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Weltpremiere von „Artificial“ Andrew Garfield als schwuler KI-Schöpfer Sam Altman

Von ms - 07.10.2026 - 15:30 Uhr
„Artificial“ begeistert Kritiker
Foto: IMAGO / Future Image
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Machtkämpfe bei OpenAI, der Aufstieg künstlicher Intelligenz und ein ungewöhnliches Porträt von Sam Altman: Luca Guadagninos („Call My By Your Name“, „Queer“) neuer Film „Artificial“ hat beim New York Film Festival seine Weltpremiere gefeiert. Erste US-Kritiken fallen ausgesprochen positiv aus – besonderes Lob erhält Andrew Garfield für seine Darstellung des offen schwulen OpenAI-Chefs.

Das Wichtigste im Überblick

  • „Artificial“ von Luca Guadagnino feierte beim New York Film Festival Weltpremiere und erhält überwiegend begeisterte erste Kritiken.
  • Der Film schildert die Machtkämpfe bei OpenAI rund um die Entlassung und Wiedereinsetzung von CEO Sam Altman.
  • Andrew Garfield spielt den offen schwulen OpenAI-Chef. Kritiker loben seine Darstellung als verstörend, charismatisch und außergewöhnlich.
  • Guadagnino betont, bei der Produktion sei „null KI“ eingesetzt worden. Zugleich warnt er vor Machtkonzentration im Silicon Valley und Interessenkonflikten zwischen Techkonzernen und Hollywood.
  • „Artificial“ startet voraussichtlich 2027 in Deutschland.

Amazon gab Vertrieb ab

Der Film beschäftigt sich mit der Unternehmenskrise bei OpenAI und der turbulenten Entlassung und anschließenden Wiedereinsetzung Altmans als CEO. Garfield führt ein Ensemble mit Monica Barbaro, Yura Borisov, Ike Barinholtz, Cooper Koch, Chris O'Dowd, Jason Schwartzman, Mark Rylance, Cooper Hoffman und Billie Lourd an. Das Drehbuch stammt von Simon Rich, produziert wurde der Film unter anderem von Guadagninos Produktionsfirma Frenesy. Die Produktionskosten werden mit rund 40 Millionen Dollar angegeben.

Für Aufsehen sorgte „Artificial“ bereits Monate vor seiner Premiere. Amazon MGM Studios entschied im Juni, die internationale Distribution des fertigen Films abzugeben. Hintergrund soll ein Interessenkonflikt wegen der umfangreichen Geschäftsbeziehungen zwischen Amazon und OpenAI gewesen sein. Guadagnino bezeichnete das Thema gegenüber dem Hollywood Reporter als offensichtlich: „Das Konzept des Interessenkonflikts ist in diesem Fall sozusagen der Elefant im Raum.“ Der Regisseur sieht darin zugleich ein grundsätzliches Problem für die Filmbranche. Wenn Filmstudios zunehmend mit den wirtschaftlichen Interessen des Silicon Valley verbunden seien, werde „die Vorstellung von Kunst und Darstellung selbst extrem prekär. Denken wir an den berühmten Fall Orson Welles: Ein Film wie ‚Citizen Kane‘ könnte im heutigen Klima wahrscheinlich nicht gedreht werden.“ Im Juli erwarb NEON schließlich die weltweiten Rechte an „Artificial“ und will den Film auch für die kommende Filmpreissaison positionieren.

Lob für Guadagnino und Garfield

Nach der Weltpremiere erhält der Film derzeit viel Lob. Variety bezeichnet „Artificial“ als „Luca Guadagninos besten Film des vergangenen Jahrzehnts“. Der Film mache künstliche Intelligenz als Thema greifbar und sei zugleich inspirierend und zutiefst beunruhigend. Deadline sieht darin eine düstere Komödie, „die so beängstigend wird, dass einem das Lachen schwerfällt“. The Next Best Picture spricht von einer „brillant geschriebenen menschlichen Geschichte über Macht, Kontrolle, Ehrgeiz und Gier“ und möglicherweise vom „Film mit der dringendsten Aktualität unserer Zeit“. Garfield liefere als Altman eine seiner „verstörendsten und wandlungsfähigsten Darstellungen“. Auch der Hollywood Reporter zählt „Artificial“ zu Guadagninos besten Arbeiten. Garfield und Yura Borisov verkörperten zwei ethische Gegenpole in einem „fesselnden technologischen Albtraum“. Der Film sei „provokant“ und wirke wie für den gegenwärtigen Moment geschaffen.

