäger, der das Haus umschleicht. Du wirst ihn nicht hineinlassen, aber wissen, dass er da ist. Vielleicht ist er ein kleiner Spanner und sieht dir zu, wie du nackt durch die Zimmer deines Lebens schlenderst, immer mal wieder stoppst, deine Gedanken weit weg wandern lässt.
Zu anderen Zeiten. An andere Orte. Zu Menschen, die du geliebt hast, die du liebst. Zu Menschen, die dir wehgetan haben und zu solchen, die zu früh verschwunden sind. Hast du einen besonderen Menschen im Kopf? Wie wäre es, schreibe ihm doch einen Brief. Egal, ob du noch nie einen geschrieben hast oder schon viele in deinem Leben, leg jetzt los. Es ist tatsächlich etwas anderes, wenn man die Buchstaben mit der Hand, Linie um Linie, entstehen lässt, als nur automatisch auf eine Tastatur zu tippen. Du hast keinen Menschen, dem du gerne schreiben willst? Doch, da ist mindestens einer. Ein ganz großartiger Mensch. Du. Wie wäre es, schreibe dir selbst einen Brief? Was immer du willst. Es gibt sicherlich einiges, was du dir schon immer einmal sagen wolltest. Heute ist der Tag dafür.
Frische Luft jenseits der Massen
Brauchst du jetzt doch etwas frische Luft um die Nase? Wie wäre es dann mit einem kleinen Spaziergang zum nächsten Park oder in den Wald? Hauptsache Natur. Hauptsache viel Natürlichkeit um dich herum. Und überall entdeckst du das Grün, auch zu dieser Jahreszeit – an Bäumen, am Boden, um dich herum. Wir Menschen nehmen die Farbe Grün sehr intensiv wahr und können bis zu zehn Millionen Schattierungen unterscheiden. Angeblich, weil wir lange Zeit auf diesem Planeten hauptsächlich von viel Grün umgeben waren. Lass dich doch darauf ein. Schnapp dir einen guten Platz zwischen den Bäumen oder suche dir einen anderen schönen Ort, wo der Blick weit schweifen kann.
Oder spaziere ziellos zwischen Feldern oder an einem See beziehungsweise nach Möglichkeit sogar am Meer entlang. Folge deinen Impulsen, nicht deiner Logik, und schaue, wohin es dich bringt. Lass zu, dass die Natur ihre feinen Ästchen über dich ausbreitet und dein Kopf ganz leer und frei wird. Wenn du wieder zu Hause bist, vielleicht hast du jetzt Lust auf eine heiße Tasse Tee? Oder ein leckeres Gericht, nur für dich? Und während der Abend über die Dächer streift, bist du plötzlich ganz bei dir angekommen. Ganz hier. Nur du. Habe keine Angst davor, denn es ist ein wunderbares Gefühl. Und wer weiß, vielleicht ist morgen noch so ein Tag, ein Tag nur für dich. Wäre das nicht wunderschön?