Zwei Polizeibeamten aus der spanischen Region Katalonien drohen mehrjährige Gefängnisstrafen wegen mutmaßlicher Folter eines schwulen Mannes arabischer Herkunft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, den Mann im November 2021 rechtswidrig festgehalten und während eines Polizeieinsatzes misshandelt zu haben.
Das Wichtigste im Überblick
- Schwere Vorwürfe: Zwei Polizisten aus Katalonien sollen einen homosexuellen Mann arabischer Herkunft nach einem Streit in einem Nachtclub festgenommen und gefoltert haben.
- Hohe Haftstrafen gefordert: Die spanische Staatsanwaltschaft verlangt für die Beschuldigten jeweils knapp acht Jahre Gefängnis und eine Entschädigung von 20.000 Euro.
- Misshandlung im Streifenwagen: Einer der Beamten soll den Mann geschlagen und mit homophoben sowie antiarabischen Beleidigungen beschimpft haben.
- Beide Polizisten angeklagt: Während einem Beamten Folter und körperliche Misshandlung vorgeworfen werden, muss sich der andere wegen Folter durch Unterlassen und rechtswidriger Freiheitsentziehung verantworten.
- Zunehmende Hasskriminalität: Die Zahl der registrierten Hassverbrechen gegen LGBTIQ+-Menschen in Spanien stieg zwischen 2020 und 2024 um 30 Prozent.
Forderung nach Haftstrafe
Wie die spanische Tageszeitung El País berichtet, fordert die für Hasskriminalität zuständige Sonderstaatsanwaltschaft Fiscalía de Odio für die beiden Beschuldigten jeweils knapp acht Jahre Haft. Zudem wird eine Entschädigung von 20.000 Euro verlangt. Die Namen der Polizisten sind bislang nicht öffentlich bekannt. Ausgangspunkt des Falls war eine Auseinandersetzung in einem Nachtclub in Barcelona. Nach Darstellung der Ermittler nahmen die Beamten den Mann anschließend fest und brachten ihn in einen Streifenwagen.
Während der Fahrt soll einer der Polizisten auf dem Rücksitz neben dem Festgenommenen gesessen und ihn körperlich angegriffen haben. Gleichzeitig habe er den Mann wegen seiner sexuellen Orientierung und seiner arabischen Herkunft beleidigt. Nach Informationen der englischsprachigen spanischen Zeitung The Olive Press soll der Beamte dabei sowohl homophobe als auch antiarabische Beschimpfungen verwendet haben. Anschließend sollen die Polizisten den Mann auf einer Straße in Barcelona zurückgelassen haben.
Verantwortung der Beamten
Die Ermittlungen richten sich gegen beide an dem Einsatz beteiligten Polizisten. Allerdings unterscheiden sich die konkreten strafrechtlichen Vorwürfe. Der Beamte, der während der Fahrt auf dem Rücksitz gesessen haben soll, ist wegen Folter und körperlicher Misshandlung angeklagt. Dem Fahrer des Streifenwagens wird dagegen Folter durch Unterlassen vorgeworfen. Dieser Straftatbestand betrifft Amtsträger, die eine Folterhandlung nicht verhindern, obwohl sie dazu verpflichtet sind. Zusätzlich muss sich der Fahrer wegen rechtswidriger Freiheitsentziehung aus diskriminierenden Motiven verantworten. Die Anklage geht damit davon aus, dass nicht nur der mutmaßlich unmittelbar gewalttätige Polizist, sondern auch sein Kollege strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden muss. Zuständig ist die Fiscalía de Odio, eine auf Hasskriminalität spezialisierte Abteilung der spanischen Staatsanwaltschaft Ministerio Fiscal. Bereits im August 2022 waren die beiden Beamten im Zusammenhang mit den Vorwürfen festgenommen worden. Nach Angaben von The Olive Press kamen sie jedoch noch am selben Tag wieder frei. Ob und wann ein Urteil ergeht, ist bisher noch nicht bekannt.
Angriffe auf LGBTIQ+-Menschen
Der Fall fällt in eine Zeit, in der Menschenrechtsorganisationen in Spanien vor zunehmender Gewalt und Diskriminierung gegenüber sexuellen Minderheiten warnen. Die Federación Estatal de Lesbianas, Gays, Trans, Bisexuales, Intersexuales, eine der führenden LGBTIQ+-Organisationen des Landes, veröffentlichte im April 2026 Zahlen zur Entwicklung queerfeindlicher und homophober Übergriffe. Demnach hat sich die Zahl der Angriffe auf LGBTIQ+-Menschen innerhalb von zwei Jahren nahezu verdreifacht. Auch Daten des spanischen Innenministeriums weisen auf eine deutliche Zunahme entsprechender Straftaten hin. Zwischen 2020 und 2024 stieg die Zahl der registrierten Hassverbrechen gegen LGBTIQ+-Menschen demnach um 30 Prozent.