Neue Kritik an Bobbys Englands Polizei hat nicht ermittelt, weil das Opfer schwul war
Erst letzte Woche wurde erneut Kritik an der britischen Polizei laut, dass sie in einem Todesfall um einen schwulen 19-jährigen Studenten schlampig ermittelt hätte, zuvor zeigte sich bereits im Dezember letzten Jahres, dass es nach wie vor ein massives Problem mit Homophobie unter den Bobbys gibt und demnach viele Attacken gegenüber Schwulen und Lesben nicht korrekt aufgeklärt wurden.
Nun der nächste Vorwurf: Scott Gough (✝56) soll sich das Leben genommen haben, nachdem er von einer Gruppe von Männern über die Gay-Dating-App Grindr in eine Falle gelockt und anschließend unter Druck gesetzt worden war. Auch hier sollen die Ermittler nicht korrekt gearbeitet haben, jetzt werden Forderungen nach einer Wiederaufnahme des Falles laut.
Verzweiflungstat wird zum „plötzlichen Todesfall“
Ein Bericht der Abteilung für Berufliche Standards der Polizei (Professional Standards Department, PSD) stellte dabei erhebliche Mängel bei der Untersuchung des Todes fest. Demnach war Goughs Tod zunächst nur als „plötzlicher Todesfall“ registriert worden, obwohl diverse Anhaltspunkte für eine mögliche Erpressung mittels der Dating-Masche vorlagen, die den 56-Jährigen wahrscheinlich in den Suizid getrieben haben. Knapp 24 Stunden zuvor hatten mehrere Männer vor seinem Haus gestanden und die Herausgabe seines neuen Range Rover gefordert.
Der PSD-Bericht bemängelte zudem, dass die Polizei „Chancen verpasst“ habe, Beweise zu sichern, etwa durch Abfragen von Mobiltelefonen oder Interviews mit Verdächtigen. Ein Beamter des Child Online Safety Team (COST) habe die Häuser der Verdächtigen besucht, diese aber nicht als mögliche Täter verhört, sondern lediglich ermahnt, keine weiteren Personen zu belästigen. Die Hertfordshire Police erklärte kleinlaut daraufhin, die Versäumnisse hätten möglicherweise zum Verlust von Beweismaterial geführt.
Hinweisen erneut nicht nachgegangen
Cameron Tewson, der Partner des Verstorbenen, warf der Polizei vor, seine Beschwerde über Homophobie nicht ernsthaft geprüft zu haben. Die Beamten wiesen die Vorwürfe zurück und bezeichneten sie als „tief beleidigend“. Tewson dazu gegenüber der BBC: „Es ist, als müssten sie ihre eigene Arbeit bewerten.“ Zudem betonte er, dass die Bearbeitung der Beschwerde fast zwei Jahre gedauert habe und sich für ihn „anfühlte wie das tägliche Wiedererleben seines Todes. Ich glaube nicht, dass ich richtig trauern konnte, aber ich wusste von Anfang an, dass ich dranbleiben muss.“ Die Hertfordshire Police erklärte indes lapidar, man bleibe verpflichtet, „Mitglieder der LGBTIQ+-Gemeinschaft zu unterstützen, wenn sie sich an die Polizei wenden“.
Laut Bericht waren allerdings bereits mehrere Fälle mutmaßlicher Erpressung mittels Grindr in Goughs Region registriert worden, mindestens vier seien mit derselben Männergruppe verbunden, die bisher noch immer nicht verhaftet wurde. Stets sei es dabei um kompromittierendes Material gegangen, dass die betroffenen Männer entweder beruflich oder privat treffen sollte. Der PSD-Bericht kam zu dem Schluss, dass die Polizei „zu lange gebraucht“ habe, um Beschwerden über ihre ursprüngliche Untersuchung zu bearbeiten, und dass es „hinreichenden Verdacht“ auf ein Verbrechen der Erpressung gegeben habe.