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Bob Young ist tot Mastermind der Berliner Club-Nächte

Von ms - 22.06.2026 - 11:30 Uhr
Bob Young ist tot
Foto: IMAGO / David Heerde
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Die Berliner Club- und Partyszene hat eine ihrer prägenden Persönlichkeiten verloren. Bob Young ist gestorben. Besonders in den Jahren nach der Wiedervereinigung hatte er die entstehende Nachtkultur der Hauptstadt maßgeblich mitgestaltet und war Wegbereiter für zahlreiche queere Events bis in die heutige Zeit hinein.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Clubmacher Bob Young ist gestorben.
  • Er gehörte zu den Mitbegründern der Berliner Partyszene der frühen 1990er-Jahre.
  • Der Kreative war auch Wegbereiter für die queere Club-Szene. 
  • Projekte wie „90 Grad“ und das schwule „GMF“ prägten die Clublandschaft nachhaltig.
  • Young war auch für große Eventreihen wie legendäre Halloween-Partys bekannt.
  • Weggefährten beschreiben ihn als verbindende Figur des Berliner Nachtlebens.

Gründer der schwulen Partyreihe GMF

Zu Beginn der 1990er-Jahre war Young an der Gründung des Clubs „90 Grad“ beteiligt. Der Name sei, so wurde erinnert, in seiner Küche entstanden – einem Ort, der in jener Zeit für viele kreative Ideen stand. Seine damalige Partnerin Britt Kanja habe die Clubidee zusätzlich durch ein unkonventionelles Flyerverteilen auf Rollschuhen in Berlin-Mitte verbreitet und so zur frühen Szeneentwicklung beigetragen. Im weiteren Verlauf entwickelte sich Young zu einer festen Größe im Berliner Nachtleben. Im Club WMF übernahm er den Sonntag und begründete dort die langlebige schwule Veranstaltungsreihe „GMF“. Hier traten zahlreiche DJs auf, darunter später auch international bekannte Künstler wie Paul van Dyk und Westbam. Das G im Namen stand für Gay, ein Partyreihe, die selbstbewusst im Café Moskau schwules Leben feierte. Neben den musikalischen Formaten galt Young als jemand, der die Atmosphäre seiner Veranstaltungen entscheidend prägte. Ihm wird zugeschrieben, sogenannte „Partykidz“ in die Szene gebracht zu haben – Besucherinnen und Besucher, die den Events eine besondere Dynamik verliehen und diese aktiv mitgestalteten. Auch sein Personal entwickelte sich in diesem Umfeld häufig selbst zu festen Figuren der Clubkultur.

Von Memphis nach Berlin 

Young stammte aus Memphis, Tennessee und kam als BWL-Austauschstudent nach Berlin und blieb. Er setzte sich jedoch immer wieder kritisch mit seinem Herkunftsland auseinander und fand seine künstlerische und soziale Heimat in Berlin. Sein Weg führte ihn vom Kellner und zum Club-Geschäftsführer, er gründete die Partyreihe „Tanzstelle“, die immer an verschiedenen Orten stattfand – einmal in einem alten U-Bahnhof, dann in einem stillgelegten Schwimmbad. Später organisierte er unter anderem große Halloween-Veranstaltungen in den frühen 2000er-Jahren, die über die Clubszene hinaus bekannt wurden. In seiner Charlottenburger Wohnung sammelte er zahlreiche Fotografien aus dieser Zeit, die als inoffizielles Archiv der Berliner Nachtkultur gelten. Noch vor wenigen Wochen war Young bei einer Feier im Berliner Kulturumfeld anwesend. Nach einem vorherigen Fahrradunfall befand er sich zu diesem Zeitpunkt in Rehabilitation. Dennoch habe er gut gelaunt gewirkt und scherzhaft berichtet, er sei dort „der Jüngste“.

Prägende Figur der Berliner Clubszene

Mit seinem Tod verliert Berlin eine prägende Figur der Clubgeschichte. Zeitzeugen beschreiben ihn als Gastgeber, der Menschen zusammenbrachte und Räume schuf, in denen sich eine vielfältige Nachtkultur entfalten konnte, auch und gerade die queere Szene.  Weggefährten erinnern an ihn als jemanden, der das Berliner Nachtleben über viele Jahre hinweg entscheidend geprägt habe. Seine Veranstaltungen hätten zahlreichen Menschen prägende Erlebnisse ermöglicht. Sein Wirken gilt in der Szene als Teil der kulturellen Entwicklung Berlins nach der Wiedervereinigung. Viele verbinden mit seinem Namen die Erinnerung an eine prägende Ära der Clubkultur, die bis heute nachwirkt.

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