Direkt zum Inhalt

Diskriminierung im Alltag Alteingesessene Geschlechter-Annahmen spielen eine Rolle

Von ms - 31.08.2026 - 10:00 Uhr
Diskriminierung im Alltag
Foto: iStock / Jose carlos Cerdeno
ANZEIGE
Loading audio player...

Schwule, lesbische, bisexuelle Beschäftigte, die sich anders verhalten, als ihr Geschlecht klischeemäßig vorsieht, erleben laut einer neuen Studie zufolge deutlich häufiger Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz als andere LGBTIQ+-Menschen. Das geht aus einer Untersuchung des Williams Institute an der UCLA School of Law hervor. Gemeint sind dabei sogenannte gender-nonkonforme Verhaltensweisen, also beispielsweise schwule Männer, die sehr feminin auftreten, oder lesbische Frauen, die sehr maskulin wirken. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Eine Studie des Williams Institute zeigt: 62 Prozent der homo- und bisexuellen Beschäftigten, die sich entgegen ihrer Geschlechter-Klischees verhalten, haben Diskriminierung oder Belästigung erlebt.
  • Betroffene sind häufiger am Arbeitsplatz geoutet und versuchen zugleich öfter, ihre Identität zu verbergen.
  • Schwule und bisexuelle Männer berichten häufiger von Diskriminierung als lesbische und bisexuelle Frauen.
  • Fast jede zweite betroffene Person hat wegen der Behandlung durch den Arbeitgeber bereits einen Job aufgegeben.

Eine Frage der Außenwirkung 

Demnach gaben 62 Prozent der gender-nonkonformen homo- sowie bisexuellen Beschäftigten an, im Laufe ihres Lebens wegen ihrer sexuellen Orientierung Diskriminierung oder Belästigung am Arbeitsplatz erfahren zu haben. Dazu zählen unter anderem Kündigungen, verweigerte Einstellungen oder Beförderungen sowie verbale, körperliche oder sexuelle Belästigung. Bei geschlechtskonformen Schwulen, Lesben und Bisexuellen lag der Anteil bei 41 Prozent.

Die American Psychological Association definiert Geschlechtskonformität als das Ausmaß, in dem der geschlechtliche Ausdruck einer Person „von gesellschaftlichen Stereotypen für das bei der Geburt dokumentierte Geschlecht abweicht“. Für die Untersuchung analysierten die Forscher Umfragedaten von rund 1.900 LGB-Beschäftigten. Verglichen wurden die Erfahrungen gender-nonkonformer Menschen aus der Community mit denen ihrer geschlechtskonformen Kolleginnen und Kollegen.

Mehr Offenheit jenseits der Klischee 

Die Studie zeigt außerdem, dass gender-nonkonforme Beschäftigte häufiger offen mit ihrer sexuellen Orientierung umgehen. Rund 68 Prozent gaben an, gegenüber ihrer direkten Führungskraft geoutet zu sein. Bei geschlechtskonformen LGBTIQ+-Beschäftigten waren es 50 Prozent. Gegenüber allen Kolleginnen und Kollegen waren 47 Prozent der gender-nonkonformen Beschäftigten geoutet, verglichen mit 28 Prozent der geschlechtskonformen Gruppe. Gleichzeitig berichteten gender-nonkonforme Schwule, Lesben und Bisexuelle häufiger als ihre geschlechtskonformen Kolleginnen und Kollegen (66 zu 55 Prozent), sogenannte „Covering“-Strategien anzuwenden. Dazu gehören etwa Veränderungen der Kleidung, der Stimme oder der Körpersprache, um Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung zu vermeiden.

Schwule und bisexuelle Männer häufiger betroffen

Gender-nonkonforme LGB-Personen seien am Arbeitsplatz eine besonders verletzliche und marginalisierte Gruppe, betonte Hauptautorin Neko Michelle Castleberry, Research Data Analyst am Williams Institute. „Viele können bei der Arbeit nicht sie selbst sein und erleben ein Arbeitsumfeld, das sie nicht unterstützt. Es braucht wirksamere Kontrollen und eine konsequentere Durchsetzung bestehender Regeln, damit gender-nonkonforme Beschäftigte umfassend vor Diskriminierung und Belästigung geschützt werden.“ Innerhalb der Gruppe der gender-nonkonformen Beschäftigten berichteten schwule und bisexuelle Männer häufiger als lesbische und bisexuelle Frauen von Diskriminierung oder Belästigung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung (72 gegenüber 55 Prozent). Im vergangenen Jahr waren sie zudem etwa doppelt so häufig von Diskriminierung (23 gegenüber 9 Prozent) und Belästigung (25 gegenüber 13 Prozent) betroffen.

Probleme bestehen trotz erweitertem Rechtsschutz

Nach Angaben der Forscher halten Diskriminierung und Belästigung auch nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA im Fall Bostock v. Clayton County aus dem Juni 2020 an. Mit der Entscheidung wurde der bundesweite Schutz von LGBTIQ+-Beschäftigten vor Diskriminierung am Arbeitsplatz ausgeweitet. Rund 23 Prozent der gender-nonkonformen LGB-Beschäftigten gaben an, innerhalb des vergangenen Jahres Diskriminierung oder Belästigung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erlebt zu haben. Bei geschlechtskonformen Menschen der gleichen Gruppe lag dieser Anteil bei nur zwölf Prozent. Die Erfahrungen haben laut Studie auch Auswirkungen auf die berufliche Laufbahn. Fast die Hälfte (48 Prozent) der gender-nonkonformen Schwulen, Lesben und Bisexuellen berichtete, bereits mindestens einmal eine Arbeitsstelle aufgegeben zu haben, weil sie sich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung durch ihren Arbeitgeber schlecht behandelt fühlten.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.
Nackt durch Vice City

GTA 6 zeigt nackten Helden

Ein neuer GTA-6-Leak zeigt Hauptfigur Jason völlig nackt in Vice City. Rockstar bestätigt jetzt Nacktszenen für das kommende Spiel.
Heiratsantrag am Leuchtturm

Schwule Volleyballstars sagen Ja

Die schwulen Beachvolleyballer Tim Brewster und Kyle Friend haben sich verlobt. Der Heiratsantrag fand an einem Leuchtturm in Maine statt.
Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.
Rücktritt von Bärbel Bas

Eine Verbündete der Community

Bärbel Bas zieht sich nach einem familiären Verlust zurück. Für LGBTIQ+ setzte sie Zeichen – auch im Interview mit SCHWULISSIMO.
Krise in Frankreich

Linke im Homophobie-Dilemma

Kritik an Frankreichs Linkspartei LFI wegen ihrer Nähe zur senegalesischen Regierung, die derzeit verstärkt Homosexuelle im eigenen Land verfolgt.
Neuanfang im Staatsrundfunk

Wie Ungarn die Medien kontrollierte

Nach Jahren politischer Einflussnahme unter Orbán wird Ungarns Staatsrundfunk reformiert. Auch die Berichterstattung über LGBTIQ+ steht im Fokus.
Eklat in Tennessee

Urteil nach Mord aufgehoben

Ein US-Gericht hebt die Verurteilung eines Mannes auf, der eine trans* Frau erschoss. Ihre Geschlechtsidentität soll im Prozess berücksichtigt werden.