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Ausschreitungen bei Pride in Türkei Istanbuler Polizei geht rigoros und brutal gegen LGBTI*-Demonstranten vor

Von ms - 27.06.2022 - 09:24 Uhr
Ausschreitungen bei Pride in Türkei
Foto: IMAGO / NurPhoto
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Die Situation für LGBTI*-Menschen scheint sich in der Türkei immer mehr zu verschlechtern. Nachdem die Pride-Paraden in Istanbul seit 2015 unter teils fadenscheinigen Gründen immer wieder wie auch in diesem Jahr verboten wurden, gingen am vergangenen Wochenende trotzdem hunderte queere und homosexuelle Menschen auf die Straßen, um für mehr Rechte und Akzeptanz zu kämpfen – die türkische Polizei ging nach Angaben von Teilnehmern und Journalisten äußert gewaltsam, brutal und rigoros gegen die Demonstranten vor. Nach ersten Angaben wurden mindestens 200 Menschen verhaftet.

Im Vorfeld war die Parade abermals vom Gouverneur der Stadt mit Verweis auf Sicherheitsbedenken verboten worden und die Polizei hatte vorsorglich bereits den zentralen Stadtteil Cihangir weiträumig abgesperrt. Als sich die ersten queeren Menschen mit Regenbogenflaggen und Transparenten mit politischen Forderungen darauf trotzdem in den Straßen rund um den Taksim-Platz versammelten, wurden sie von der Polizei immer wieder eingekreist, brutal in die Enge getrieben und festgenommen. Anwohner schlugen aus Protest gegen die Festnahmen auf Töpfe und Pfannen. Eine Stunde lang gelang es den queeren Teilnehmern immer wieder, der Polizei zu entwischen – dabei riefen die Demonstranten: „Wir sind hier, wir sind bunt, wir sind friedlich und wir wollen einfach nur lieben. Die Zukunft ist queer! Ihr seid nicht allein!“

Unter dem Motto "Widerstand" hatten verschiedene Vereine und Verbände im Vorfeld zu der Parade aufgerufen. Die Nachrichtenagentur AFP spricht zudem von "wahllosen" Festnahmen auch in mehreren Bars im Stadtteil Cihangir. Mehreren Augenzeugen zufolge versuchte die Polizei im weiteren Verlauf auch, Journalisten daran zu hindern, die Festnahmen zu filmen. Auch ein AFP-Fotograf und weitere Reporter wurden zwischenzeitlich festgenommen. Die in Istanbul lebende Berliner LGBTI*-Aktivistin und Sängerin Liana Georgi erklärte gegenüber der dpa, dass die gesamte Situation sehr "beängstigend“ gewesen sei; zudem sei die Lage insgesamt deutlich angespannter als in den Jahren zuvor – die Polizei habe die Demonstranten regelrecht "gejagt". Weiter bekräftigte Georgi: "Ich finde es aber absolut bewundernswert, wie es die Menschen trotzdem schaffen, sich zusammenzufinden und friedlich zu demonstrieren." Auch andere LGBTI*-Aktivisten kritisierten, dass sich das Klima gegenüber LGBTI*-Menschen in der Türkei radikal immer mehr verschlechtern würde.

Scharfe Kritik gegen die brutale Unterdrückung kam von verschiedenen Menschenrechts- und LGBTI*-Vereinen. Milena Buyum von Amnesty International erklärte so: "Alle, die nur wegen ihrer Teilnahme an der Pride-Parade festgenommen wurden, müssen sofort und bedingungslos freigelassen werden!" Die Europarats-Kommissarin für Menschenrechte, Dunja Mijatovic, sagte: "Die Menschenrechte von LGBTI*-Personen in der Türkei müssen wirksam geschützt werden." Die türkischen Behörden hätten es sich „offenbar zur Gewohnheit gemacht, den AFP-Fotojournalisten Bülent Kilic festzunehmen“, kritisierte dann die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) auf Twitter. RSF-Sprecher Erol Onderonglu warf den Behörden anhaltende „Gewalt und willkürliche Festnahmen“ von Journalisten vor. Samstagabend wurden die ersten Demonstranten wieder auf freien Fuß gesetzt, darunter auch der Fotojournalist der AFP.

Die Pride Parade feiert in Istanbul in diesem Jahr eigentlich ihr dreißigjähriges Jubiläum. In der türkischen Millionenmetropole konnte mehr als zehn Jahre lang bei stetig wachsenden Teilnehmerzahlen ohne Probleme demonstriert und gefeiert werden. Nachdem im Jahr 2014 erstmals mehr als 100.000 Menschen für LGBTI*-Rechte auf die Straße gingen, wurde die Parade von oberster türkischer Stelle seitdem immer wieder verboten. Auch alle Veranstaltungen rund um die Pride Week wurden seitdem jedes Jahr untersagt.  

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