War Cary Grant (1904-1986) schwul oder bisexuell? Die Frage nach der sexuellen Orientierung des legendären Hollywoodschauspielers beschäftigt Biografen, Filmhistoriker und Fans seit Jahrzehnten, viele gehen davon aus, dass der beliebte uS-Schauspieler zumindest bisexuell war. Besonders seine enge Verbindung zum Schauspielkollegen Randolph Scott, mit dem er zeitweise zusammenlebte, hat immer wieder Spekulationen über eine mögliche Liebesbeziehung ausgelöst. Nun haben Aussagen seiner früheren Ehefrau Dyan Cannon die Diskussion erneut in den Mittelpunkt gerückt.
Das Wichtigste im Überblick
- Ex-Frau äußert sich: Dyan Cannon, die von 1965 bis 1967 mit Cary Grant verheiratet war, hat sich zu den jahrzehntelangen Gerüchten über dessen mögliche Homosexualität geäußert. Sie selbst habe während ihrer Beziehung keine eindeutigen Hinweise bemerkt.
- Flirt mit einem Schiffskapitän: Cannon erinnert sich an eine Überfahrt nach England, bei der sich Grant gegenüber dem Kapitän auffallend vertraut und flirtend verhalten habe.
- Angebliche Beziehung zu Randolph Scott: Grant lebte über mehrere Jahre zeitweise mit seinem Schauspielkollegen zusammen. Zeitzeugen behaupteten später, die beiden seien ein Liebespaar gewesen.
- Schauspieler spricht von sexueller Fluidität: Jason Isaacs, der Grant in der Miniserie „Archie“ verkörpert, hält es aufgrund seiner Recherchen für möglich, dass der Hollywoodstar sowohl Männer als auch Frauen liebte.
- Tochter schließt Männerbeziehungen nicht aus: Jennifer Grant erklärte, sie habe keine Hinweise auf gleichgeschlechtliche Beziehungen ihres Vaters bemerkt. Sollte es sie gegeben haben, hätte sie daran jedoch nichts auszusetzen.
Begegnung auf einer Schiffsreise
Cannon, die vierte Ehefrau des 1986 verstorbenen Filmstars, erklärte in einem Interview, dass sie bereits vor ihrer Hochzeit von entsprechenden Gerüchten gehört habe. Während ihrer gemeinsamen Zeit habe sie allerdings keine eindeutigen Anzeichen dafür wahrgenommen, dass Grant sexuelle oder romantische Beziehungen zu Männern unterhalten habe. Eine Begegnung auf einer Schiffsreise sei ihr dennoch in Erinnerung geblieben. „Einmal, auf einem Passagierschiff auf dem Weg nach England, habe ich beobachtet, wie er sich gegenüber dem Kapitän sehr vertraut und flirtend verhielt. Aber abgesehen davon habe ich nie etwas bemerkt“, sagte Cannon.
Ob Grant vor ihrer Bekanntschaft Beziehungen zu Männern geführt habe, könne sie nicht beurteilen. „Wenn er Beziehungen zu Männern hatte, dann war das, bevor ich ihn kennenlernte – aber ich habe nie irgendwelche Anzeichen dafür gesehen. Ehrlich gesagt hätte es für mich keine Rolle gespielt. Entscheidend war für mich die Verbindung zwischen uns, und ich muss sagen, dass sie am Anfang zweifellos echt war.“
Fünf Ehen und Spekulationen
Cary Grant gehörte zu den größten Leinwandstars des klassischen Hollywoods. In zahlreichen Filmen verkörperte er charmante, selbstbewusste Männer, die um die Liebe ihrer weiblichen Filmpartnerinnen warben. Zu seinen bekanntesten Rollen gehören Auftritte an der Seite von Katharine Hepburn in „Leoparden küsst man nicht“ und Ingrid Bergman in „Berüchtigt“. Auch privat war Grant mehrfach verheiratet. Insgesamt ging der Schauspieler fünf Ehen ein. Dennoch kursierten bereits zu seinen Lebzeiten Gerüchte über mögliche Beziehungen zu Männern. In späteren Jahren wurden diese unter anderem durch Äußerungen aus dem Umfeld des Schauspielers verstärkt. Auch Golden Girl Betty White soll unbeabsichtigt zur erneuten Verbreitung entsprechender Spekulationen beigetragen haben.
