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Ein schwuler US-Sheriff Alabama wählt ersten homosexuellen Sheriff

Von ms - 06.11.2026 - 12:00 Uhr
Ein schwuler US-Sheriff
Foto: Screenshot Kampagne Vote Brett Jones for Sheriff
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Im konservativ geprägten US-Bundesstaat Alabama hat erstmals ein offen schwuler Mann die Wahl zum Sheriff gewonnen. Der Demokrat Brett Jones setzte sich im Madison County gegen den republikanischen Amtsinhaber Kevin Turner durch, der den Bezirk bereits zwei Amtszeiten lang geführt hatte. Wie das Nachrichtenportal 1819 News betonte, gelang Jones damit ein historischer Wahlsieg.

Das Wichtigste im Überblick

  • Historischer Wahlsieg: Brett Jones wird der erste offen homosexuelle Sheriff im US-Bundesstaat Alabama.
  • Republikaner abgewählt: Der Demokrat besiegt im Madison County den bisherigen Sheriff Kevin Turner, der zwei Amtszeiten im Amt war.
  • Reformen angekündigt: Jones will die Kontrolle von Todesfällen in Gewahrsam verbessern, die Polizeiausbildung stärken und umstrittene Überwachungskameras abschaffen.
  • Früherer CIA-Mitarbeiter: Der ehemalige Navy SEAL hatte 2015 wegen homosexuellenfeindlicher Schikanen während eines Einsatzes in Afghanistan Beschwerde eingereicht.
  • Der Mann Anfang 50 ist verheiratet und hat einen Sohn.

Transparenz und Sicherheit 

Der frühere Navy SEAL, CIA-Mitarbeiter und Polizist hatte im Wahlkampf vor allem Reformen im Gefängniswesen, mehr Transparenz und eine stärkere Kontrolle der Polizeiarbeit versprochen. Unterstützung erhielt er unter anderem vom LGBTIQ+ Victory Fund. Die Organisation, die sich für die politische Repräsentation von LGBTIQ+ einsetzt, bezeichnete Jones als ersten offen homosexuellen Mann, der in Alabama das Amt eines Sheriffs übernehmen wird. Jones stellte seine Kandidatur vor allem unter das Ziel, die öffentliche Sicherheit im Madison County zu verbessern. „Mein Ziel ist einfach: dazu beizutragen, Madison County zu einem der sichersten Bezirke Amerikas zu machen“, schrieb er auf seiner Wahlkampfwebsite.

Reformen bei der Polizei

Zu den zentralen Wahlversprechen des Demokraten gehören unabhängige und öffentliche Untersuchungen sämtlicher Todesfälle in Gewahrsam. Außerdem will Jones höhere Ausbildungsstandards für die Mitarbeiter des Sheriffbüros einführen und die Unterstützung für Menschen ausbauen, die aus dem Bezirksgefängnis entlassen werden. Nach Angaben des SPLC Action Fund, der Jones im Wahlkampf unterstützte, sollen die Maßnahmen insbesondere die Transparenz und Rechenschaftspflicht der Sicherheitsbehörden stärken. Jones hatte wiederholt betont, dass eine wirksame Polizeiarbeit sowohl der öffentlichen Sicherheit als auch dem Vertrauen der Bevölkerung dienen müsse.

Ein weiterer Schwerpunkt seines Wahlkampfs war die Kritik am Einsatz automatischer Kennzeichenerfassungssysteme des Unternehmens Flock. Die Kameras können Autokennzeichen registrieren und damit Informationen über die Bewegungen von Fahrzeugen liefern. Jones argumentierte, dass der Zugriff auf solche Bewegungsdaten erhebliche Datenschutzbedenken aufwerfe. Er kündigte an, die bestehenden Verträge des Sheriffbüros mit Flock zu beenden. Für Kennzeichenlesegeräte, deren Einsatz er nicht vollständig unterbinden könne, wolle er zudem eine richterliche Anordnung zur Voraussetzung machen.

Vom Navy SEAL zum Sheriff 

Jones verfügt über langjährige Erfahrung im Militär- und Sicherheitsbereich. Er gehörte einer Einheit der US-Spezialkräfte Navy SEALs an, die bereits zwei Wochen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu einem Einsatz entsandt wurde. Später arbeitete er für den Global Response Staff des US-Auslandsgeheimdienstes CIA. Dort übernahm er unter anderem Schutzaufgaben bei Auslandseinsätzen. Gegenüber dem US-Sender ABC News erklärte Jones 2015, er habe nach fast zehn Jahren bei der Marine insgesamt 13 Jahre als Auftragnehmer für die CIA gearbeitet.

Seine Tätigkeit für den Geheimdienst hatte bereits Jahre vor seiner Kandidatur für landesweite Aufmerksamkeit gesorgt. Im Jahr 2015 reichte Jones eine Beschwerde wegen Diskriminierung am Arbeitsplatz ein. Darin warf er Verantwortlichen vor, während eines Einsatzes in Afghanistan aufgrund seiner Homosexualität schikaniert worden zu sein. Nach seinen damaligen Angaben waren die Vorfälle so schwerwiegend gewesen, dass er um sein Leben gefürchtet habe. Der Fall löste eine landesweite öffentliche Debatte über den Umgang mit homosexuellen Mitarbeitern und Auftragnehmern des US-Geheimdienstes aus. Einige Monate später teilte Jones gegenüber ABC News mit, dass die Auseinandersetzung mit der Behörde beigelegt worden sei. „Alle Angelegenheiten wurden zu unserer beiderseitigen Zufriedenheit geklärt“, erklärte er damals.

Wahlsieg in Alabama

Der Erfolg des Demokraten im Madison County fiel mit einer Wahl zusammen, bei der die Republikaner wichtige politische Ämter in Alabama gewannen. So wurde der bisherige US-Senator Tommy Tuberville nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press zum Gouverneur des Bundesstaates gewählt. Vor diesem politischen Hintergrund erhält die Wahl von Jones zusätzliche Aufmerksamkeit. Während auf Bundesstaatsebene ein Republikaner das Gouverneursamt gewann, setzte sich im Madison County ein offen schwuler Demokrat gegen den republikanischen Amtsinhaber durch.

Jones wurde 1974 geboren und ist mit dem ehemaligen Polizeisergeanten Jason White verheiratet. Das Paar hat einen Sohn und lebt im Norden Alabamas. Jones machte auch seine persönlichen Erfahrungen als schwuler Soldat öffentlich. Während seiner Zeit bei den Navy SEALs wurde seine Homosexualität 2002 durch eine versehentlich auf einem Anrufbeantworter hinterlassene Liebeserklärung bekannt. Die Marine leitete daraufhin Ermittlungen ein, stellte diese später jedoch ein. 2003 schied Jones ehrenhaft aus dem Militärdienst aus. Seine Erlebnisse schilderte er 2014 in seiner Autobiografie „Pride: The Story of the First Openly Gay Navy SEAL“. 

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