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Stephen King: Queere Figuren im Horrorfilm "Mister Yummy"

Erstmals schwule Protagonisten Stephen King: Queere Figuren im Horrorfilm "Mister Yummy"

kw - 19.11.2025 - 20:30 Uhr
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Mit „Mister Yummy“ gelangt eine ungewöhnliche Geschichte auf die große Leinwand – eine, die das US-amerikanische Kino bislang gemieden hat: Zum allerersten Mal stehen in einer Verfilmung eines Werks von Stephen King schwule Protagonisten im Mittelpunkt. Während das Horror-Genre und King selbst gerne mit Außenseitern experimentieren, setzt dieses Projekt einen markanten Punkt in Sachen Diversität und Sichtbarkeit.

 

Zwei Männer, ein letzter Tanz

Die Vorlage zum Film stammt aus Kings Kurzgeschichtensammlung „Der Basar der bösen Träume“ und erzählt vom Lebensabend zweier schwuler Männer, Ollie Franklin und Dave Calhoun, die ihren Alltag in einer Pflegeeinrichtung meistern. Sanft und dennoch schonungslos taucht die Handlung in Ollies Rückschau auf sein Leben ein: Geprägt von der Angst vor HIV in den 1980er-Jahren und den flüchtigen Freuden des Nachtlebens, begegnete er damals einer jungen attraktiven Erscheinung – "Mister Yummy", auf Deutsch etwa "Mister Sahneschnitte". Jahrzehnte später kehrt dieser als Avatar zurück und wird zum Omen seines eigenen Todes – ein Hauch von Übersinnlichem, der King-typisch zwischen Diesseits und Jenseits taumelt.

 

Stephen King und queere Sichtbarkeit

Die filmische Adaption, für die die Intrinsic Value Films aktuell Verkaufsgespräche führt, wird von Newcomer Troy Blake geschrieben. Beim American Film Market sorgt das Projekt bereits für internationale Aufmerksamkeit. Noch stehen Regie und Besetzung aus, doch die bloße Ankündigung setzt ein Zeichen: King hat Queerness bereits in Romanen wie „Doctor Sleep“ und „IT“ thematisiert – nun steht sie auch in seiner Filmlandschaft im Zentrum.

„Es ist wichtig, dass wir gerade ältere schwule Personen, deren Biografien sich oft im Verborgenen abspielten, eine Bühne geben. Ihre Geschichten sind Teil der kollektiven Erinnerung ganzer Generationen.“– aus einem aktuellen Statement der GLAAD-Vorsitzenden Sarah Kate Ellis

Die Fusion aus Kings finsterem Markenzeichen und einer betont queeren Perspektive ist längst überfällig: Die Zahl queerer Filmfiguren in Hollywood wächst langsam, laut der GLAAD-Studie von 2024 machten LGBTQ+-Hauptcharaktere zuletzt nur rund 12 % aus. Filme wie „Call Me by Your Name“ oder „Carol“ öffneten den Mainstream, doch Horror bediente sich bisher kaum queerer Hauptrollen – „Mister Yummy“ überschreitet somit auch cineastisch eine unsichtbare Grenze.

 

Horror als Brücke

„Mister Yummy“ verspricht mehr als nur Gänsehaut: Die Adaption wirft einen liebevollen, aber ehrlichen Blick auf Lebenswege, die von Verlust, Angst und Hoffnung begleitet sind. Im Schatten des Unausweichlichen rückt die Frage in den Fokus, wie Liebe und Identität auch im Alter bestehen können. Während die Neuverfilmung bei Fans von King und dem queeren Kino hohe Erwartungen weckt, bleibt offen: Wird „Mister Yummy“ das Kino nachhaltig verändern? Ein Schritt, der Signalwirkung für die Vielfalt auf der Leinwand haben könnte.

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