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Tolkien und die Community

Tolkien und die Community Die besondere Verbundenheit zur Sagenwelt

ms - 03.01.2026 - 10:00 Uhr
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Am heutigen internationalen J.R.R. Tolkien-Tag müssen wir uns mit der Wahrheit konfrontierten: Wir sehen die „Herr der Ringe“ Trilogie nicht nur besonders gern zu dieser Jahreszeit, sondern es gibt auch viele weitere Gemeinsamkeiten zwischen der Sagenwelt und unserer – und das liegt nicht nur an den sexy Elfen oder dem schwulen Ian McKellen als Gandalf. Und auch nicht daran, dass uns manche Date-Partner eher an Orks erinnern, wir auf starke Männer mit viel Bart stehen oder manchmal regelrecht besessen sind von einem besonderen (Cock)-Ring. Blicken wir etwas genauer hin.   

Eine Welt für Außenseiter 

J.R.R. Tolkien schrieb „Der Herr der Ringe“ nicht als queere Allegorie – das betonte er selbst mehrfach. Seine Welt aus Hobbits, Elben und Schattenwesen entstand aus seiner Liebe zur Sprache, Mythologie und der Erfahrung des frühen 20. Jahrhunderts. Dennoch wurde Mittelerde in den Jahrzehnten nach seinem Tod zu einem zentralen Bezugspunkt für viele LGBTIQ+-Leser, die in Tolkiens Werk etwas fanden, das weit über klassische Fantasy hinausreicht: Geschichten über Zugehörigkeit, Anderssein, Freundschaft und Mut, die queer gelesen und empfunden werden können, ohne dass Tolkien sie explizit so angelegt hätte.

Tolkien schuf Figuren, die nicht in die Machtstrukturen ihrer Welt passen: Hobbits, die unscheinbar sind, aber wichtige Rollen spielen; Elben, die anders altern und leben; Gemeinschaften, die jenseits konventioneller Heldentypen funktionieren. Für viele queere Menschen bot das ein Resonanzfeld. Nicht, weil Tolkien ein queeres Manifest schrieb, sondern weil Mittelerde eine Welt ist, in der auch die „Kleinen“ und „Anderen“ entscheidend sind – ein Motiv, das LGBTIQ+-Leser oft berührt, da es Parallelen zu eigenen Erfahrungen der Sichtbarkeit und Selbstbehauptung bietet.

Intensive Freundschaften 

Besonders die Bindung zwischen Frodo und Sam, Legolas und Gimli oder Merry und Pippin wurde in queeren Lesekulturen immer wieder neu interpretiert – und den letzten beiden wurde längst eine schwule Hintergrundstory angedichtet. Tolkien selbst verstand diese Beziehungen als Ausdruck tiefster, nicht-romantischer Loyalität – geprägt von seiner Zeit im Oxford-Club und den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs.

Doch gerade diese emotionalen, zärtlichen und eng verbundenen Männerfreundschaften boten schwulen Lesern späterer Generationen Raum für Identifikation. Ohne ein romantisches Motiv behaupten zu wollen, entwickelten sich aus diesen Figuren zahlreiche homoerotische Fan-Interpretationen, Fanfiction und Repräsentationen in der Popkultur.

Fandom und Fanfiction 

Ab den 1960er- und 1970er-Jahren wuchs das homosexuelle Tolkien-Fandom stetig, besonders in der Fanfiction-Szene. Tolkien selbst verfasste keine queeren Geschichten, doch seine offene, moralisch komplexe Welt inspirierte Autoren, alternative Lesarten zu entwickeln. Mit Peter Jacksons Filmtrilogie ab 2001 erreichte dieses queere Fandom eine neue Intensität: Die emotionale Inszenierung von Freundschaft und Opferbereitschaft, kombiniert mit ikonischen Figuren wie Arwen, Éowyn oder Galadriel, wurde zu einer Projektionsfläche für Themen wie Selbstbestimmung, Mut und gewählte Familie – zentrale Motive vieler LGBTIQ+-Erzählungen.

Mut, Widerstand und Hoffnung 

Tolkien schrieb Geschichten über Widerstand gegen unterdrückende Mächte, über das Bestehen trotz Angst und über den Wert von Gemeinschaft – Motive, die im LGBTIQ+-Kontext stark wirken. In Aktivismus, Kunst und queeren Diskursen tauchen seine Symbole regelmäßig auf wie der Gedanke, dass selbst der Kleinste die Zukunft verändern kann oder die Kraft enger Gemeinschaften sowie das Finden der eigenen Bestimmung trotz gesellschaftlicher Erwartungen. Diese universellen Themen haben „Der Herr der Ringe“ zu einem Werk gemacht, das nicht exklusiv queer ist, aber queeren und homosexuellen Menschen Raum gab, sich wiederzufinden – und ihre eigenen Geschichten damit zu verweben. Und wer hätte nicht gerne „einen Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“ – im schwulen Fetisch-Kosmos eine sehr lustvolle Idee. 

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