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Wiedergutmachung bei Stephens Queere Vorbilder prägten den Rizzle-Kicks-Rapper

Von ms - 04.11.2026 - 14:00 Uhr
Wiedergutmachung bei Stephens
Foto: IMAGO / WENN
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Der britische Rapper Jordan Stephens (34) hat offen über homophobe Äußerungen während seiner Schulzeit gesprochen. Obwohl der Musiker des Duos Rizzle Kicks in einem von queeren Menschen geprägten Umfeld aufwuchs, verwendete er als Jugendlicher das Wort „schwul“ als Beleidigung. Heute bereut der 34-Jährige dieses Verhalten und hofft, durch sein öffentliches Engagement für LGBTIQ+-Menschen etwas davon wiedergutmachen zu können.

Das Wichtigste im Überblick

  • Früh von queeren Menschen geprägt: Der britische Musiker Jordan Stephens wuchs mit zahlreichen LGBTIQ+-Menschen auf. Besonders sein schwuler Patenonkel David McAlmont beeinflusste ihn.
  • Homophobe Sprache in der Schulzeit: Obwohl Stephens schon als Kind offen gegenüber unterschiedlichen Lebensweisen war, benutzte er später das Wort „schwul“ als Beleidigung.
  • Reue über frühere Fehler: Der heute 34-Jährige hofft, durch seine Haltung als Erwachsener einen Teil seines damaligen Verhaltens wiedergutmachen zu können.
  • Erfahrung im Schwulenclub: Unerwünschte körperliche Annäherungen bei einem Besuch in London ließen ihn besser verstehen, was Frauen beim Ausgehen erleben können.
  • Auszeichnung als Verbündeter: Für seine Unterstützung der LGBTIQ+-Community erhielt Stephens 2026 den „Ally Award“.

Dazugehören um jeden Preis

Stephens besuchte als Jugendlicher die Blatchington Mill School im südenglischen Hove. Dort übernahm er nach eigenen Angaben die Gewohnheit seiner Mitschüler, das Wort „schwul“ abwertend zu verwenden. Rückblickend empfindet er sein damaliges Verhalten als beschämend. „Es war definitiv einfach der Wunsch, dazuzugehören“, erklärte er.  Er habe sich dem Sprachgebrauch seines Umfelds angepasst, obwohl dieser eigentlich nicht seinen persönlichen Überzeugungen entsprach. „Ich hoffe, dass meine Haltung als Erwachsener in gewisser Weise etwas davon wiedergutmacht“, sagte Stephens. Besonders widersprüchlich erscheint ihm heute, dass er selbst nicht die Vorurteile vertreten habe, die seine Wortwahl damals zum Ausdruck brachte. „Aber das Ironische daran ist, dass ich selbst gar nicht so war“, erklärte er. Auch bei Äußerungen über Hautfarbe habe er sich sprachlich an andere angepasst. „Es ist einfach Anpassung. Traurig, wenn man darüber nachdenkt.“

Schwuler Patenonkel als Vorbild

Dass Stephens bereits früh mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Lebensentwürfen in Berührung kam, verdankt er nach eigener Einschätzung vor allem seiner Mutter Emma Boulting. Der Musiker wurde am 25. Januar 1992 in eine Arbeiterfamilie im Londoner Stadtteil Neasden geboren. Ab seinem zehnten Lebensjahr wuchs er in Brighton auf. Seine Mutter umgab ihn mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Geschlechter und Lebensweisen. Stephens bezeichnet diese Begegnungen heute als „Geschenke“. „Mein Mitgefühl, meine Neugier und meine Bewunderung für die queere Community gehen definitiv auf die Menschen zurück, mit denen meine Mutter mich als Kind umgeben hat“, sagte er.

Eine besonders wichtige Rolle spielte sein Patenonkel, der britische Musiker David McAlmont. Stephens hatte ihn bereits früher als „einen unglaublichen schwulen schwarzen Mann mit einer wunderschönen Stimme“ beschrieben. Der Rapper erinnert sich noch heute an Besuche bei McAlmont, der damals mit seinem inzwischen verstorbenen sogenannten „Freund“ Bill zusammenlebte. Besonders dessen ungewöhnliche Sammlung ist ihm im Gedächtnis geblieben. „Er hatte diese verrückte Sammlung von Barbie-Puppen. Und auch damals fand ich das als Junge überhaupt nicht seltsam“, erzählte Stephens.

