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Hass-Gewalt in Kamerun Yasmine fürchtet um ihr Leben

Von ms - 05.11.2026 - 10:30 Uhr
Hass-Gewalt in Kamerun
Foto: Yasmine privat / 76crimes
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Schock in der Community: Eine junge trans* Frau ist in Kamerun erneut Opfer schwerer Gewalt geworden. Yasmine, die auch Yas genannt wird, wurde vor wenigen Tagen in einem Restaurant in der Wirtschaftsmetropole Douala von zwei Männern angegriffen. Die Täter sollen sie geschlagen, beleidigt und damit gedroht haben, sie gegen ihren Willen auszuziehen. Nur durch das Eingreifen mehrerer Menschen konnte ein sexueller Übergriff verhindert werden.

Das Wichtigste im Überblick

  • Erneuter Angriff: Die trans* Frau Yasmine wurde in einem Restaurant in Douala, Kamerun, von zwei jungen Männern geschlagen, beleidigt und bedroht.
  • Sexueller Übergriff verhindert: Die Angreifer wollten Yasmine gegen ihren Willen entkleiden. Erst das Eingreifen von Zeugen verhinderte eine weitere Eskalation.
  • Keine Polizei eingeschaltet: Aus Angst vor dem Umgang der Behörden mit LGBTIQ+-Menschen wurde der Vorfall nicht angezeigt.
  • Bereits zuvor Gewalt erlebt: Yasmine war schon im Frühjahr angegriffen worden. Damals war sie obdachlos. Inzwischen hat sie eine Unterkunft und arbeitet als Kellnerin.
  • Hoffnung auf Ausreise: Die junge Frau möchte in Frankreich Asyl beantragen.

Gewaltspirale im Lokal

Die Betroffene schilderte die Ereignisse dem Nachrichtenportal 76 Crimes. Demnach begann der Vorfall an ihrem Arbeitsplatz, einem Restaurant, in dem Yasmine als Kellnerin beschäftigt ist. Auslöser sollen Äußerungen eines queeren Mannes aus der örtlichen LGBTIQ+-Community gewesen sein. Dieser habe in Hörweite anderer Gäste Bemerkungen gemacht, durch die bekannt geworden sei, dass Yasmine eine trans* Frau ist. Daraufhin seien zwei junge Männer auf sie zugegangen. Sie hätten ihr vorgeworfen, „kleine Schwestern zu verderben“ und „Abscheulichkeiten“ zu verbreiten.

Yasmine versuchte nach eigenen Angaben zunächst, die angespannte Situation zu entschärfen. Um die Aufmerksamkeit von ihrer Geschlechtsidentität abzulenken, erklärte sie den Männern, sie sei lesbisch. Doch statt die Auseinandersetzung zu beenden, verschärfte diese Aussage offenbar die Aggressionen der beiden Männer. Sie sollen daraufhin Yasmine beschimpft, brutal geschlagen und immer wieder bedroht haben. Zudem hätten sie angekündigt, ihr die Kleidung vom Körper zu reißen, um ihr Geschlecht zu „beweisen“. Die junge Frau wurde bei dem Angriff zu Boden geworfen und gedemütigt. Nach ihrer Schilderung entging sie nur knapp einem sexuellen Übergriff. Mehrere Menschen, die sich in der Nähe aufhielten, griffen schließlich ein und stoppten die Angreifer.

Bekannte eilen zur Hilfe

Zu den Helfern gehörte Yasmines Vermieter, der den Vorfall beobachtet hatte. „Ich sah Yasmine auf dem Boden liegen, umringt von diesen jungen Männern, also griff ich ein. Niemand verdient es, so behandelt zu werden“, erklärte er. Auch der Besitzer des Restaurants, in dem Yasmine arbeitet, beteiligte sich daran, die junge Frau zu schützen. Er zeigte sich erschüttert über die Gewalt gegen seine Mitarbeiterin. „Sie ist eine respektvolle und fleißige junge Frau. Sie in diesem Zustand zu sehen, hat mich zutiefst erschüttert. Wir mussten sie verteidigen, um das Schlimmste zu verhindern“, sagte er. Eine Nachbarin stellte sich ebenfalls öffentlich hinter Yasmine und verurteilte den Angriff. „Diese Gewalt ist inakzeptabel. Yas ist unsere Schwester, unsere Freundin. Sie verdient Schutz und Respekt, keinen Hass.“

Polizei nicht eingeschaltet

Obwohl Yasmine körperlich angegriffen und mit sexualisierter Gewalt bedroht wurde, verständigten die Beteiligten nicht die Polizei. Hintergrund ist die schwierige rechtliche und gesellschaftliche Situation von LGBTIQ+-Menschen in Kamerun. Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen sind in dem zentralafrikanischen Land strafbar und wurden vor zehn Jahren noch einmal radikal verschärft.  Die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen werden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen immer häufiger auch gegen Homosexuelle und LGBTIQ+-Menschen insgesamt angewendet. Polizeibeamte sollen sich bei Konflikten mit LGBTIQ+-Personen dabei häufig auf die Seite der Angreifer stellen.  Für Betroffene kann eine Anzeige deshalb mit zusätzlichen Risiken verbunden sein. Statt Unterstützung zu erhalten, müssen sie unter Umständen selbst mit Diskriminierung oder strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Auch innerhalb der Bevölkerung ist Homophobie und Hass gegenüber homosexuelle und queere Personen stark ausgeprägt, erst vor wenigen Tagen wurde ein 23-jähriger Schwuler bei einem vermeintlichen Date beinahe ermordet. Im jüngsten Fall von Yasmine führte die Situation dazu, dass der schwere Übergriff nicht bei den Behörden gemeldet wurde.

Erste Angriffe im Frühjahr 

Für Yasmine war die Attacke nicht der erste gewalttätige Übergriff. Schon im Frühjahr dieses Jahres war sie in der Öffentlichkeit angegriffen worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie keine feste Unterkunft und lebte auf der Straße. Ihre Lebenssituation verbesserte sich erst durch die Unterstützung der kamerunischen LGBTIQ+-Organisation SORIH (Solidarity Rights and Health). Mithilfe der Organisation gelang es ihr, ein kleines Zimmer anzumieten und damit ihre Obdachlosigkeit zu beenden. Außerdem fand sie eine Anstellung als Kellnerin. Durch ihre Arbeit kann sie inzwischen selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Trotz dieser Fortschritte bleibt ihr Alltag von Unsicherheit geprägt. Obwohl Zeugen Schlimmeres verhindern konnten, hat der Vorfall tiefe Spuren hinterlassen. „Einer von ihnen versuchte, mir die Kleidung vom Körper zu reißen. Wenn das passiert wäre, weiß ich nicht, wo ich heute wäre“, sagte sie.  Yasmine möchte deswegen nun Kamerun verlassen und in Frankreich Asyl beantragen.

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