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Großes CSD-Event trotzt Krieg Israels Polizei schützt Parade mit Drohnen, Booten und Spezialeinheiten

Von ms - 15.06.2026 - 08:30 Uhr
Zehntausende bei Tel Aviv Pride
Foto: IMAGO / ZUMA Press
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In Tel Aviv haben sich am vergangenen Freitag Zehntausende Menschen zum Pride versammelt und damit die größte LGBTIQ+-Veranstaltung im Nahen Osten gefeiert. Das queeren Feierlichkeiten gingen das Wochenende über weiter. Die Parade fand unter außergewöhnlich hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Über der Stadt wurden Drohnen eingesetzt, auf dem Meer patrouillierten Boote und Jetskis, und jeder der Wagen wurde von schwer bewaffneten Polizeikräften begleitet.

Das Wichtigste im Überblick

  • Zehntausende Menschen nehmen am Pride in Tel Aviv teil
  • Die Veranstaltung steht unter massivem Polizeischutz mit Drohnen, Booten und Spezialeinheiten
  • Polizei spricht von vollständig durchgeplantem Sicherheitskonzept
  • Parade findet nach einjähriger Kriegspause wieder statt
  • Teilnehmer berichten sowohl von Freiheit als auch von fortbestehender Diskriminierung

1.000 Polizisten sichern CSD ab

„Helikopter, Drohnen und Spezialeinheiten schützen diesen Pride“, sagte Polizeisprecher Dean Elsdunne (30). „Die Besucher sollen wissen, dass sie sicher sind. Es gibt nichts, worauf wir uns nicht vorbereitet haben.“ Nach Angaben der Polizei waren mehr als 1.000 Einsatzkräfte vor Ort. Die Veranstaltung wurde zusätzlich durch Spezialeinheiten gesichert. Neben der sichtbaren Präsenz im Stadtgebiet kamen auch verdeckte Polizeikräfte zum Einsatz. Nach einer einjährigen Pause aufgrund des Krieges kehrte der Pride auf die Strandpromenade von Tel Aviv zurück. Die Küstenstraße verwandelte sich erneut in eine farbenfrohe Kulisse mit Musik, Tanz und geschmückten Wagen. Nur wenige Touristen waren anwesend, dennoch füllten zehntausende Menschen die Strecke entlang des Meeres.

Auch politische Vertreter nahmen an der Parade teil. Unter ihnen war die stellvertretende Bürgermeisterin Chen Arieli (49), die als erste lesbische Frau dieses Amt innehat. Sie betonte mit Blick auf die Region: „Die Freiheiten, die viele von uns heute genießen, galten einst als unmöglich. Die Tatsache, dass etwas heute unmöglich erscheint, bedeutet nicht, dass es für immer unmöglich bleiben wird.“ Sie erklärte zudem: „Was Israel unterscheidet, ist nicht, dass das Land frei von Diskriminierung oder politischen Konflikten ist. Es ist vielmehr so, dass demokratische Institutionen und soziale Bewegungen Wege für Veränderungen geschaffen haben.“ Das Militär habe LGBTIQ+-Personen früh integriert und damit Sichtbarkeit ermöglicht, was in vielen Ländern der Region nicht denkbar sei.

Hassverbrechen und Ablehnung

Gleichzeitig verwies Arieli auf bestehende Probleme. „Viele junge Menschen erleben noch immer Ablehnung im eigenen Zuhause. Hassverbrechen bleiben ein ernstes Problem.“ Nach Angaben der Jugendorganisation IGY haben 15 Prozent der LGBTIQ+-Schüler in Israel bereits körperliche Angriffe erlebt, ein Anstieg um neun Prozentpunkte im Vergleich zu 2021. Auch Teilnehmer schilderten sehr unterschiedliche Erfahrungen. Der 32-jährige Alon Reichmann, Mitglied einer schwulen Rugby-Mannschaft, sagte gegenüber der Bild-Zeitung: „Tel Aviv ist eine liberale Stadt, aber diese Regierung repräsentiert uns nicht.“

Andere Besucher berichteten von positiveren persönlichen Erfahrungen. Eidan (40) sagte: „Mein Mann und ich haben zwei Kids. Ich habe noch nie Hass erfahren. Das gesamte Land ist offener, als viele im Ausland denken.“ Auch Lior (38), Vater eines zweijährigen Kindes, erklärte: „Tel Aviv ist eine der offensten Städte, in denen wir je gewohnt haben – und wir haben vorher in Deutschland gelebt.“ Ein Reise-Influencer schilderte hingegen Unterschiede im internationalen Vergleich. Ohad Hanavad (32), bekannt als „Ohad the Nomad“, sagte: „In arabischen Ländern oute ich mich natürlich nicht. In Israel ist es gar kein Problem. Leider muss ich mittlerweile vor allem in Europa gegen Vorurteile kämpfen.“

LGBTIQ+ in Israel 

Im Land selbst bleibt die gesellschaftliche Situation nach Angaben von Aktivisten uneinheitlich. Während Tel Aviv als besonders offen gilt, berichten Organisationen aus anderen Regionen von Zurückhaltung und Angst vor Diskriminierung. Der Mediziner Dr. Roy Zucker (44), Gründer einer LGBTIQ+-Gesundheitseinrichtung in Tel Aviv, erklärte: „Wir bedienen Bedürfnisse, die normale Ärzte nicht abdecken, so wie HPV-Beratung und Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten. Hier gibt es Angebote vom Dermatologen bis zum Proktologen. So erreichen wir auch religiöse Menschen, die sich nicht dem Hausarzt ihrer Familie anvertrauen würden.“ Kritik an sogenanntem „Pinkwashing“ weist er zurück: „Das ist, wer wir hier sind. Wenn eine trans* Person Operationen braucht, werden sie sogar bezahlt.“

Auch außerhalb der Metropole gibt es entsprechende Einrichtungen. In der Wüstenstadt Be’er Scheva berichtete die trans* Frau Mali, sie habe bislang keine Anfeindungen erlebt. Mitarbeiterin Avishag Tabib äußerte sich kritisch über internationale Solidaritätsbewegungen: „Die queere Community der Welt hat uns alleingelassen. Es bricht mir das Herz.“ Der trans* Mann Ariel Alvarrz-Pereyre schilderte die Situation insbesondere für muslimische queere Menschen als schwierig: „Für Muslime hier ist es unmöglich, ihr Coming-Out zu haben. Wir haben eine muslimische Gruppe, die sich an einem geheimen Ort trifft. Wenn sie sich outen, werden sie von ihrer Familie bedroht.“ Auch aus Jerusalem wurden ähnliche Einschätzungen geäußert. Ziv (27) vom örtlichen LGBTIQ+-Zentrum sagte: „In Jerusalem können sich viele nicht outen. Gerade arabische queere Menschen haben Angst um ihr Leben und werden körperlich bedroht.“

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