„True Colors“ aus seiner Feder Billy Steinberg: Pop-Pionier mit 75 gestorben
Billy Steinberg: Tod einer Pop-Ikone lässt das Musikgeschäft innehalten
Queere Popgeschichte verliert einen kreativen Motor
Mit dem Tod von Billy Steinberg im Alter von 75 Jahren verliert die Musikwelt einen der prägendsten Songschreiber der letzten Jahrzehnte. Seine Werke, darunter „Like A Virgin“ für Madonna und Cyndi Laupers Hymne „True Colors“, sind Teil der DNA schwuler Popkultur geworden. Steinberg erlag in Los Angeles einem Krebsleiden, nachdem er mehr als fünf Jahrzehnte lang Hits schrieb, die Weltoffenheit und Verletzlichkeit in einprägsame Melodien verwandelten.
Zwischen Nummer-eins-Hits und emotionalem Vermächtnis
Die Dimension von Steinbergs Schaffen lässt sich nicht allein an Chartplatzierungen ablesen, obwohl er mit Partner Tom Kelly für Künstlerinnen wie Whitney Houston, Celine Dion und The Bangles Welterfolge schrieb. „So Emotional“ von Houston und „Eternal Flame“ der Bangles sind Paradebeispiele dafür, wie Popmusik zu Soundtracks persönlicher, oft queerer Emanzipation werden kann – ein Aspekt, den Medien selten als politisches Statement, sondern meist als Mainstream-Hit stilisieren. Steinbergs „True Colors“ entwickelte sich beispielsweise zur Hymne queerer Communities, die Authentizität und Selbstakzeptanz feiert. In den letzten Jahren wurde der Song verstärkt auf Pride-Events gespielt und als Soundtrack zahlreicher LGBTQ+ Werbekampagnen eingesetzt, wodurch die gesellschaftliche Bedeutung seines Werks stetig gewachsen ist. Ein ähnlicher Effekt zeigt sich bei „I’ll Stand By You“, das vielfach als Solidaritätslied in Zeiten sozialer Spaltung gedeutet wird.
Emotionaler Nachruf und persönliche Stimmen
Cyndi Lauper, die selbst queere Geschichte geschrieben hat, würdigte Steinberg mit den Worten, er sei ein Freund gewesen und habe stets Unterstützung geboten. Die Familie beschreibt Steinberg in ihrem Nachruf als „visionären Texter und liebenden Vater“, der nicht nach Ruhm strebte, sondern nach Resonanz. Was für eine medienkritische Reflexion auffällt: Gerade die persönliche Bindung des Publikums an seine Songs wird heute angesichts schnelllebiger Streaming-Kultur oft unterschätzt – und doch zitieren Medien diverse Social-Media-Beiträge, in denen Fans Steinbergs Musik als Lebensretterin bezeichnen.

Cyndi Lauper auf ihrem Instagram-Profil: "I’m so sorry to hear that my friend Billy Steinberg has passed away. He was such a nice guy and very supportive. My thoughts are with his family, loved ones, and Tom during this sad time. 🙏" (instagram.com/cyndilauper)
Einfluss und Ausblick im popkulturellen Gedächtnis
Obwohl Steinbergs Songs weiterhin in Karaoke-Bars und Serien auftauchen, stellt sich nun die Frage nach Wertschätzung nachhaltiger Musikautorschaft. Angesichts eines Marktes, der oft Interpreten ins Rampenlicht rückt und Songwriter im Schatten belässt, könnte sein Tod ein Umdenken anstoßen: Welchen Betrag leisten Songwriterinnen und Songwriter für Sichtbarkeit und Identifikationspotenzial, gerade aus marginalisierten Communities? Werden Streaming-Plattformen oder Labels diesem Erbe gerecht? Klar ist: Die Lücke, die Billy Steinberg hinterlässt, ist weit mehr als ein historischer Einschnitt im Pop – sie ist ein Aufruf zur Erinnerung an die Macht und Relevanz authentischer Musik.