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Gesundheit hinter Gittern HIV- und STI-Prävention im Gefängnis

Von ms - 03.07.2026 - 11:00 Uhr
Gesundheit hinter Gittern
Foto: iStock / PepeLaguarda
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Eine neue Pilotstudie des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt deutliche Defizite bei der Prävention und Versorgung von HIV sowie Hepatitis B und C im Strafvollzug. Untersucht wurden Menschen in Haft mit einer Vorgeschichte des Drogenkonsums in der Justizvollzugsanstalt Bremen. Die Forscher sprechen sich dafür aus, die Haftzeit künftig konsequenter für Testungen, Behandlungen und Präventionsmaßnahmen zu nutzen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Das Robert Koch-Institut hat in einer Pilotstudie Infektionskrankheiten bei drogenkonsumierenden Menschen in Haft untersucht.
  • Hohe Prävalenzen von HIV sowie Hepatitis B und C wurden festgestellt, Testungen und Behandlungen erfolgten jedoch vergleichsweise selten.
  • Die Forscher empfehlen, Haftzeiten stärker für Prävention, Diagnostik und Therapie zu nutzen.
  • Die Studie wurde in der Justizvollzugsanstalt Bremen durchgeführt und soll auf weitere Gefängnisse ausgeweitet werden.
  • In Deutschland sitzen derzeit schätzungsweise rund 3.800 schwule Männer im Strafvollzug, die von verbesserten Gesundheitsangeboten profitieren könnten.

Mehr HIV- und Hepatitis-Prävention in Haft

Die Ergebnisse sind gerade auch mit Blick auf besonders vulnerable Gruppen im Strafvollzug von Bedeutung. Dazu gehören unter anderem schwule und bisexuelle Männer. Nach Schätzungen befinden sich derzeit rund 3.800 schwule und bisexuelle Männer in deutschen Gefängnissen. Für sie können ein niedrigschwelliger Zugang zu HIV-Tests, medizinischer Versorgung und Präventionsangeboten eine besonders wichtige Rolle spielen. 

Für die Pilotstudie „DRUCK-Haft“ befragte das RKI im Sommer 2025 inhaftierte Menschen mithilfe eines standardisierten Fragebogens. Zusätzlich wurden Blutproben auf HIV sowie Hepatitis B und C untersucht. Ergänzend führte das Studienteam Interviews mit Beschäftigten der Justizvollzugsanstalt. Die meisten Studienteilnehmer waren dabei Männer. Das mittlere Alter lag bei 36 Jahren. Rund die Hälfte war bereits mehrfach inhaftiert. Alle Teilnehmer hatten im Laufe ihres Lebens Drogen konsumiert. 58 Prozent berichteten von injizierendem Drogenkonsum, 19 Prozent davon auch während der Haft.

Vergleichsweise hohe Infektionsraten

Die Studie ergab vergleichsweise hohe Infektionsraten. Eine aktive Hepatitis-B-Infektion wurde bei 3,7 Prozent der Teilnehmer festgestellt, eine aktive Hepatitis-C-Infektion bei 19 Prozent und eine HIV-Infektion bei 3,2 Prozent. Gleichzeitig wurden Testungen und Behandlungen während der Haft nach Angaben des RKI nur selten durchgeführt. Von den Teilnehmern mit einer Vorgeschichte des injizierenden Drogenkonsums erhielten 54 Prozent während der Haft eine Substitutionsbehandlung. Darüber hinaus berichteten 80 Prozent von Diskriminierung. Ebenfalls häufig genannt wurden psychische Belastungen und psychiatrische Diagnosen – alle drei Aspekte sind Punkte, unter denen insbesondere schwule Männer in Haft verstärkt leiden. 

Auch die Befragung des Personals machte nach Angaben des RKI strukturelle Probleme deutlich. Genannt wurden insbesondere Herausforderungen bei der psychiatrischen Versorgung, Personalmangel, lange Wartezeiten sowie Informationsdefizite. Die Mitarbeiter empfahlen mehr personelle Ressourcen, einen Ausbau suchtmedizinischer und psychiatrischer Angebote, einfachere Verwaltungsabläufe, zusätzliche Schulungen sowie eine bessere Wissensvermittlung zu Prävention und Übertragungswegen von Infektionskrankheiten. Zudem sprachen sie sich für eine verbesserte Übergangs- und Nachsorge nach der Haft aus.

Mehr HIV- und STI-Testungen in Haft

Aus Sicht der Forscher sollte die Zeit im Strafvollzug künftig konsequent genutzt werden, um Virushepatitis und HIV durch Testungen, medizinische Behandlung und Präventionsangebote einzudämmen. Gleichzeitig müssten bestehende Zugangsbarrieren abgebaut werden. Begleitet wurde die Untersuchung von einer Medizinanthropologin, die Machbarkeit und Akzeptanz der Datenerhebung evaluierte. Das Ergebnis: Sowohl bei den Teilnehmern als auch beim Personal stieß die Studie auf eine hohe Akzeptanz und ließ sich nach Einschätzung des RKI gut umsetzen. Die Forscher empfehlen deshalb, „DRUCK-Haft“ auf weitere Justizvollzugsanstalten auszuweiten, um eine breitere Datengrundlage zur gesundheitlichen Situation von Menschen in Haft zu schaffen.

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