Direkt zum Inhalt

Verfassungsrichter entsetzt Berufungsverfahren soll LGBTI*-feindlichen Gutachter befragen

Von co - 03.09.2021 - 12:00 Uhr
Berufungsverfahren soll LGBTI*-feindlichen Gutachter befragen
Foto: © Eckhard Stengel
ANZEIGE
Loading audio player...

Weil er sich in einem Eheseminar abfällig über Homosexuelle äußerte, wurde der Bremer Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung angeklagt. Im November letzten Jahres verurteilte das Amtsgericht in Bremen ihn zu einer Geldstrafe von 8.100 Euro, zuzüglich zu den Kosten des Gerichtsprozesses (SCHWULISSIMO berichtete). Latzel ging in Berufung.

„Religionsfreiheit“ vor Menschenwürde?

Die Aussagen müssten möglicherweise anders bewertet werden, wenn sie von der Bibel abgedeckt seien, so das Landgericht Bremen gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Zum Berufungsverfahren bestellte das Gericht daher den Theologie-Professor Christoph Raedel. Dieser ist jedoch selbst LGBTI*-feindlich eingestellt und glaubt laut Bild an die Wirksamkeit von Konversionstherapien.

Verfassungsrichter ist fassungslos

Jura-Professor Dr. Dr. Volker Boehme-Neßler sieht das Vorgehen im Berufungsprozess als einen „Versuch, zwei Grundrechte gegeneinander auszuspielen“. Das findet er laut Evangelisch.de befremdlich. Ob die LGBTI*-feindlichen Äußerungen des Pastors von der Religionsfreiheit abgedeckt seien, das könne kein theologisches Gutachten entscheiden, sondern nur die gelebte Realität der Bremer Amtskirche. Diese wurde jedoch in der Sache noch gar nicht befragt. Kritik gab es auch vom Bremer Landesverband des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten: „Allein die Vorstellung, aus einem 1800 Jahre alten Buch [...] Ableitungen für das heutige Rechtsverständnis herzuleiten, ist schon absurd.“ Damit könne man auch den „Völkermord an Ungläubigen rechtfertigen“.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Queere Vielfalt im Tierreich

Wenn Widder auf Widder stehen

Manche Widder bevorzugen andere Männchen. Gleichgeschlechtliches Verhalten ist weit verbreitet – was Studien zeigen und wo Vergleiche hinken.
Ältere Brüder, schwule Söhne?

Was die Forschung wirklich zeigt

Ältere Brüder und schwule Söhne: Studien finden Zusammenhänge. Doch die Ursache ist nicht bewiesen – und die Statistik bleibt umstritten.
Dresden holt den EuroPride

Rückkehr nach 25 Jahren

Dresden richtet den EuroPride 2029 aus. Nach 25 Jahren kehrt das europäische Pride-Event nach Deutschland zurück. Das Motto setzt auf Brücken.
Streit um Pornoseiten

Sperren vorerst gestoppt

Pornhub und YouPorn müssen vorerst nicht gesperrt werden. Das OVG NRW verweist auf EU-Recht. Der Streit um wirksamen Jugendschutz geht weiter.
Empörung auf Bestellung

Ragebait ist Jugendwort 2026

„Ragebait“ ist das Jugendwort 2026. Was der Begriff bedeutet, warum Provokation Reichweite bringt und was die LGBTIQ+-Community daraus lernen kann.
Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.