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Apropos Leben Gefühltes Tagebuch: Eine Lanze für Gelassenheit

Von rb - 15.06.2022 - 09:00 Uhr
Apropos Leben // © lingbeek
Foto: Apropos Leben // © lingbeek
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Unser Alien sieht die Dinge mit Abstand: „Warum sind die Menschen immer so aufgeregt? Sorgen bringen nichts, denn das gedankliche Kreisen um Dinge der Zukunft ändert den Verlauf in keiner Weise. Da hilft eher konkretes Planen und das Umsetzen des Plans.“

Bei einem langen Waldspaziergang mit einem sehr belesenen Bekannten haben wir uns auch über Philosophie unterhalten. Er meinte, dass wir von den alten Griechen und Römern auch heute noch so manches lernen können. Ja, es sei sogar ein richtiger Hype um bestimmte Denkrichtungen wieder entstanden. Die Stoa stünde hierbei im Vordergrund. Da denke ich sofort an stoisches Verhalten, was man ja oft mit Apathie oder Gleichmut verwechseln kann. Gleichmut und Gelassenheit kommen der Sache wohl am nächsten. Denn Apathie ist bedeutet ja eher Stillstand, während eine innere Gelassenheit die Dinge anpackt, aber mit Verstand.

Ich möchte eine Lanze brechen für die Gelassenheit. Das Sprichwort mit der Lanze kommt aus dem Mittelalter, aus dem Zeitalter der Ritter. Bei Turnieren und Schaukämpfen wurden die Langwaffen im Duell oft zerbrochen, dies geschah zu Ehren einer wichtigen Person, die Zeuge der Auseinandersetzung war. Im übertragenen Sinne bedeutet es heute, sich für etwas stark zu machen. Dies passt dann wieder in unsere Zeit, denn in Krisen ist der Lebenskampf besonders präsent. Die Stoa hat in ihrer Geistesgeschichte mehrere Revivals erfahren und damit Anpassungen an die jeweilige Lebenswirklichkeit. Im Neo-Stoizismus des 16. Jahrhunderts wurde das Gedankengebäude religiös unterfüttert und dem Christentum einverleibt. Elemente der Stoa finden sich allerdings schon sehr lange in der buddhistischen Religion, ohne dass es dabei zu einem direkten Austausch gekommen wäre. Kurz und knapp geht es in unserer heutigen Popularisierung dieser Philosophie um Hausverstand und konkrete Anwendung auf viele Bereiche des Alltags. Da wir bestimmte Dinge nicht vollständig oder gar nicht beeinflussen können, so sollten wir uns, nach dieser Überzeugung, weder Sorgen um die Zukunft machen, noch Reue wegen der Vergangenheit an den Tag legen. Sondern vielmehr mit stetigem Streben in der Gegenwart, im Hier und Jetzt die Wege in die Zukunft bahnen. Was geschehen ist, ist geschehen, und nicht mehr zu ändern. Was in der Zukunft passiert, wird jetzt mit entschieden, zumindest können wir darauf Einfluss nehmen. Dieses Konzept findet sich auch in der Achtsamkeit, die ja als mentaler Richtungsgeber heute sehr weit verbreitet ist. Auch in die Psychotherapie haben Elemente der Stoa Eingang gefunden. Sich zum Beispiel dauernd mit anderen zu vergleichen in Bezug auf Besitz und Erfolg ist nicht immer zielführend, sondern kann auch viel Frust und wenig Motivation erzeugen, vor allem, wenn man in einer anderen Liga spielt. Man kann sich realistische Ziele setzen, die bei Erreichen wiederum neue Ziele ermöglichen.

Die wichtigsten Empfehlungen der Stoa sind diese: Man soll die wichtigen Dinge in seinem Leben identifizieren und diese verfolgen. Man soll andere Menschen nicht be- und verurteilen, ohne ihre Beweggründe zu kennen. Man kann von jedem lernen, auch wenn man diese Person nicht mag. Man soll mehr zuhören als reden. Man soll sich nicht beklagen, sondern die Dinge anpacken. Man soll vergeben, auch wenn es schwer fällt. Wie man die Dinge betrachtet, ist entscheidend für das Glück im Leben. Das klingt doch ganz vernünftig, oder? Ist vielleicht nicht immer einfach, ist ein Lernprozess. Und führt im besten Fall zu Gelassenheit. Marie von Ebner-Eschenbach hat es mal so ausgedrückt: „Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.“ So können diese uralten Weisheiten uns auch heute noch vieles geben und in schwierigen Zeiten Wege weisen, die zu Zufriedenheit und Ausgeglichenheit führen können.

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