Direkt zum Inhalt

Rätsel um tote trans* Frau Obduktion weckt Zweifel an Suizid-Theorie

Von ms - 06.11.2026 - 12:30 Uhr
Rätsel um tote trans* Frau
Foto: Facebook / Melissa Crawford
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Polizei im US-amerikanischen St. Louis untersucht den Tod der 21-jährigen trans* Frau Jhené Audrict inzwischen jetzt als mögliches Tötungsdelikt. Zunächst hatten die Behörden den Fall als mutmaßlichen Suizid eingestuft. Nach einer Obduktion kamen jedoch Zweifel an dieser Einschätzung auf.

Das Wichtigste im Überblick

  • Neue Ermittlungen: Die Polizei in St. Louis untersucht den Tod der 21-jährigen trans* Frau Jhené Audrict inzwischen als Tötungsdelikt. Zunächst war sie von einem mutmaßlichen Suizid ausgegangen.
  • Zweifel nach Obduktion: Gerichtsmediziner stellten Verletzungen fest, die möglicherweise nicht mit einem selbst zugefügten Kopfschuss vereinbar sind.
  • Mutter widerspricht Suizidannahme: Melissa Crawford verweist auf die starke Sehbehinderung ihrer Tochter und berichtet von Problemen in deren Beziehung.
  • Die Organisation JULIAN kritisiert, dass gewaltsame Todesfälle möglicherweise fälschlicherweise als Suizide eingestuft werden.

Leichenfund neben Kirche

Audrict war am 17. August 2026 tot zwischen einem verlassenen Haus und einer Kirche gefunden worden. Nach Angaben ihrer Mutter Melissa Crawford entdeckte ein städtischer Mitarbeiter die Leiche. Die Polizei bestätigte, dass die junge Frau eine Schussverletzung am Kopf erlitten hatte und noch am Fundort für tot erklärt worden war. Wie der Fernsehsender KSDK berichtete, stellten Gerichtsmediziner bei der Obduktion Verletzungen fest, „die möglicherweise nicht mit einer selbst zugefügten Schussverletzung vereinbar sind“. Daraufhin nahm die Polizei nun Ermittlungen wegen eines möglichen Tötungsdelikts auf.

Probleme mit dem Freund

Melissa Crawford hatte die ursprüngliche Suizidannahme bereits zuvor infrage gestellt. Gegenüber dem Fernsehsender KMOV berichtete sie, zuletzt am 15. August mit ihrer Tochter gesprochen zu haben. Audrict sei damals auf dem Weg zum Haus ihres Freundes gewesen. „Sie war etwas nervös, zu ihrem Freund zu gehen, weil die beiden Probleme hatten“, sagte Crawford. Am folgenden Tag habe der Freund sie angerufen und mitgeteilt, dass Audrict verschwunden sei. Die Mutter verwies außerdem auf die starke Sehbehinderung ihrer Tochter. 

Audrict sei rechtlich als blind anerkannt gewesen und habe ohne ihre Brille kaum etwas sehen können. Beim Auffinden der Leiche habe sie jedoch keine Brille getragen. „Als Jhené gefunden wurde, befand sich ihre Brille nicht auf ihrem Gesicht. Jhené kann ohne ihre Brille nichts sehen“, erklärte Crawford. Sie fügte hinzu: „Sie kann buchstäblich kein Telefon benutzen. Sie kann nicht auf die Toilette gehen.“ Ob die Beziehungsprobleme oder die fehlende Brille für die Ermittlungen eine Rolle spielen, ist bislang nicht bekannt. Auch zu möglichen Verdächtigen liegen keine Angaben vor. Die Frage steht allerdings offen im Raum, wie die trans* Frau überhaupt ohne Brille unterwegs gewesen sein soll. 

