Direkt zum Inhalt

Shitstorm in England Streit um queeres Kunstprojekt in der Kathedrale Canterbury

Von ms - 17.10.2025 - 16:00 Uhr
Shitstorm in England
Foto: Canterbury Cathedral
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Geistlichen der Kathedrale von Canterbury in England erleben aktuell massive Angriffe und Beleidigungen. Grund dafür ist eine neue Graffiti-Kunstinstallation mit dem Titel „Hear Us“, die heute eröffnet wurde. Graffiti-Künstlern wurde dabei erlaubt, ihre Botschaften und Fragen rund um das Thema Religion und Glauben mittels abnehmbaren Aufklebern direkt auf die Wände des altehrwürdigen Gebäudes zu kleben. Bewusst wurden dabei vor allem auch marginalisierte Gruppen einbezogen, allen voran die LGBTIQ+-Community. 

Queeres Kunstprojekt sorgt für Ärger

An den Wänden finden sich nun zahlreiche Fragen an Gott wie „Bist du da?“ oder auch „Warum hast du Hass erschaffen, wenn Liebe weitaus mächtiger ist?“. Die Kirchenleitung betonte dabei, dass man gerade auch marginalisierte Personengruppen dazu einladen will, handschriftlich auf die Fragen zu antworten. Das Kunstprojekt wurde vom queeren Dichter Alex Vellis und der Kuratorin Jacquiline Creswell ins Leben gerufen und läuft von heute an bis Mitte Januar. 

Die Kritik am LGBTIQ+-inklusiven Projekt ließ nicht lange auf sich warten, bereits vor der heutigen Eröffnung sorgten einzelne Bilder für einen Shitstorm in den sozialen Medien. Hunderte User bezeichneten das Projekt als „gotteslästerlich“, andere fordern von den Geistlichen, sie müssten sich „schämen“ für eine solche Aktion. Die ehrwürdige Kirche würde jetzt aussehen wie ein Hinterhof-Tiefgaragenplatz. X-Eigentümer Elon Musik kommentierte das Geschehen mit den Worten: „Sie haben sich selbst erniedrigt. Wer auch immer diese Farce genehmigt hat, sollte sofort entlassen werden.“ 

Entweihung des Weltkulturerbes?

Ähnlich negativ äußerten sich inzwischen auch US-Vizepräsident JD Vance und US-Senator Ted Cruz – die Rede ist von einer Entweihung des UNESCO-Weltkulturerbes. Vance sagte zudem: „Es ist seltsam für mich, dass diese Leute die Ironie nicht erkennen, wenn man ´marginalisierte Gemeinschaften´ ehrt, indem man ein schönes historisches Gebäude wirklich hässlich macht.“ 

Der Dekan von Canterbury, David Monteith, entgegnete indes den Kritikern: „Der Graffiti-Stil hat etwas Ungeschliffenes, das störend wirkt. Er ist ungefiltert und nicht bereinigt. Diese Ausstellung baut bewusst Brücken zwischen Kulturen, Stilen und Genres und ermöglicht es uns, die Gaben jüngerer Menschen zu empfangen, die viel zu sagen haben.“

Anzeige

Auch Interessant

Kreativer Widerstand

Zehnkämpfer zeigt Haut aus Protest

Frauenfeindliche sexistische Witze von US-Comedian Shane Gillis sorgen aktuell für viel Empörung. Zehnkämpfer Chase Lathrop antwortet kreativ und sexy
Sorge um queere Sichtbarkeit

Pride-Teams wollen Kräfte bündeln

Mehr als 100 CSD-Veranstalter trafen sich in Recklinghausen. Sie warnen vor Anfeindungen und wollen sich bundesweit stärker unterstützen.
Geheimnisse bei Heated Rivalry

Jacob Tierney erklärt Serienerfolg

Ein neues Buch zeigt, wie „Heated Rivalry“ entstand, welche Szenen gestrichen wurden und was die zweite Staffel vorbereitet.
Rob Jetten wird Vater

Premier erwartet erstes Kind

Niederlands Premierminister Rob Jetten und sein Partner Nicolás Keenan erwarten im Frühjahr 2027 ihr erstes Kind durch eine Leihmutter.
Neue Pornogesetze in England

Verbot von Fetisch-Darstellungen

Großbritannien verschärft das Pornografie-Strafrecht: Ab November werden bestimmte sexuelle Darstellungen im Bereich Fetisch und Rollenspiele verboten
Regenbogen spaltet Amsterdam

Streit um queere Sichtbarkeit

Ein geplanter Regenbogenweg in Amsterdam sorgt für Streit. Während Initiatoren ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen wollen, protestieren Anwohner.
Keine PrEP in der Schweiz?

Ende der Kassenleistung 2027

In der Schweiz ist die Kostenübernahme für die HIV-Schutzpille PrEP nur bis Ende 2026 gesichert. LGBTIQ+-Verbände warnen vor Rückschritten.
Regenbogen-Steine für alle

Dragqueen rettet LGBTIQ+-Symbol

Nach dem Abriss eines Regenbogen-Zebrastreifens in Miami Beach verkauft eine Dragqueen dessen Pflastersteine nun für den guten Zweck.
Razzia in queerem Zentrum

Protest nach Einsatz in Berlin

Eine Polizeidurchsuchung im queeren Zentrum Casa Kuà in Berlin-Kreuzberg löst Proteste aus. Die Linke kritisiert den Einsatz scharf.