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Konversionstherapien weltweit Eine neue Studie zeigt auf, dass „Homo-Heilungen“ noch immer Millionen LGBTI*-Menschen bedrohen

Von ms - 05.10.2023 - 15:00 Uhr
Konversionstherapien weltweit
Foto: iStock / Phynart Studio
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In Deutschland werden jedem dritten Homosexuellen auch im Jahr 2023 noch Homo-Heilungen, die sogenannten Konversionstherapien, angeboten – zu diesem Ergebnis kam im Sommer dieses Jahres eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Daten sind umso erstaunlicher und damit auch alarmierender, bedenkt man, dass Konversionstherapien seit über drei Jahren in der Bundesrepublik für Minderjährige verboten sind. Wie groß und international das Thema Konversionstherapien dabei trotz diverser Verbote in mehreren Ländern weltweit noch immer ist, zeigt jetzt eine neue Studie aus Kanada auf.

Entmutigt von den weit verbreiteten Praktiken

In der neuen Metastudie wurden Daten von über einem Dutzend internationaler Umfragen und Studien zusammengetragen. Das Fazit: Ein beträchtlicher Teil der LGBTI*-Menschen wird bis heute systematisch davon abgehalten, ihre Sexualität oder ihre Geschlechtsidentität zu leben. „Wir sind entmutigt, dass diese Praktiken immer noch so weit verbreitet sind“, so Travis Salway, Assistenzprofessor für Gesundheitswissenschaften an der Simon Fraser University in Vancouver, British Columbia. Salway ist der Hauptautor der Studie, bei der es sich um die erste internationale systematische Untersuchung zum Thema handelt. Über einen Zeitraum von neuen Jahren wurden in 14 Einzelstudien dabei LGBTI*-Menschen aus den USA, Kanada, Australien, Kolumbien, Südkorea und Europa befragt.

Noch immer ein großes Problem weltweit

In einem Mittelwert wird festgehalten, dass im Durchschnitt 8,5 Prozent der homosexuellen und queeren Befragten eine Konversionstherapie erlebt haben – dabei schwanken die Daten von Land zu Land sehr stark, sodass die Ergebnisse nicht pauschal auf einzelne Länder übertragbar sind. Trotzdem zeigen sich Experten wie der renommierte Arzt und Experte im Bereich Konversionstherapien Dr. Jack Drescher aus New York tief besorgt: „Das ist ein großes Problem! Es sollte wirklich auch dann ein großes Problem sein, selbst wenn es nur einer Person passieren würde!“ Der Psychiater ist einer der führenden Befürworter für ein weltweites Verbot der unseriösen Homo-Heilungen.

Jeder dritte Seelsorger ist für „Homo-Heilungen“

Gerade die Hartnäckigkeit, mit der Konversionstherapien auch heute noch angeboten werden, erschreckt die führenden Fachleute. Derzeit ist in 22 Staaten eine Konversionstherapie zumindest bei Minderjährigen verboten, doch auch hier gibt es bis heute sowohl Therapeuten als auch vor allem Geistliche, die sich nach wie vor dafür aussprechen. In Deutschland halten aktuell 14 Prozent der Psychotherapeuten und sogar 32 Prozent der kirchlichen Seelsorger Homo-Heilungen für richtig (BzGA 2023).

Schwule häufiger betroffen als Lesben

Auch die internationalen Studien belegen, dass die größte Gefahr nach wie vor von Kirchen und Religionsvertretern ausgeht, die im Namen eines Gottes Homosexuelle zu Heterosexuellen machen wollen. Dabei zeigt die neue Studie auch deutlich auf, dass viel öfter bei Schwulen versucht wird, ihre Sexualität zu „korrigieren“ im Gegensatz zu Lesben. Die Forscher stellten dabei die Theorie auf, dass dies zum Teil auf die größere Stigmatisierung der „Verweichlichung von Jungen“ im Vergleich zur Männlichkeit von Mädchen zurückzuführen sein könnte.

Keine Verbesserung seit Jahrzehnten in den USA

Die Hoffnung ist nun groß, dass Politiker weltweit durch die Studie besser verstehen, dass Konversionstherapien auch im Jahr 2023 noch ein großes Problem darstellen, unter dem Millionen von LGBTI*-Menschen auf der ganzen Welt leiden. Besonders alarmierend ist dabei ein Aspekt der Studie, die Ilan Meyer, Forscher am Williams Institute der UCLA und einer der Hauptautoren, aufzeigte – er untersuchte die Häufigkeit von Konversionstherapien bei schwulen Amerikanern, die zwischen 1956 und 1997 geboren wurden, aus den Jahren 2016 bis 2017. Das traurige Ergebnis: Es gab keine signifikanten Unterschiede, früher wie heute wurden in den USA Konversionstherapien gleich häufig angeboten oder/und durchgeführt. Rund 13 Prozent der homosexuellen Amerikaner erlebten bereits eine „Homo-Heilung“.

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