Direkt zum Inhalt

Eklat in Großbritannien Die Chefin der Konservativen Partei fordert Ende einer queeren Studie

Von ms - 27.11.2025 - 10:00 Uhr
Eklat in Großbritannien
Foto: IMAGO / Parsons Media
ANZEIGE
Loading audio player...

Im Jahr 2024 vollzog Großbritannien bei der Vergabe von Pubertätsblockern an Minderjährige eine Kehrtwende, fortan sollten die Medikamente nur noch im Rahmen einer Studie erlaubt sein, um herauszufinden, welche Folgen die Einnahme bei Jugendlichen haben kann. Nun forderte die Vorsitzende der Konservativen Partei, Kemi Badenoch, auch diese Untersuchung sofort einzustellen. 

Diskussion um neue Studie 

Badenoch wandte sich mit ihrer Forderung direkt an Gesundheitsminister Wes Streeting, dieser solle die neu gestartete NHS-Studie zu Pubertätsblockern stoppen. In einem offenen Brief erklärte sie: „Kein Kind wird im falschen Körper geboren.“ Letzte Woche erst hatte der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) den Start der zweijährigen Untersuchung angekündigt. Die sogenannte Pathways-Studie soll die Wirksamkeit von Pubertätsblockern bei Kindern unter 16 Jahren untersuchen und ist auf 226 Teilnehmer begrenzt. Die Ankündigung sorgte rasch für heftige Diskussionen, insbesondere online.

Badenoch bezeichnete die neue Studie als „aktivistische Ideologie, die sich als Forschung ausgibt“. Der gemeinsam mit Schatten-Gesundheitsminister Stuart Andrew unterzeichnete Brief führt zudem weiter aus: „Dieser Prozess wird von dem diskreditierten, aber immer noch scheinbar verwurzelten Glauben in einigen Vierteln getragen, dass ein Kind ‘im falschen Körper geboren werden kann’ oder durch die ‘falsche’ Pubertät geht, und dass eine normale Pubertät ‘pausiert’ werden kann, ohne Kindern irreparablen Schaden zuzufügen (…) Diese Studie setzt die beschämende Angewohnheit fort, normale Herausforderungen in der Kindheit als Krankheit zu behandeln, oder dass psychische Zustände Anzeichen dafür sind, dass ihr gesunder Körper irgendwie falsch liegt und mit Medikamenten oder Operationen korrigiert werden muss. Sie sind der Gesundheitsminister! Ihre Aufgabe ist es, die Gesundheit der Nation zu fördern, nicht einer Ideologie zu frönen, die so viele Kinder dauerhaft geschädigt hat.“

Gesundheitsminister bekräftigt Studie

Streeting verteidigte den Testlauf und erklärte, die Studie folge den Empfehlungen der Cass Review, einer umfassenden Untersuchung der Versorgung trans* Jugendlicher im Vereinigten Königreich, die schließlich zu einem Verbot von Pubertätsblockern für Minderjährige führte. Die Pubertätsblocker-Studie ist mit rund 10 Millionen britischen Pfund veranschlagt und wird von Forschern des King’s College London unter der Leitung von Professorin Emily Simonoff durchgeführt. Teilnehmer müssen sich rund 13 Stunden medizinischer Untersuchungen unterziehen, rund 50 Fragebögen beantworten – darunter auch zu Trauma und Suizidgedanken – und vor einer möglichen Behandlung körperlich untersucht werden. Die Studie soll über längere Zeiträume Veränderungen von Knochendichte, Gehirnentwicklung sowie psychische Gesundheit und Wohlbefinden dokumentieren.

Scharfe Kritik von queerem Verband

Queere Aktivisten verurteilten die jüngsten Äußerungen der Parteivorsitzenden wie auch die Studie selbst scharf. Chay Brown, Gesundheitsdirektorin der Organisation Trans Actual, erklärte, der NHS-Test sei „ein absichtlicher Plan, transbezogene Versorgung zu verzögern, zu behindern und zu verschleiern“. Es breche ihr das Herz, wenn sie an die jungen Menschen denke, die davon betroffen seien, so Brown weiter. 

Zudem erklärte die Chefin der trans* Organisation online, die neue Studie sei das „Ergebnis einer ideologischen Sichtweise“, junge trans* Menschen würden dazu genötigt, an der Untersuchung teilzunehmen, wenn sie überhaupt Pubertätsblocker erhalten wollen. Außerdem bekräftigte sie: „Junge Menschen, die konstant suizidale Gedanken haben oder sich selbst verletzen, werden vom Versuch ausgeschlossen – und das in vollem Wissen, dass diese Medikamente ihre psychische Gesundheit verbessern könnten. Das ist abgrundtief grausam.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazDurchsuchung in Berlin-Kreuzberg: Polizei razzt queeres ZentrumBerliner Morgenpost„Hormone für alle“: Spontane Versammlung nach LKA-Durchsuchung in KreuzbergWDRQueere Menschen wollen kein Feindbild seinBILDEin Jahr nach der Tat - Berliner Polizei sucht zwei U-Bahn-SchlägerAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

LGBTIQ+-Schutz in der Ukraine

Queere Community bleibt skeptisch

Die Ukraine plant einen besseren Schutz von LGBTIQ+-Menschen. Doch frühere Gesetzesvorhaben und fehlende Partnerschaftsrechte sorgen für Zweifel.
Israel wählt neue Knesset

LGBTIQ+-Rechte unter Druck

Vor der Parlamentswahl in Israel stehen die Zukunft Netanjahus, der Krieg in Gaza und der Schutz von LGBTIQ+-Menschen im Mittelpunkt.
Scharfe Kritik von UN-Experten

Angriffe auf LGBTIQ+ in der Türkei

18 UN-Menschenrechtsexperten verlangen ein Ende der Maßnahmen gegen LGBTIQ+-Aktivisten in der Türkei und warnen vor Einschränkungen der Grundrechte.
Urteil gegen Moldau

EU-Gerichtshof verhängt Geldstrafe

Moldau muss eine LGBTIQ+-Organisation entschädigen, weil Behörden einen Pride-Marsch nach Drohungen von Gegnern eingeschränkt hatten.
Viel Widerstand in Berlin

Rot-Grün-Rote Koalitionspläne

In Berlin wollen Linke, Grüne und SPD gemeinsam regieren. Doch Kritik aus der Bundes-SPD belastet die Gespräche über das Bündnis.
Triumph in Roanne

Mika Brunold dreht das Finale

Mika Brunold gewinnt in Roanne nach Satzrückstand. Für den offen schwulen Schweizer ist es der zweite Challenger-Titel in gut einem Monat.
Keine Scham im Wahlkampf

Gallant kontert den Fotowirbel

Alte Fetischfotos sollten Chris Gallant schaden. Jetzt setzt der schwule US-Kandidat auf Offenheit – und einen frechen Wahlkampfslogan.
177 Jahre nach seinem Tod

Die Debatte um seine Männerlieben

Am 17. Oktober 1849 starb Frédéric Chopin. Seine Briefe an Männer berühren bis heute – und sorgen weiter für Streit in der Forschung.
Teure Ausgrenzung

Japan verschenkt sein Potenzial

Lohneinbußen, Krankheit und fehlende Rechte: Ein neuer Bericht zeigt, welchen Preis Japan für die Ausgrenzung von LGBTIQ+-Menschen zahlt.