Direkt zum Inhalt
Extremismuseinstufung Pussy Riot

Eklat um Pussy Riot Punkband ist in Russland eine "extremistische Organisation"

ms - 16.12.2025 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Ein Gericht in Moskau hat das feministische Kunstkollektiv Pussy Riot offiziell als „extremistische Organisation“ eingestuft. Dies gab der Anwalt der Gruppe, Leonid Solowjow, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS bekannt. Die Entscheidung hat weitreichende Folgen: Nach russischem Recht wird die Band nun als kriminelle Vereinigung angesehen, was für die Mitglieder und Unterstützer des Kollektivs schwerwiegende Konsequenzen hat. Jegliche Interaktion mit Pussy Riot ist nun illegal – auch bereits vergangene "Gefällt mir"-Angaben in sozialen Netzwerken.

Kritik an der Entscheidung 

Solowjow bezeichnete das Urteil als Teil einer „weiteren Maßnahme, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die sich außerhalb des Erlaubten äußern“. In einem Gespräch mit dem unabhängigen Nachrichtenportal Sotavision erklärte der Anwalt: „Dies ist eine weitere Aktion, um kritische Stimmen zu unterdrücken.“ Pussy Riot selbst äußerte sich in den sozialen Medien, dass das Gesetz darauf abziele, die Gruppe aus dem Gedächtnis der russischen Bevölkerung zu löschen. Sie zeigten sich zugleich besorgt um die Sicherheit ihrer Unterstützer, insbesondere jener, die in Russland bleiben oder das Land nicht verlassen können.

Die Entscheidung reiht Pussy Riot in die Liste der russischen „Terroristen und Extremisten“ ein. Dort sind unter anderem auch die Anti-Korruptions-Stiftung des 2024 verstorbenen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny sowie das US-Unternehmen Meta vertreten. Auch die internationale LGBTIQ+-Bewegung ist auf dieser Liste zu finden.

Radikal, provokant, wichtig 

Im September 2025 waren fünf Mitglieder von Pussy Riot in Abwesenheit in Moskau zu Haftstrafen zwischen acht und dreizehn Jahren verurteilt worden. Ihnen wurde vorgeworfen, die russischen Streitkräfte diskreditiert und Falschinformationen verbreitet zu haben. Anlass der Verurteilung war unter anderem das Musikvideo „Mama, Don't Watch TV“ sowie ein Auftritt in München im April 2024, bei dem die Band unter anderem die Zerstörung der ostukrainischen Stadt Mariupol durch russische Militärs thematisierte.

Pussy Riot ist weltweit bekannt geworden für ihre provokanten und radikalen künstlerischen Aktionen. Ein Höhepunkt ihrer Aktivitäten war das „Punk-Gebet“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale im Jahr 2012, das die enge Verbindung zwischen Staat und Kirche anprangerte. Drei der Bandmitglieder wurden damals zu jeweils zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) verurteilte Russland 2023 wegen eines gewaltsamen Polizeieinsatzes gegen Pussy-Riot-Mitglieder im Jahr 2014 während der Olympischen Winterspiele in Sotschi. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Fans und Crew bestürzt

Dreharbeiten vorerst ausgesetzt

"Drag Race Philippines" trauert: Die Kandidatin Misua ist plötzlich während der Dreharbeiten gestorben. Sie wurde nur 27 Jahre alt.
Direkte Folgen für Sicherheit

Gewaltschutzgesetz-Anpassung nötig

Personen aus der LGBTIQ+-Community sind laut Forschung besonders häufig von digitaler Gewalt betroffen, die durch KI-Einsatz gezielt verstärkt wird.
Er sei besser als Donald Trump

Ex-CNN-Moderator ins Weiße Haus?

Don Lemon hat erstmals öffentlich darüber gesprochen, sich vorstellen zu können, als erster offen schwuler US-Präsident zu kandidieren.
25 Jahren nicht in Deutschland

Entscheidung fällt im Oktober

Dresden steht vor der Ausrichtung des Europride 2029, Deutschland wäre nach 25 Jahren wieder Ausrichter.
Urteil gegen Jacques Tilly

102 Monate Haft für Karnevalsbauer

Ein Gericht in Moskau hat den Karnevalswagenbauer Jacques Tilly in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
Diskriminierung bei Gesundheit

RKI legt neue Studiendaten vor

Eine neue Studie des RKI zeigt auf, dass queere Menschen nach wie vor im deutschen Gesundheitsbereich besonders oft Diskriminierung erleben.