Direkt zum Inhalt

Richtungswahl in Brasilien LGBTIQ+-Rechte im Wahlkampf

Von ms - 25.09.2026 - 12:30 Uhr
Richtungswahl in Brasilien
Foto: IMAGO / TheNews2
ANZEIGE
Loading audio player...

Die brasilianische Präsidentschaftswahl am 4. Oktober könnte auch für die LGBTIQ+-Community des Landes Folgen haben. Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva tritt gegen Flávio Bolsonaro an, den ältesten Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Während Lula in seinem Regierungsprogramm Maßnahmen gegen Diskriminierung und Gewalt gegen LGBTIQ+-Menschen vorsieht, enthält Flávio Bolsonaros Programm keine direkte Erwähnung der Community.  

Das Wichtigste im Überblick

  • Am 4. Oktober tritt Präsident Luiz Inácio Lula da Silva gegen Flávio Bolsonaro, den ältesten Sohn von Ex-Präsident Jair Bolsonaro, an.
  • Für die LGBTIQ+-Community unterscheiden sich die offiziellen Programme: Lulas Plan nennt den Kampf gegen Gewalt und Diskriminierung von LGBTIQ+-Menschen; Flávios Programm erwähnt die Community gar nicht. 
  • Flávio Bolsonaro versucht zugleich, sich gemäßigter als sein Vater zu präsentieren und hat öffentlich Respekt vor sexueller und geschlechtlicher Freiheit signalisiert. 
  • Jair Bolsonaro war während seiner Präsidentschaft wiederholt wegen homophober Äußerungen und seiner Politik gegenüber LGBTIQ+-Menschen in der Kritik. 
  • Außenpolitisch steht ebenfalls eine Richtungsentscheidung an: Lula setzt auf Multilateralismus und enge Beziehungen zu China, Flávio Bolsonaro strebt eine stärkere Annäherung an die USA an.

Der homophobe Vater 

Damit steht auch die gesellschaftspolitische Bilanz von Jair Bolsonaro im Hintergrund der Wahl. Human Rights Watch dokumentierte während dessen Präsidentschaft wiederholt homophobe Äußerungen. Bolsonaro sagte unter anderem, Brasilien dürfe kein „Paradies für Schwulentourismus“ werden, und vertrat die Auffassung, eine Familie bestehe nur aus einem Mann und einer Frau. Seine Regierung setzte zudem die öffentliche Finanzierung LGBTIQ+-Verbänden aus.  Flávio Bolsonaro versucht indes im aktuellen Wahlkampf, sich in Teilen gemäßigter als sein Vater zu präsentieren. Im März verbreitete sich zuletzt ein Beitrag von ihm, in dem er Respekt vor sexueller und geschlechtlicher Freiheit betonte. Sein offizielles Regierungsprogramm enthält jedoch keine direkte Erwähnung der LGBTIQ+-Bevölkerung. Welche konkrete Politik Flávio Bolsonaro als möglicher Präsident gegenüber der queeren Community daher verfolgen würde, lässt sich aus seinem Wahlprogramm so kaum ableiten.  

 Schutz vor Diskriminierung

Lulas Programm sieht dagegen ausdrücklich Maßnahmen zum Schutz von LGBTIQ+-Menschen vor. Dazu gehört die Bekämpfung von Gewalt gegen queere und homosexuelle Menschen sowie generell von Hasskriminalität. Eine Analyse der Wahlprogramme nennt zudem geplante Maßnahmen gegen Diskriminierung und die Berücksichtigung von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität. Neben diesen gesellschaftspolitischen Unterschieden steht die Wahl vor allem aber auch für eine außenpolitische Richtungsentscheidung. Lula fand zur Eröffnung der UN-Generalversammlung klare Worte. „Brasilien passt in niemandes Hinterhof“, sagte der Präsident am Dienstag in New York. Adressat war US-Präsident Donald Trump, der sich wiederholt auf die Seite des politischen Lagers um Jair Bolsonaro gestellt hatte.

Zwischen Washington und Peking

Lula vertritt traditionell einen multilateralen außenpolitischen Kurs. Brasilien solle mit unterschiedlichen Staaten Beziehungen pflegen und Handel treiben. China ist inzwischen der wichtigste Handelspartner des Landes. Flávio Bolsonaro will dagegen eine konservative Allianz mit den USA und anderen rechtskonservativen Kräften. Auch das Verhältnis zu China könnte von der Wahl beeinflusst werden. Flávio Bolsonaro kündigte an, im Fall eines Wahlsiegs zu überprüfen, ob Brasilien im von China mitgeprägten BRICS-Staatenbund bleiben soll. Dieser diene lediglich dazu, die USA zu provozieren. Weitere Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten gibt es auch beim Klima- und Umweltschutz. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

FalterTipp Pop: Ebow – Cool, queer und gesellschaftskritischtazNach dem CSD-Anschlag: Viele Bekundungen, kaum KonkretesndQueer | Razzia in Casa Kuá schüchtert Berliner trans* Community eintazRazzia in queerem Community-Ort: Alles wegen ein paar TablettenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Spendenboom bei Gallant

350.000 Dollar nach Enthüllung

Nach der Veröffentlichung alter BDSM-Fotos erhält der schwule US-Demokrat Chris Gallant mehr als 350.000 Dollar Spenden und übertrifft seinen Rivalen.
Russland fahndet nach Reporter

Schwuler Journalist auf der Flucht

Russland geht zunehmend gegen homosexuelle Journalisten vor. Der geflüchtete Vadim Vaganov berichtet über staatliche Verfolgung und Einschüchterung.
Hoffnung für Jugendliche

Unterstützung senkt Suizidrisiken

Eine US-Langzeitstudie zeigt: Trotz zunehmender Diskriminierung gehen Selbstverletzungen und Suizidversuche bei LGBTIQ+-Jugendlichen zurück.
Brasilien vor Richtungswahl

LGBTIQ+-Rechte im Fokus

Brasilien steht vor einer knappen Präsidentenwahl. Für LGBTIQ+-Menschen könnte der Ausgang die künftige Gleichstellungspolitik entscheidend prägen.
Angriff auf Weltstrafgericht

Amnesty fordert Schutz durch EU

US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof alarmieren Amnesty International. Der Verein fordert Schutz für die internationale Justiz.
Razzia in Berlin

Reaktionen nach Polizeiaktion

Nach einer Durchsuchung im queeren Zentrum Casa Kuà in Berlin streiten Polizei und Queerverbände über Arzneimittelrecht und Versorgungslücken.
Historischer Erfolg bei UN

Schwule und Lesben im Fokus

Frankreich gewinnt 52 weitere Staaten für eine UN-Erklärung zur Entkriminalisierung von Homosexualität – trotz erheblicher Widerstände.
Kritik von Volker Beck

Vorwürfe gegen Berliner Linke

Der frühere Grünenpolitiker Volker Beck warnt vor einem Bündnis mit der Berliner Linken und kritisiert deren Umgang mit Antisemitismus.
Ermittlungen in Arizona

Polizei beschlagnahmt Waffen

Ein 32-Jähriger soll mit einer Attacke auf eine Pride-Parade gedroht haben. Ermittler fanden Waffen. Die Festnahme erfolgte am 12. Oktober.