Ausgerechnet George Santos (38) möchte künftig für Donald Trump sprechen. Der frühere republikanische Kongressabgeordnete, der wegen Betrugs verurteilt und nach zahlreichen Lügen über seinen Lebenslauf aus dem US-Repräsentantenhaus ausgeschlossen wurde, hat öffentlich Interesse am Posten des Pressesprechers im Weißen Haus bekundet. Der schwule Lügenbaron im Oval Office sozusagen.
Das Wichtigste im Überblick
- Ungewöhnlicher Bewerber: Der offen schwule Ex-Kongressabgeordnete George Santos möchte Pressesprecher von US-Präsident Donald Trump werden.
- Sprecherin nach wenigen Tagen weg: Katie Zacharia verließ das Weiße Haus nach weniger als einer Woche. Zuvor waren Zweifel an ihren juristischen Qualifikationen laut geworden.
- Santos wurde wegen Überweisungsbetrugs und schweren Identitätsdiebstahls zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.
- Trump griff ein: Nach rund drei Monaten Gefängnis wandelte der Präsident Santos' Haftstrafe um.
- Gegen Santos wurde wegen mutmaßlicher Wetten auf sein eigenes Verhalten ermittelt. Zuletzt scheiterte er frühzeitig in einer Realityshow.
Bewerbung via X
Der offen schwule Politiker reagierte damit auf den Abgang von Katie Zacharia, die das Amt nach weniger als einer Woche wieder verlassen musste. Auf der Plattform X schrieb Santos: „Hey, eigentlich bin ich nicht auf Jobsuche, weil ich schon einen habe … abeeeeer … ich würde sofort zusagen, um dem Präsidenten als Pressesprecher zu dienen. Wollte ich nur mal gesagt haben.“ Die Botschaft erschien wenige Stunden nach den ersten Berichten über Zacharias Ausscheiden. Auch andere bekannte Medienpersönlichkeiten hatten Interesse an der frei gewordenen Position signalisiert. Ob Santos tatsächlich als Kandidat infrage kommt, ist nicht bekannt. An Erfahrung mit öffentlichen Erklärungen mangelt es ihm jedenfalls nicht. Mit deren Wahrheitsgehalt hatte er in der Vergangenheit allerdings wiederholt Probleme – böse Zungen würden behaupten, das qualifiziere ihn noch mehr für das Amt als Pressesprecher.
Nur eine Pressekonferenz
Zacharias Amtszeit war selbst für die schnelllebige Washingtoner Politik bemerkenswert kurz. Während ihrer weniger als einwöchigen Tätigkeit hielt sie genau eine Pressekonferenz ab – sie dauerte 14 Minuten. Ihrem Abgang waren Zweifel an der Darstellung ihrer juristischen Qualifikationen vorausgegangen. Trump hatte Zacharia als Anwältin vorgestellt. Sie räumte jedoch ein, die Anwaltsprüfung im US-Bundesstaat Kalifornien nicht bestanden und anschließend keinen weiteren Versuch unternommen zu haben. Trotzdem verteidigte sie ihre Verwendung der englischen Bezeichnung „Lawyer“. Man habe ihr erklärt, dass sie diesen Begriff benutzen dürfe, nicht jedoch die Berufsbezeichnung „Attorney“. Die Kontroverse beschäftigte zuletzt auch mehrere Interviews beim konservativen Fernsehsender Fox News. Trump deutete schließlich öffentlich an, Zacharia solle ihre Tätigkeit noch einmal überdenken. Damit war der Sprecherposten nach nur wenigen Tagen erneut vakant.
Santos erfand Lebenslauf
Mit zweifelhaften Angaben im Lebenslauf kennt sich auch George Santos aus. Der frühere Abgeordnete aus New York verlor sein Mandat, nachdem zahlreiche falsche Behauptungen über seine Vergangenheit bekannt geworden waren. Unter anderem hatte er angegeben, einen Abschluss des Baruch College in New York erworben und für die Finanzunternehmen Citigroup und Goldman Sachs gearbeitet zu haben. Diese Angaben erwiesen sich als falsch. Eine Untersuchung des Ethikausschusses des Repräsentantenhauses ergab zudem, dass Santos Wahlkampfmittel für private Ausgaben verwendet hatte, darunter Botox-Behandlungen.
Außerdem hatte er persönliche Darlehen an seine Wahlkampagne angegeben, die tatsächlich nicht existierten. Im Dezember 2023 wurde Santos aus dem Repräsentantenhaus ausgeschlossen. Er war damit erst das sechste Mitglied in der Geschichte des US-Kongresses, das auf diese Weise sein Mandat verlor. Für einen Politiker, der nun die offizielle Kommunikation des Weißen Hauses übernehmen möchte, ist das zumindest ein ungewöhnlicher beruflicher Hintergrund. Auch strafrechtlich blieb Santos' Vergangenheit nicht folgenlos. Nach einer ursprünglich 23 Anklagepunkte umfassenden Strafverfolgung bekannte er sich in zwei Bundesstraftaten schuldig: Überweisungsbetrug und schwerer Identitätsdiebstahl. Ein Gericht verurteilte ihn zu sieben Jahren und drei Monaten Gefängnis. Den Großteil dieser Strafe musste er allerdings nicht verbüßen. Nach rund drei Monaten in einem Bundesgefängnis wandelte Präsident Trump seine Strafe um. Santos kam daraufhin vorzeitig frei.
Neue Ermittlungen und eine Realityshow
Auch nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis sorgte Santos weiterhin verlässlich für Schlagzeilen. Während Trumps zweiter Amtszeit geriet er erneut ins Visier von Bundesermittlern. Dabei ging es um den Verdacht, er habe auf der Prognoseplattform Kalshi Wetten über sein eigenes Verhalten abgeschlossen. Unter anderem soll er darauf gesetzt haben, ob er an Trumps Rede zur Lage der Nation teilnehmen würde. Die Vorwürfe betreffen damit Ereignisse, die Santos selbst beeinflussen konnte. Zuletzt versuchte sich der ehemalige Politiker zudem im Realityfernsehen. In der Fox-Sendung „Special Forces: World's Toughest Test“ stellte er sich körperlich anspruchsvollen Herausforderungen. Allerdings endete sein Auftritt bereits in der zweiten Folge der Staffel Anfang Oktober. Santos verließ die Sendung freiwillig und begründete dies mit starken Schmerzen aufgrund einer Ischiaserkrankung. Zuvor hatte ein Video für Spott in den sozialen Netzwerken gesorgt. Darin versuchte Santos vergeblich, auf eine schwimmende Plattform zu klettern, und fiel schließlich zurück ins Wasser. Eitel, vorbestraft und ein Lügenbaron – die Vorstellung, dass ausgerechnet ein wegen Betrugs und Identitätsdiebstahls verurteilter Politiker künftig die Glaubwürdigkeit des Weißen Hauses vertreten könnte, dürfte in diesen Tagen reichlich Gesprächsstoff sorgen.