Rollennormen im Musikgeschäft

Nach eigenen Angaben begegnete Stephens während seiner Kindheit Menschen „aller Formen, Größen, Hautfarben, Geschlechter und Vorlieben“. Deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität habe für ihn keine entscheidende Rolle gespielt. „Dieser Aspekt ihrer Identität stand nicht im Vordergrund ihrer Persönlichkeit“, erklärte der Musiker. Wichtiger seien die persönlichen Begegnungen und der Einfluss gewesen, den diese Menschen auf seine Entwicklung hatten. Eine Erinnerung an seinen Patenonkel McAlmont verdeutliche, dass Stephens bereits als Kind ein Gespür für Diskriminierung entwickelt habe.

Der Sänger habe zeitweise Schwierigkeiten in seiner Musikkarriere erlebt, weil er dazu gedrängt worden sei, über heterosexuelle Beziehungen zu singen. „Ich erinnere mich an eine Zeit, in der er Probleme mit seiner Musikkarriere hatte, weil er dazu ermutigt wurde, über eine heterosexuelle Beziehung zu singen“, berichtete Stephens. Schon damals habe er diese Erwartung als ungerecht empfunden. „Ich erinnere mich, dass ich sogar als Kind dachte: ‚Das erscheint mir nicht fair.‘ Wissen Sie, ich erinnere mich daran, dass ich seinetwegen ein Gefühl von Ungerechtigkeit empfand.“ Dass er später dennoch homophobe Ausdrücke verwendete, erklärt Stephens mit dem sozialen Druck während seiner Jugend.

Berührungen im Schwulenclub

Eine weitere prägende Erfahrung machte Stephens bei einem Besuch in einem Schwulenclub im Londoner Stadtteil Soho. Der heterosexuelle Musiker war dort, um den Geburtstag eines Freundes zu feiern. Während des Abends erlebte er unerwünschte körperliche Annäherungen. Anstatt aggressiv oder abwehrend zu reagieren, habe ihn die Situation zum Nachdenken gebracht. Vor allem sei ihm dadurch bewusster geworden, welchen Erfahrungen Frauen beim Ausgehen ausgesetzt sein können, wenn sie von heterosexuellen Männern ungefragt berührt werden. „Es hat mich tatsächlich zutiefst aufgewühlt, weil ich den Club ironischerweise mit einem besseren Verständnis dafür verlassen habe, was Frauen in einem Club möglicherweise erleben“, erklärte Stephens. Die Begegnung habe ihm außerdem verdeutlicht, dass körperliche Nähe in queeren Räumen unterschiedliche Bedeutungen haben könne. Nicht jede Berührung zwischen Männern müsse sexuell motiviert sein.

Kontakt mit der Community

Stephens beschreibt sich selbst als jemanden, der körperliche Nähe zu anderen Menschen grundsätzlich nicht scheut. „Ich bin ein sehr körperlicher Mensch“, sagte er. Seine Erfahrungen in der LGBTIQ+-Community hätten ihm gezeigt, dass freundschaftliche Berührungen zwischen Männern dort häufig selbstverständlicher seien als in vielen heterosexuell geprägten Umfeldern. „Denn ich habe das Gefühl, dass es in der schwulen Community, in der queeren Community, viel üblicher ist, dass Männer einander berühren, und zwar nicht immer in einem sexuellen Sinne.“ Stephens fühlt sich nach eigenen Angaben in queeren Räumen wohl und bewegt sich dort ohne Berührungsängste. 

Das führe gelegentlich dazu, dass andere Männer ihn selbst für schwul hielten. Für den Musiker ist das kein Problem. Auch wenn er erklären müsse, dass er heterosexuell sei, empfinde er solche Annahmen nicht als beleidigend. Die Offenheit des Musikers gegenüber unterschiedlichen Lebensweisen und sein öffentliches Engagement wurden 2026 mit dem britischen „Ally Award“ gewürdigt. Seine Hoffnung, durch die heutige Unterstützung der LGBTIQ+-Community etwas von seinen früheren Fehlern wiedergutzumachen, bringt er in einem Satz auf den Punkt: „Ich hoffe, dass meine Haltung als Erwachsener in gewisser Weise etwas davon wiedergutmacht.“

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