Eine Frau modelliert menschliche Organe aus Wachs, die andere zeichnet Blumen – und die beiden verlieben sich. Christine Wunnicke erzählt in „Wachs“ von dieser ungewöhnlichen Verbindung. Am Samstag hat die Autorin in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis 2026 entgegengenommen. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt ihr gesamtes Erzählwerk.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Preisverleihung fand am 24. Oktober in Darmstadt statt.
- Die Laudatio hielt Schriftstellerin Judith Schalansky.
- Zu Wunnickes queeren Liebesgeschichten gehören „Wachs“ und „Missouri“.
Zwei Frauen im Frankreich der Aufklärung
In „Wachs“ begegnen sich die Anatomin Marie Biheron und die botanische Zeichnerin Madeleine Basseporte. Wunnicke führt die beiden durch das Frankreich des 18. Jahrhunderts, bis in die Zeit der Revolution. Der Berenberg Verlag stellt den Roman als Liebesgeschichte zweier sehr verschiedener Frauen vor. Wissenschaft, Kunst und Begehren kommen dabei in einem schmalen Band zusammen: Das Buch umfasst 192 Seiten.
Mit „Wachs“ stand Wunnicke 2025 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung würdigte nun ihre überraschenden Stoffe, ihren Sprachwitz und die Verbindung von Unterhaltung mit anspruchsvoller Reflexion. Die Bekanntgabe der Entscheidung erfolgte bereits im Juli; am Wochenende wurde der Preis überreicht.
Ein Dichter verliebt sich im Wilden Westen
Auch „Missouri“ lohnt den Blick ins Werk. Die Erzählung folgt dem britischen Dichter Douglas Fortescue, der nach seiner Flucht in die USA bei einer Räuberbande landet und dort die Liebe findet. Die Geschichte gehörte zunächst zu Wunnickes Debütroman „Fortescues Fabrik“ und erschien später eigenständig. Die Verlagsseite bei Salzgeber enthält auch Wunnickes eigenen Rückblick auf diesen romantischen Western.
Die in München geborene Autorin schreibt Romane, biografische Literatur und Hörspiele und übersetzt aus dem Englischen und Italienischen. Zu ihren weiteren Büchern zählen „Der Fuchs und Dr. Shimamura“, „Katie“ und „Die Dame mit der bemalten Hand“. Für Letzteres erhielt sie 2020 den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis.
Bei der Preisverleihung sprach Wunnicke auch über das Kürzen ihrer Texte. Was beim Schreiben nicht nötig sei, streiche sie, erklärte sie in ihrer Dankesrede. Über den Festakt berichtete Deutschlandfunk.