Direkt zum Inhalt
Neue Kritik an Englands Polizei

Neue Kritik an Bobbys Englands Polizei hat nicht ermittelt, weil das Opfer schwul war

ms - 04.02.2026 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Erst letzte Woche wurde erneut Kritik an der britischen Polizei laut, dass sie in einem Todesfall um einen schwulen 19-jährigen Studenten schlampig ermittelt hätte, zuvor zeigte sich bereits im Dezember letzten Jahres, dass es nach wie vor ein massives Problem mit Homophobie unter den Bobbys gibt und demnach viele Attacken gegenüber Schwulen und Lesben nicht korrekt aufgeklärt wurden. 

Nun der nächste Vorwurf: Scott Gough (✝56) soll sich das Leben genommen haben, nachdem er von einer Gruppe von Männern über die Gay-Dating-App Grindr in eine Falle gelockt und anschließend unter Druck gesetzt worden war. Auch hier sollen die Ermittler nicht korrekt gearbeitet haben, jetzt werden Forderungen nach einer Wiederaufnahme des Falles laut. 

Verzweiflungstat wird zum „plötzlichen Todesfall“

Ein Bericht der Abteilung für Berufliche Standards der Polizei (Professional Standards Department, PSD) stellte dabei erhebliche Mängel bei der Untersuchung des Todes fest. Demnach war Goughs Tod zunächst nur als „plötzlicher Todesfall“ registriert worden, obwohl diverse Anhaltspunkte für eine mögliche Erpressung mittels der Dating-Masche vorlagen, die den 56-Jährigen wahrscheinlich in den Suizid getrieben haben. Knapp 24 Stunden zuvor hatten mehrere Männer vor seinem Haus gestanden und die Herausgabe seines neuen Range Rover gefordert.

Der PSD-Bericht bemängelte zudem, dass die Polizei „Chancen verpasst“ habe, Beweise zu sichern, etwa durch Abfragen von Mobiltelefonen oder Interviews mit Verdächtigen. Ein Beamter des Child Online Safety Team (COST) habe die Häuser der Verdächtigen besucht, diese aber nicht als mögliche Täter verhört, sondern lediglich ermahnt, keine weiteren Personen zu belästigen. Die Hertfordshire Police erklärte kleinlaut daraufhin, die Versäumnisse hätten möglicherweise zum Verlust von Beweismaterial geführt.

Hinweisen erneut nicht nachgegangen

Cameron Tewson, der Partner des Verstorbenen, warf der Polizei vor, seine Beschwerde über Homophobie nicht ernsthaft geprüft zu haben. Die Beamten wiesen die Vorwürfe zurück und bezeichneten sie als „tief beleidigend“. Tewson dazu gegenüber der BBC: „Es ist, als müssten sie ihre eigene Arbeit bewerten.“ Zudem betonte er, dass die Bearbeitung der Beschwerde fast zwei Jahre gedauert habe und sich für ihn „anfühlte wie das tägliche Wiedererleben seines Todes. Ich glaube nicht, dass ich richtig trauern konnte, aber ich wusste von Anfang an, dass ich dranbleiben muss.“ Die Hertfordshire Police erklärte indes lapidar, man bleibe verpflichtet, „Mitglieder der LGBTIQ+-Gemeinschaft zu unterstützen, wenn sie sich an die Polizei wenden“.

Laut Bericht waren allerdings bereits mehrere Fälle mutmaßlicher Erpressung mittels Grindr in Goughs Region registriert worden, mindestens vier seien mit derselben Männergruppe verbunden, die bisher noch immer nicht verhaftet wurde. Stets sei es dabei um kompromittierendes Material gegangen, dass die betroffenen Männer entweder beruflich oder privat treffen sollte. Der PSD-Bericht kam zu dem Schluss, dass die Polizei „zu lange gebraucht“ habe, um Beschwerden über ihre ursprüngliche Untersuchung zu bearbeiten, und dass es „hinreichenden Verdacht“ auf ein Verbrechen der Erpressung gegeben habe.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Premium-Abo mit Goldkante?

Preismodell schon jetzt in Kritik

Die beliebte Dating-App Grindr startet in ausgewählten Regionen ein Premium-Abonnement zum stolzen Preis von bis zu 500 US-Dollar pro Monat.
Dobrindt verweist auf Tatort

Verfahren gegen nichtbinäre Maja T.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verteidigt das strafrechtliche Vorgehen und das Urteil gegen die nichtbinäre deutsche Person Maja T. in Ungarn.
Neues Maß für das Arbeitsrecht

Weisungsrecht beim Gendern betont

Urteil in Hamburg: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitenden geschlechtergerechte Sprache verbindlich vorschreiben.
Mehr Finanzmittel gefordert

Auszeichnung für queeres Engagement

Mit der Übergabe der „Goldmarie“ beim Queeren Neujahrsempfang 2026 wurden zwei herausragende Persönlichkeiten für ihr Engagement im geehrt.
Penisgate bei Olympia

Wenn die Beule zu groß ist

Penisgate! Der Intimbereich der Skispringer wird bei den Olympischen Winterspielen ab heute exakt vermessen, denn die Beule darf nicht zu groß sein.
Morde in Brasilien

Höchste Opferzahlen bei LGBTIQ+

Für Schwule und trans* Menschen bleibt Brasilien ein tödliches Pflaster mit hohen Mordraten. Weltweit die meisten trans* Personen werden dort ermordet
Homophobe Schmähungen

Neuer Vorfall im britischen Fußball

In England sorgen homophobe Beleidigungen bei einem Fußballspiel erneut für Schlagzeilen - einer von rund 1.400 gemeldeten Vorfälle der Saison.
Social-Media-Verbot

CDU-Plan für Deutschland

Die CDU will ein Social-Media-Verbot für alle Unter-16-Jährigen einführen. Dazu müssten die Daten aller Nutzer registriert werden.
Teilweise Kehrtwende

Behandlung queerer US-Jugendlicher

Zwei große US-Ärzteverbände sprechen sich jetzt gegen Operationen bei trans* Jugendlichen aus. Queere Verbände betonen einen Rückschritt für LGBTIQ+.