Garfield studierte Altman 

Für seine Rolle traf Garfield Altman nach eigenen Angaben nicht persönlich. Stattdessen sprach er mit zahlreichen Menschen aus dessen Umfeld und studierte über viele Stunden öffentliche Auftritte, Interviews und Reden des OpenAI-Chefs. Bei der Weltpremiere erinnerte sich Garfield an seinen ersten Eindruck von Altman: „Ich dachte: ‚Dieser Typ wirkt verdammt großartig. Er ist ehrlich. Er ist transparent. Er spricht über Regulierung, und er hat keine Beteiligung an OpenAI. Wir brauchen mehr solcher Menschen an der Macht. Er ist unglaublich charmant und charismatisch.‘ Und dann erfährt man mehr über einen Menschen …“ 

Garfields Darstellung wird bereits mit Anthony Perkins als Norman Bates in Alfred Hitchcocks „Psycho“ verglichen. Variety-Autor Clayton Davis sieht eine ähnliche Strategie: Beide Figuren gewännen zunächst die Sympathie des Publikums, bevor zunehmend eine dunklere Seite sichtbar werde. Hollywood Reporter-Kritiker David Canfield beschreibt Garfield als „hypnotisierend, seltsam und erschreckend verführerisch“. David Rooney spricht von einer „diabolisch klugen“ Dekonstruktion des „Demon Twink“-Archetyps.

Altmans Privatleben 

Obwohl Altman offen schwul und seit 2024 mit Oliver Mulherin verheiratet ist, soll seine Sexualität in „Artificial“ keine zentrale Rolle spielen. Mulherin tritt dem Bericht zufolge allerdings als Figur auf. Guadagninos schwule Handschrift ist dennoch erkennbar. In einem frühen Trailer ist Garfields Altman in seinem Anwesen zu sehen, während sich im Hintergrund zahlreiche oberkörperfreie Männer aufhalten. Altman selbst reagierte auf den Film bislang gelassen. Gegenüber Vanity Fair sagte er, „Artificial“ könne durchaus ein guter Film werden, werde aber „als akkurate Darstellung nicht gut sein“. Kurioserweise begegnete Altman der Produktion sogar zufällig. „Eines Morgens ging ich die Straße entlang, um mir Kaffee zu holen, und da waren all diese Kameras und ein Typ, der genauso gekleidet war wie ich, mit demselben Rucksack, der so sehr wie ich lief, dass ich das Gefühl hatte, in irgendeinem seltsamen Fehler der Simulation oder so etwas zu stecken.“

Guadagnino verzichtet auf KI

Ausgerechnet bei einem Film über künstliche Intelligenz verzichtete Guadagnino nach eigener Aussage vollständig auf die Technologie. „Bei der Herstellung von ‚Artificial‘ wurde null KI verwendet“, sagte er dem Hollywood Reporter. Er bezeichnete sich als „altmodisch“ und als Anhänger analoger Filmproduktion: „Ich drehe auf 35 Millimeter.“ Seine Kritik reicht über den Einsatz von KI beim Filmemachen hinaus. „Es geht nicht nur darum, dass KI die Menschheit innerhalb von vier Jahren von der Erde fegen könnte; wir zerstören rücksichtslos die Umwelt, während einige immer mehr Macht in ihren Händen konzentrieren und andere einfach Fragen in ChatGPT eintippen“, sagte Guadagnino. Die Produzenten ließen den Film zudem von externen Juristen prüfen. Produzentin Jennifer Fox erklärte: „Alles, was wir im Film sagen, wurde sorgfältig überprüft und kann belegt und erneut bestätigt werden.“ Ohne diese Absicherung hätte Amazon die Produktion nach ihrer Einschätzung nicht zugelassen. „Artificial“ soll Ende Dezember in den US-Kinos starten. In Deutschland wird der Film voraussichtlich Anfang 2027 erscheinen.

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