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Krise in den Niederlanden Leihmutterschaft von Rob Jetten beschäftigt Den Haag

Von ms - 29.10.2026 - 15:00 Uhr
Haushaltsstreit wegen Babyglück
Foto: IMAGO / NL Beeld
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Die bevorstehende Vaterschaft des niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten hat eine politische Auseinandersetzung über Leihmutterschaft ausgelöst. Der Regierungschef und sein Verlobter Nicolás Keenan erwarten im kommenden Frühjahr ihr erstes Kind. Während sich das Paar auf den Nachwuchs vorbereitet, fordert ein Abgeordneter der sozialkonservativen Partei SGP eine Änderung der Regierungspolitik und verknüpft diese mit den laufenden Haushaltsverhandlungen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Nachwuchs für den Regierungschef: Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten und sein Verlobter, der argentinische Hockeynationalspieler Nicolás Keenan, erwarten im Frühjahr 2027 ein Kind.
  • Hilfe aus dem Bekanntenkreis: Eine Frau namens Lisa trägt das Kind aus. Auch die Eizellspenderin ist mit dem Paar bekannt. In den Niederlanden ist nichtkommerzielle Leihmutterschaft erlaubt.
  • Politischer Widerstand: Der SGP-Abgeordnete Diederik van Dijk kritisiert die Familienplanung und verlangt, dass die Regierung auf eine Liberalisierung der Leihmutterschaft verzichtet.
  • Haushalt unter Druck: Die sozialkonservative SGP macht ihre Zustimmung zum Etat für 2027 von der Haltung der Regierung zur Leihmutterschaft abhängig.
  • Rechtliche Reform geplant: Jettens Minderheitsregierung will die Elternschaft bei Leihmutterschaften klarer regeln. Die rechtliche Anerkennung kann bislang bis zu zwei Jahre dauern.
  • Öffentliche Kontroverse: Die Ankündigung löste neben Glückwünschen auch kritische Reaktionen aus. Die Zeitung „De Telegraaf“ schloss die Kommentarfunktion zu ihrem Bericht.

Erklärung online 

Die Ankündigung des Paares war zunächst eine persönliche Nachricht. Auf der Internetseite von Jettens linksliberaler Partei D66 teilten die beiden mit: „Etwas sehr Besonderes ist auf dem Weg.“ Jetten lebt offen homosexuell. Sein Partner Keenan ist argentinischer Hockeynationalspieler. Die beiden sind verlobt. Das Kind wird von einer Frau namens Lisa ausgetragen, die zum Bekanntenkreis des Paares gehört. Auch die Eizellspenderin ist eine Bekannte der beiden Männer. Auf einem in den sozialen Medien veröffentlichten Foto zeigen sich Jetten und Keenan gemeinsam mit Lisa. An die beiden Frauen richteten die werdenden Väter eine persönliche Botschaft. Sie seien ihnen „unendlich dankbar“, erklärten Jetten und Keenan. „Ohne euch wäre das nie möglich.“

Leihmutterschaft unter Bedingungen

In den Niederlanden ist Leihmutterschaft grundsätzlich zulässig, solange sie nicht kommerziell erfolgt. Eine Schwangerschaft für andere Menschen darf damit nicht als gewinnorientierte Dienstleistung angeboten werden. Allerdings bestehen weiterhin rechtliche Schwierigkeiten bei der Anerkennung der Elternschaft. Paare, die mithilfe einer Leihmutter ein Kind bekommen, müssen unter Umständen bis zu zwei Jahre warten, bis sie rechtlich als Eltern anerkannt werden. Die Regierung unter Jetten hat sich deshalb vorgenommen, die gesetzlichen Bestimmungen zu überarbeiten und die rechtliche Situation der Beteiligten besser zu regeln. Der Ministerpräsident hatte im vergangenen Jahr die Parlamentswahl gegen den Rechtspopulisten Geert Wilders gewonnen. Seit Februar 2026 führt der Politiker der linksliberalen D66 eine Minderheitsregierung. Damit ist seine Regierung bei parlamentarischen Entscheidungen auf Unterstützung außerhalb der eigenen Koalition angewiesen.

Bedingung für den Haushalt

Die Debatte um Jettens Familienplanung fällt in eine politisch wichtige Phase. Bis Ende Oktober verhandelt das Minderheitskabinett mit Oppositionsparteien über den Staatshaushalt für 2027. In diesem Zusammenhang meldete sich Diederik van Dijk von der sozialkonservativen SGP zu Wort. Der Abgeordnete kritisierte die geplante Elternschaft des Regierungschefs und seines Verlobten über eine Leihmutter. Auf der Plattform X schrieb er: „Diese beiden müssen das ihrem Kind ein Leben lang erklären.“ Van Dijk verlangt, dass die Regierung ihre Pläne für eine Liberalisierung der Leihmutterschaft aufgibt. Andernfalls könne seine Partei dem Haushaltsentwurf für 2027 nicht zustimmen. Damit wird eine familienrechtliche Frage zum Gegenstand der Haushaltsverhandlungen. Die persönliche Entscheidung des Regierungschefs steht zugleich im Zusammenhang mit einem politischen Reformvorhaben seiner Regierung.

Niederlande und LGBTIQ+

Die Niederlande gehören zu den Ländern, die früh rechtliche Gleichstellung für homosexuelle Paare eingeführt haben. Vor 25 Jahren öffnete das Land als erstes weltweit die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Die entsprechende Regelung trat 2001 in Kraft. Auch die Beziehung zwischen Jetten und Keenan hat bereits öffentlich Aufmerksamkeit erhalten. Im Sommer 2026 verbreitete sich ein Foto in den sozialen Medien, auf dem der niederländische Regierungschef seinen Verlobten am Rande der Hockey-Weltmeisterschaft küsst. Die Bekanntgabe der bevorstehenden Elternschaft löste nun allerdings nicht nur positive Reaktionen aus. Die niederländische Boulevardzeitung „De Telegraaf“ musste sogar die Kommentarfunktion unter ihrem Onlinebericht bereits nach wenigen Minuten schließen. Hintergrund war die große Zahl kritischer Kommentare über die werdenden Eltern.

Vergleich mit Jens Spahn

Auch in Deutschland wird die Diskussion über Jettens Vaterschaft mit einer politischen Kontroverse um Leihmutterschaft in Verbindung gebracht. Dabei wird auf den schwulen CDU-Politiker Jens Spahn verwiesen, der nach Kritik aus den eigenen Reihen die Führung der Unionsfraktion aufgegeben hatte. Auslöser der Auseinandersetzung war seine Vaterschaft mithilfe einer Leihmutter in den Vereinigten Staaten. Spahn hatte sich zuvor in Deutschland für ein Verbot der Leihmutterschaft ausgesprochen. Diese frühere Position spielte bei der Kritik an ihm eine Rolle.

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