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Homophobie in Bayern Über 400 Schulen melden diverse Vorfälle

Von ms - 11.12.2025 - 11:30 Uhr
Homophobie in Bayern
Foto: iStock / Liderina
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Eine umfangreiche Erhebung des Bayerischen Rundfunks zeigt erstmals ein Gesamtbild zu homophoben sowie menschen- und demokratiefeindlichen Vorfällen an weiterführenden staatlichen und kommunalen Schulen im Freistaat. Rund 400 Einrichtungen meldeten entsprechende Beobachtungen – darunter auch rechtsextreme Symbole, rassistische Beleidigungen sowie Gewalt- oder Einschüchterungsakte.

Diverse Vorfälle an Mehrheit der Schulen

Laut BR Recherche und BR Data gaben 66 Prozent der 598 teilnehmenden Schulleitungen an, im Schuljahr 2024/25 mit derartigen Vorfällen konfrontiert gewesen zu sein. Insgesamt wurden mehr als 1.500 Schulen angeschrieben, was nahezu allen weiterführenden öffentlichen Schulen in Bayern entspricht. Die Befragung erfolgte anonym und gilt nicht als repräsentativ.

Drei Viertel der Schulen, die Vorfälle meldeten, ordnen diese überwiegend dem rechten Milieu zu. Drei Prozent sehen eine politische Verortung im linken Spektrum, rund zehn Prozent berichten von religiös motivierten Vorfällen. Bei etwa einem Drittel war aus Sicht der Schulleitungen keine eindeutige Zuordnung möglich.

In zahlreichen Rückmeldungen werden konkrete Beispiele genannt: Jugendliche hätten „ausländerfeindliche Lieder“ gesungen, Mitschüler wegen Hautfarbe oder sexueller Orientierung beleidigt oder Hakenkreuze gezeichnet. Wiederholt wird auch das Zeigen des Hitlergrußes erwähnt. Ebenso berichten Schulen von frauenfeindlichen Aussagen mit islamistischem Bezug, körperlichen Übergriffen mit rechtsextremer Motivation sowie von einschlägigen Codes und Symbolen in Chatgruppen.

44 Prozent sehen Zunahme der Angriffe

Der Bildungswissenschaftler Rico Behrens von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sieht durch solche Vorfälle die pädagogische Arbeit gefährdet. „Das stört nicht nur den Schulfrieden, das bedroht auch die Demokratieerziehung an Schulen“, sagt er. Die Häufung rechter Vorfälle überrasche ihn nicht: „Wenn man sich die Wahlergebnisse und das gesellschaftliche Klima anschaut, ist es eigentlich normal, dass es das in Schulen geben muss.“ Obwohl sich die Vorfälle über alle Schularten hinweg finden, beschreiben 85 Prozent der Schulen ihr Klima insgesamt als respektvoll. Uneinheitlich ist der Trend über die vergangenen fünf Jahre: 45 Prozent sehen keine Veränderung, 44 Prozent sprechen von einer Zunahme.

Anders als etwa in Sachsen werden solche Vorfälle in Bayern weder erfasst noch veröffentlicht. Das Kultusministerium hält eine Meldepflicht nicht für sinnvoll, da die Bewertung stark vom Einzelfall abhänge und schwer vergleichbar sei. Man verweist auf Datenschutzanforderungen sowie auf das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen Schulen und Eltern.

Zu den Ergebnissen der BR-Erhebung äußert sich das Ministerium nicht. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) stand für ein Interview nicht zur Verfügung. In einer schriftlichen Stellungnahme betonte das Haus jedoch die Bedeutung von Prävention und politischer Bildung: „Damit es zu Vorfällen dieser Art jedoch gar nicht erst kommt, setzen wir an unseren Schulen zuallererst auf Prävention.“ Extremismus werde „ganz gleich aus welcher Richtung“ bekämpft.

Social Media als wichtigste Negativ-Ursache

Einzelne Schulleitungen berichten, dass sie die Polizei einschalten mussten, etwa wegen eines „rechtsradikalisierten Schülers“ an einer Realschule oder wegen rassistischer Postings in Klassenchats. Rund 86 Prozent der Schulen sehen den Einfluss sozialer Medien als Hauptgrund für demokratiefeindliche Vorfälle. 62 Prozent nennen den gesellschaftlichen Rechtsruck. Ein Viertel nennt den Konflikt zwischen Israel und Gaza als relevanten Faktor. Nur etwa zehn Prozent werten solche Vorfälle als Teil jugendlicher Provokation oder als Folge der Corona-Jahre.

Die Bewertung staatlicher Unterstützung fällt unterschiedlich aus: Gymnasien und Realschulen vergeben mehrheitlich Noten im Bereich „sehr gut“ bis „befriedigend“. Mittelschulen sind deutlich kritischer – knapp die Hälfte bewertet die Unterstützung als „ausreichend“ bis „ungenügend“. 18 Mittelschulen ziehen die Note sechs.

Der BR verschickte den Online-Fragebogen an 1.523 Schulleitungen, deren Adressen öffentlich zugänglich waren. Die Befragung fand zwischen Oktober und November 2025 statt. Die Datenerhebung wurde wissenschaftlich begleitet. Insgesamt gingen 598 gültige Antworten ein – 298 von 813 Mittelschulen, 106 von 277 Realschulen, 36 von 73 Fachoberschulen und 158 von 360 Gymnasien.

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