Direkt zum Inhalt

Als pädophil verunglimpft Dragqueen zeigt AfD-Politiker an

Von mr - 04.09.2026 - 15:30 Uhr
Dragqueen zeigt AfD-Politiker an
Foto: © facebook.com/henriette.vonkuppersbusch
ANZEIGE
Loading audio player...

Heinz Küppers, bekannt als Dragqueen Gräfin Henriette von Küppersbusch, hat Strafanzeige gegen den AfD-Fraktionsvorsitzenden Jan Pioch aus Geilenkirchen gestellt. Pioch hatte Küppers in einem in sozialen Medien verbreiteten Video öffentlich mit Kindesmissbrauch und Pädosexualität in Verbindung gebracht. Nach Angaben von Küppers ist er seit Veröffentlichung des Videos massiven Drohungen ausgesetzt, teils mit direkten Hinweisen auf seine Wohnadresse. Der Fall steht exemplarisch für eine zunehmende Zuspitzung der Rhetorik gegen queere Menschen im öffentlichen Raum.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der AfD-Fraktionschef Jan Pioch bezeichnete eine Dragqueen aus Heinsberg öffentlich als Gefahr für Kinder.
  • Heinz Küppers alias Gräfin Henriette von Küppersbusch erstattete daraufhin Strafanzeige.
  • Nach dem Video wurde die Dragqueen in sozialen Netzwerken bedroht, auch mit Angaben zu ihrem Wohnort.
  • Der AfD-Politiker Pioch steht zu seinen Aussagen und verallgemeinert sein Misstrauen gegenüber Dragqueens.
  • Die CDU verhängte in Berlin jüngst erstmals ein Verbot von Drag-Lesungen mit Verweis auf den Kinderschutz.

 

Angriff auf queere Sichtbarkeit in Schulen

Im Zentrum steht ein einminütiges Video, das Pioch Ende Juli vor einer Gesamtschule in Übach-Palenberg aufnahm, wo Küppers als Dragqueen eingeladen war. In dem Clip stellt Pioch einen Zusammenhang zu einem laufenden Strafverfahren gegen eine andere Dragqueen in Berlin her und spricht von "Menschen, die offensiv ihre Ideologie in Schulen und Kitas bringen". Nach eigenen Angaben tritt Küppers dabei oft nicht als Dragqueen, sondern als schwuler Mann bei Schulveranstaltungen auf, um Themen wie Diskriminierung und Vielfalt mit Jugendlichen zu diskutieren. Die Vermittlung von Akzeptanz und Respekt sei zentrales Ziel dieser Besuche, so Küppers gegenüber dem WDR.

 

Bedrohungen nach öffentlicher Diffamierung

Seit der Veröffentlichung des Videos erhielt Küppers zahlreiche Hassnachrichten, darunter Drohungen und Beschimpfungen mit eindeutigem Bezug auf die von Pioch verbreiteten Vorwürfe. Nach Darstellung von Küppers gehen diese Angriffe über bloße Beleidigungen hinaus und umfassen konkrete Bedrohungen, darunter Aussagen wie "Wir wissen, wo du wohnst". Ob solche Drohungen bereits strafrechtlich verfolgt werden, ist derzeit laut Polizei noch Gegenstand von Prüfungen.

 

Politische Zielsetzungen und institutionelle Konsequenzen

Die AfD fordert bundesweit ein weitreichendes Verbot queerer Sichtbarkeit in Bildungseinrichtungen. Nach Angaben von queer.de macht die Partei seit Jahren Stimmung gegen Drag-Auftritte und queere Aufklärung. In Berlin hat die Kulturstadträtin der CDU im Juli zwei Drag-Lesungen in städtischen Bibliotheken untersagt und dies mit dem Schutz von Kindern begründet. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie Aussagen und Maßnahmen aus der Politik unmittelbare praktische Folgen für die Arbeit queerer Aktivistinnen und Aktivisten haben.

Noch liegt eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zum konkreten Stand der Anzeige nicht vor. Die laufenden Ermittlungen werden zeigen, ob die erhobenen Vorwürfe gegen den AfD-Politiker rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Anzeige

Auch Interessant

Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.
Rücktritt von Bärbel Bas

Eine Verbündete der Community

Bärbel Bas zieht sich nach einem familiären Verlust zurück. Für LGBTIQ+ setzte sie Zeichen – auch im Interview mit SCHWULISSIMO.
Krise in Frankreich

Linke im Homophobie-Dilemma

Kritik an Frankreichs Linkspartei LFI wegen ihrer Nähe zur senegalesischen Regierung, die derzeit verstärkt Homosexuelle im eigenen Land verfolgt.
Neuanfang im Staatsrundfunk

Wie Ungarn die Medien kontrollierte

Nach Jahren politischer Einflussnahme unter Orbán wird Ungarns Staatsrundfunk reformiert. Auch die Berichterstattung über LGBTIQ+ steht im Fokus.
Eklat in Tennessee

Urteil nach Mord aufgehoben

Ein US-Gericht hebt die Verurteilung eines Mannes auf, der eine trans* Frau erschoss. Ihre Geschlechtsidentität soll im Prozess berücksichtigt werden.
Überraschender Trend

Bisexualität stark rückläufig

In den USA bezeichnen sich deutlich weniger junge Menschen als homo- oder bisexuell, vor allem Mädchen. Forscher rätseln über die Ursachen.
Neue Wege in der Kirche

Papst Leo mahnt zur Offenheit

Papst Leo fordert einen offeneren Umgang mit familiären Krisen und neuen Lebensmodellen, LGBTIQ+ nennt er aber nicht explizit.
Neue Meldeverordnung In BW

Queere Verbände schlagen Alarm

Eine neue Meldeverordnung in Baden-Württemberg sorgt für Kritik. Eine Petition soll jetzt die automatische Weitergabe sensibler Daten verhindern.