Direkt zum Inhalt
Migration von LGBTI*-Menschen

Migration von LGBTI*-Menschen Umdenken beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

ms - 05.04.2023 - 11:30 Uhr
Loading audio player...

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland zieht eine positive Bilanz nach einem halben Jahr neuer Richtlinien beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Bundesinnenministerin Nancy Faeser hatte im Oktober 2022 die sogenannten „Diskretionsprognosen" abgeschafft, die dem Amt bisher ermöglicht hatten, homosexuelle und queere Flüchtlinge mit der Begründung abzulehnen, sie müssten in ihrem homophoben Herkunftsland einfach ihre sexuelle Orientierung verbergen und könnten dann dort frei von Verfolgung leben.

Positive Änderungen im BAMF

Jahrelang hatte der LSVD aber auch andere Bürgerrechtsverbände ein Umdenken seitens des BAMF gefordert. Seit sechs Monaten nun ist die alte Vorgehensweise Geschichte, wie Patrick Dörr vom Bundesvorstand attestiert: „Die letzten Monate haben gezeigt, dass sich mit der neuen Anweisung auch die Entscheidungspraxis in Asylverfahren ändert (…) Über die Änderung der Dienstanweisung hinaus begrüßen wir zudem, dass das BAMF mit beratender Begleitung durch den LSVD eine Terminologie erstellt und veröffentlicht hat, die in sechs Sprachen die wichtigsten fachsprachlichen Begriffe zum Themenbereich ´Sexuelle Orientierung / Geschlechtsidentität´ sowie einen Begleittext zur Sprachmittlung enthält.“ Diese Dokumente seien sowohl hilfreich für die Durchführung der Asylanhörung als auch für Beratungsstellen bei der Vorbereitung der Antragsteller, so der Verband weiter.

Neue Sichtweise vermindert Diskriminierung

Der wesentliche neue Aspekt bei der Herangehensweise mit LGBTI*-Flüchtlingen sei dabei von besonderer Bedeutung. Dörr vom LSVD dazu: „Zu den zentralen Änderungen gehört, dass das BAMF bei der Verfolgungsprognose künftig davon auszugehen hat, dass die antragstellende Person ihre sexuelle Orientierung beziehungsweise ihre geschlechtliche Identität in ihrem Herkunftsland offen ausleben würde. Wird der asylsuchenden Person ihre LSBTIQ*-Identität geglaubt, sorgt die reformierte Anweisung nun für eine erheblich bessere Chance auf eine Anerkennung als Flüchtling. Gibt es überdies Straftatbestände gegen LSBTIQ* im Herkunftsland, die angewendet werden, dürfen Antragsteller nicht auf Schutzmöglichkeiten bei staatlichen Akteuren verwiesen werden. Damit wird ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 2020 umgesetzt.“ Das neue Vorgehen sorge zudem dafür, stereotype Vorstellungen von LGBTI*-Menschen auch in der Behörde zu hinterfragen und differenzierter zu betrachten.   

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

"Homosexuelle oft Mutigste"

Starke Rede von Ex-Bundespräsident

Ex-Bundespräsident Christian Wulff ruft dazu auf, dass sich die Mehrheit der Gesellschaft aktiver für Rechte der queeren Community, engagieren müsse.
Juristischer Wendepunkt

Deutliche Worte für Grundrechte

Der EuGH hat entschieden, alle Mitgliedsstaaten müssen die Geschlechtsidentität von trans* Bürgerinnen und Bürgern rechtlich anerkennen.
Hass wegen Fingernagellack

Fußballprofi massiv beschimpft

Borja Iglesias, Stürmer von Celta Vigo mit bunten Fingernägeln, sah sich erneut massiven homofeindlichen Anfeindungen ausgesetzt,
Preissegen für Heated Rivalry

Gewinner bei den Queerties Awards

Die schwule Hit-Serie "Heated Rivalry" wurde bei den Queerties Awards als Bestes Drama ausgezeichnet. Einen zweiten Preis gab es für François Arnaud.
Schwule und bisexuelle Wähler

Trotz diskriminierender Politik

Nigel Farages Reform UK ist laut einer aktuellen Umfrage die bevorzugte Partei unter schwulen und bisexuellen Männern im Vereinigten Königreich.
Attacke auf queere Autofahrer

Kansas zieht Führerscheine ein

Binnen von rund zwei Wochen wurden in Kansas über 1.700 Führerscheine von trans* Personen aufgrund ihres Geschlechtseintrags für ungültig erklärt.
Urteilsspruch in Kenia

Haftstrafe mit Signalwirkung

Besonderes Urteil in Kenia: Zwei Männer wurden jetzt zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie zwei Schwule ausgeraubt und missbraucht haben.
Russlands perfide Spionage

Handys aus der Ukraine im Visier

Russland weitet seine Überwachung der queeren Community aus und sucht jetzt auf ukrainischen Handys in besetzten Gebieten nach LGBTIQ+-Hinweisen.
Aktionsplan in Frankfurt

Unterstützung der queeren Community

Ein neuer Aktionsplan mit über 170 Maßnahmen soll die LGBTIQ+-Community in Frankfurt am Main stärken, die Stadt soll zur "queeren City" werden.