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Erste Biografie über schwulen Anarchisten John Olday

Queere Geschichte Erste Biografie über schwulen Anarchisten John Olday

kw - 04.06.2026 - 14:30 Uhr
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Beim Männerschwarm‑Verlag ist erstmals eine umfassende, reich illustrierte Biografie über den schwulen Anarchisten und politischen Karikaturisten John Olday (1905–1977) erschienen. Der Historiker Klaus Sator füllt mit seinem Werk eine erhebliche Lücke in der deutschsprachigen LGBTIQ+‑Geschichtsschreibung. Diese zentrale Publikation wirft ein neues Licht auf das Leben eines europäischen Subkultur‑Protagonisten, der politische Radikalität mit künstlerischem Ausdruck verknüpfte. Die Bedeutung dieses Buchs liegt in der systematischen Aufarbeitung einer bis dato weitgehend unbekannten Persönlichkeit, die die Leserinnen und Leser zu einem Wiederentdecken historischer queer‑anarchistischer Perspektiven einlädt.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Biografie "John Olday: Anarchist und Künstler" umfasst 288 Seiten und erscheint als Band der Bibliothek Rosa Winkel.
  • 15 Jahre Recherche hat Sator betrieben, konnte aber erst Anfang 2022, nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag, mit dem Schreiben beginnen.
  • Der Band dokumentiert Oldays Illustrationen, darunter Anti‑Nazikartoon sowie zentrale Werke wie Kingdom of Rags und The March to Death.

 

Jugend und frühe politische Erfahrungen

Olday, geboren 1905 in London als Arthur William Oldag, wuchs in New York und ab 1913 bei seiner Großmutter in Hamburg auf. Bereits 1916, im Alter von 11 Jahren, beteiligte er sich an den Hungerkrawallen und Schwarzmarktunruhen in Hamburg. Während der Kieler Matrosen‑Meuterei und der Novemberrevolution fungierte er als Munitionsverteiler an einem Spartakus‑Maschinengewehrstandort, entkam jedoch knapp der Verhaftung.

 

Ausstieg aus der KJD, künstlerische Entwicklung und Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Als Teenager trat Olday der Kommunistischen Jugend Deutschlands bei, wurde aber wegen „anarchistischer Abweichungen“ ausgeschlossen. Später engagierte er sich bei den Anarcho‑Spartakisten und trat 1923 in Ruhr und Hamburg bei Arbeiter‑Aufständen auf. Danach zog er sich zunehmend auf seine künstlerische Arbeit zurück und erlangte als politischer Karikaturist in der Weimarer Republik Bekanntheit. Nach 1933 fertigte er anti‑nazistische Zeichnungen an, wurde aber durch seine extravagante Rolle als schwuler Künstler in der Hamburger Nazi‑Elite geschützt und konnte so Informationen an die Widerstandskreise weitergeben. 1937 gelang ihm die Flucht nach England.

 

Exil in England, Australien und Rückkehr nach London

In England veröffentlichte Olday sein in Deutschland verfasstes autobiografisches Werk Kingdom of Rags in englischer Übersetzung 1939. Er wirkte bei Freedom Press mit und illustrierte 1943 The March to Death, eine Sammlung antikriegspolitischer Cartoons, die sich als politischer Aufruf gegen alle autoritären Systeme richteten. Für seine desertierten Aktivitäten wurde er 1945 inhaftiert, jedoch nach starkem Einsatz von anarchistischen Unterstützern bereits nach wenigen Monaten entlassen. In den frühen 1950er‑Jahren emigrierte er nach Australien, wo er sich künstlerisch und politisch, insbesondere im Bereich queerer und trans* Befreiung, engagierte; er gründete etwa Cafés und Cabaretangebote. Gegen Ende der 1960er‑Jahre kehrte er nach London zurück und blieb dort bis zu seinem Tod 1977 politisch aktiv.

 

Hintergrund und Bedeutung der Biografie

Für Sator war Olday zwar kein Unbekannter, aber in Deutschland weitgehend ausgeblendet. Sein Engagement als schwuler Anarchist blieb in der historischen Wahrnehmung marginalisiert, auch innerhalb der schwulen Community. Dank des Nachlasses – vermittelt über Oldays Lebensgefährten und dessen Bruder – konnte Sator umfangreiche Quellen nutzen. Sator sucht gezielt nach Gründen, warum nicht‑mainstream‑Positionen in der queeren Geschichte oft übersehen werden.

 

Ausblick: Ein langer Weg der Anerkennung

Diese Biografie markiert einen Meilenstein: Die Verbindung von queerer Emanzipation, anarchistischer Politik und künstlerischem Widerstand wird sichtbar gemacht. Damit bietet das Buch neue Ansatzpunkte für Forschung und Erinnerungskultur.

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