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Kritik nach Schulgewalt gegen LGBTI* LGBTI*-Dachverband Dortmund verurteilt Gewalteruption an Realschule

Von ms - 09.06.2022 - 12:00 Uhr
Erschreckende Übergriffe auf queere Schüler in Dortmund
Foto: istockphoto / Pyrosky
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Erst vor wenigen Tagen belegte eine neue Studie im Auftrag des NDR, dass Homophobie und Gewalt gegenüber LGBTI*-Menschen an deutschen Schulen nach wie vor bitterer Alltag sind (SCHWULISSIMO berichtete). Nun wurde ein neuer Fall von Gewalt gegenüber queeren Menschen an einer Dortmunder Realschule bekannt, der fassungslos macht. Die LGBTI*-Organisation SLADO aus Dortmund kritisierte die Angriffe mit scharfen Worten.

Was war geschehen? Am vergangenen Donnerstag wurden drei Schülerinnen der Robert-Koch-Realschule in Dortmund von einer Horde von Mitschülern bedrängt, beleidigt, geschlagen und schlussendlich durch die Schule gejagt, weil die drei Mädchen zu Beginn des Pride Monats Juni eine Regenbogenflagge in die Schule mitgebracht hatten. Der queer-feindliche Übergriff wurde öffentlich, nachdem die Bloggerin Wiktoria Philipps ein Video von dem Vorfall auf Instagram veröffentlicht hatte. Besonders brisant: Die Lehrer der Realschule griffen in das Geschehen anscheinend nicht ein. Auch diese Erfahrung deckt sich dabei mit der NDR-Studie, demnach noch immer sehr viele Lehrkräfte unbedarft oder schlicht ignorierend mit der Thematik LGBTI* umgehen.

Geschockt zeigte sich jetzt auch der Verein SLADO, der Dachverband der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen- und trans-Vereine aus Dortmund. SLADO setzt sich seit Jahren gemeinnützig für die Kinder- und Jugendhilfe ein. Zum aktuellen Vorfall erklärte SLADO: „Queer-feindliche Gewalt, und dazu gehören auch Bedrängen und Verächtlichmachen, ist immer inakzeptabel. Der Übergriff an der Robert-Koch-Realschule zeigt, dass noch sehr viel passieren muss, bis Schule ein sicherer Ort für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, inter- und andere queere Menschen ist. Aktuell sind Schulen, auch in Dortmund, häufig kein sicherer Ort für LGBTI*. 55 Prozent der lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans-Jugendlichen haben laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität bereits Diskriminierung im schulischen Kontext erfahren, 61 Prozent fürchten sich vor einem Coming-Out im schulischen oder beruflichen Kontext. Wir bewundern den Mut der drei Schülerinnen und sind dankbar für das wichtige Zeichen, das sie gesetzt haben.“

Im weiteren Verlauf stellt der LGBTI*-Dachverband dabei auch klar, dass der jüngste Vorfall nun auch als Motivation verstanden werden müsse, Dinge zu ändern und aktiv gegen LGBTI*-Feindlichkeit vorzugehen. Zudem: „Wir fordern, dass dieser traurige Anlass an der Robert-Koch-Realschule genutzt wird, um ihn mit allen beteiligten Schülern pädagogisch aufzuarbeiten. Die Lebensrealität von LGBTI*, die vielfach von Diskriminierungserfahrungen geprägt ist, hat bislang keinen festen Platz im schulischen Curriculum. Nach einem solchen Übergriff kann man aber nicht einfach zum Alltag übergehen, sondern muss sich dem Thema stellen. Fachkräfte an Schulen verfügen in der Regel nicht über Wissen über die Lebensrealität von LGBTI* und auch nicht über Strategien, mit denen queer-feindlicher Diskriminierung begegnet werden kann. Üblicherweise gehen einer solch bedrückenden Eskalation wie an der Robert-Koch-Realschule zahlreiche Diskriminierungen und abfällige Bemerkungen im Alltag voraus, denen Fachkräfte an Schulen, aber auch Eltern, aktiv entgegentreten müssen. Hier besteht für die gesamte Dortmunder Schullandschaft dringender Nachhol- und Qualifikationsbedarf, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.“

Die NDR-Studie bestätigt inhaltlich die Ausführungen von SLADO dabei nicht nur, sondern zeigt zudem auf, dass der „dringende Nachhol- und Qualifikationsbedarf“ eine bundesweite Aufgabe vieler Schulen ist. Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, hatte zuletzt im März erklärt, dass der geplante Nationale Aktionsplan auch gegen Homo- und Queer-Hass an deutschen Schulen vorgehen solle.

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