Gerechtigkeit für Jhené

Crawford beschrieb ihre Tochter als „sehr abenteuerlustig, reisefreudig und hochgebildet“. Sie sei „stolz“, Jhenés Mutter zu sein. Neben der Aufklärung des Todes will sich Crawford auch für die Rechte von trans* Menschen einsetzen und auf häusliche Gewalt sowie psychische Gesundheit aufmerksam machen. „Für mich bedeutet eine Lösung, dass Jhené Gerechtigkeit erfährt. Außerdem möchte ich mich für die trans* Gemeinschaft einsetzen, auf häusliche Gewalt aufmerksam machen und mich für psychische Gesundheit engagieren. Ich werde nicht ruhen. Und ich werde nicht zulassen, dass dieser Fall unter den Teppich gekehrt wird. Jhené Cordelia Audrict wird Gerechtigkeit erfahren“, sagte Crawford.

Falsche Suizideinstufungen?

Der Fall steht zugleich im Zusammenhang mit einer Debatte über Gewalt gegen trans* Menschen in den USA. Insbesondere trans* Frauen sind überdurchschnittlich häufig von Gewalt betroffen. Bürgerrechtsorganisationen befürchten zudem, dass manche Todesfälle vorschnell als Suizid eingestuft werden könnten. Die Bürgerrechtsorganisation JULIAN dokumentierte in ihrem jüngsten Bericht mehr als 150 Todesfälle in sieben US-Bundesstaaten. Untersucht wurden Fälle in Mississippi, Texas, Georgia, Louisiana, Florida, Tennessee und Alabama. Mehr als 50 der dokumentierten Todesfälle betrafen trans* Frauen. Jill Collen Jefferson, Gründerin der Organisation, zog einen Vergleich zur historischen Praxis rassistisch motivierter Lynchmorde in den Vereinigten Staaten. „Früher wurde ein Lynchmord mit einem Augenzwinkern und einem Lächeln als Suizid bezeichnet. Heute werden solche Todesfälle immer noch als Suizide bezeichnet. Aber inzwischen nehmen die Menschen diese Einstufung ernst.“ Ähnliche Zweifel an ersten polizeilichen Einschätzungen gab es bereits in anderen Fällen. 

Anzeige

Auch Interessant

Ein schwuler US-Sheriff

Brett Jones schreibt Geschichte

Der Demokrat Brett Jones wird Alabamas erster offen homosexueller Sheriff. Er will die Sicherheit im US-Bundesstaat verstärken.
Eheverbot auf Fidschi?

Homosexuelle Rechte unter Druck

Christliche Gruppen auf Fidschi wollen homosexuelle Ehen ausdrücklich in der Verfassung verbieten. Die Regierung hält am Diskriminierungsschutz fest.
Alex Ukkelberg ist schwul

Coming-Out im Profi-Volleyball

Der US-Beachvolleyballspieler Alex Ukkelberg spricht erstmals öffentlich über seine Homosexualität und erklärt, warum Sichtbarkeit für ihn wichtig ist.
Australien schreibt Geschichte

Schwuler Landeschef in Queensland

Thomas Bradley ist der erste offen schwule Gouverneur in Australien. Der Jurist wurde jetzt in Queensland als Gouverneur vereidigt.
Strategien gegen Mobbing

Schüler entwickeln Initiative

Mehr als 65.000 Schüler beteiligten sich an Aktionen gegen Mobbing und Cybermobbing – besonders viele Anfeindungen erleben LGBTIQ+-Jugendliche.
Ägypten bekämpft News-Portal

Freier Journalismus unter Druck

Nach Schikanen droht dem LGBTIQ+-freundlichen Nachrichtenportal Mada Masr in Ägypten die Schließung. Chefredakteurin Lina Attalah steht vor Gericht.
Klimakonferenz unter Druck

Amnesty warnt vor Repressionen

Amnesty International fordert vor der COP31 in der Türkei den Schutz von Journalisten, Umweltaktivisten und LGBTIQ+-Menschen und warnt vor Gefahren.
Neuer Rekord im US-Kongress

Mindestens 17 LGBTIQ+-Mitglieder

Der 2027 zusammentretende US-Kongress könnte mit mindestens 17 offen LGBTIQ+-zugehörigen Mitgliedern einen historischen Höchststand erreichen.
Baywatch kehrt zurück

Kultstars treffen neue Gesichter

Die Kultserie „Baywatch“ kehrt im Januar 2027 mit Stephen Amell als Hobie zurück. Auch Stars der Originalserie sind wieder mit dabei.