Das Thema ist eng mit den gesellschaftlichen Verhältnissen im Goldenen Zeitalter Hollywoods verbunden. Mehrere bekannte Schauspieler jener Epoche, darunter Rock Hudson, Montgomery Clift und Ramon Novarro, waren homosexuell, konnten ihre sexuelle Orientierung jedoch nicht offen leben. Erst durch spätere Berichte von Angehörigen, Freunden und Weggefährten wurden viele Einzelheiten über ihr Privatleben öffentlich bekannt. Vor diesem historischen Hintergrund wird auch Grants Beziehung zu Randolph Scott bis heute diskutiert.
Dyan Cannon erinnert sich
Dyan Cannon und Cary Grant heirateten 1965. Im folgenden Jahr wurde ihre Tochter Jennifer geboren, Grants einziges Kind. Bereits 1967 ließ sich das Paar scheiden. Cannon machte sich selbst als Schauspielerin einen Namen und wurde im Laufe ihrer Karriere dreimal für einen Oscar nominiert. Zu ihren bekannten Filmen gehören die Beziehungskomödie „Bob & Carol & Ted & Alice“, die Fantasykomödie „Der Himmel soll warten“ sowie die Thriller „Tödliche Falle“ und „Sheila“. 2011 veröffentlichte sie ihre Memoiren unter dem Titel „Dear Cary: My Life With Cary Grant“. Das Buch wurde später zu einer wichtigen Vorlage für die britische ITV-Miniserie „Archie“, in der Jason Isaacs die Hollywoodlegende verkörpert.
Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Serie äußerten sich Cannon und Isaacs zu den Gerüchten über Grants Sexualität. Die Schauspielerin erinnerte sich dabei auch an die Anfänge ihrer Beziehung. Die Zeit des Kennenlernens sei von einer „echten“ und „vertrauensvollen“ Verbindung geprägt gewesen. Nach der Hochzeit habe sich das Verhältnis jedoch „radikal verändert“. Cannon führte die späteren Schwierigkeiten unter anderem auf Grants belastende Kindheit und seine Angst zurück, verlassen zu werden. Ihre Ehe sei am Anfang von aufrichtigen Gefühlen getragen gewesen, betonte sie. Ob ihr damaliger Ehemann zuvor auch Männer geliebt habe, sei für sie nicht entscheidend gewesen.
Grant war „sexuell fluid“
Eine andere Einschätzung äußerte Jason Isaacs, der sich zur Vorbereitung auf seine Rolle in „Archie“ intensiv mit Grants Lebensgeschichte beschäftigte. Der Schauspieler führte nach eigenen Angaben zahlreiche Gespräche und wertete umfangreiches biografisches Material aus. Auf dieser Grundlage hält er es für möglich, dass Grant Beziehungen zu Männern und Frauen hatte. „Soweit ich weiß, hatte er viele Beziehungen, aber die Bezeichnung ‚schwul‘ beschreibt nicht wirklich, wer er war“, sagte Isaacs. Er ergänzte: „Heute würde man ihn vielleicht als ‚fluid‘ bezeichnen. Wenn man dem glaubt, was viele Menschen im Detail recherchiert haben, dann hatte er definitiv Beziehungen zu Männern. Eine sehr lange Beziehung mit dem Schauspieler Randolph Scott. Aber er war auch in Frauen verliebt. Er war in Dyan verliebt.“
Randolph Scott und Cary Grant
Besonders häufig wird im Zusammenhang auch anderweitig immer wieder der Name Randolph Scott genannt. Die beiden Schauspieler lernten sich 1932 während der Dreharbeiten zum Film „Hot Saturday“ kennen. In den folgenden Jahren lebten sie zeitweise gemeinsam in einem Haus in Malibu. Die Presse bezeichnete das Anwesen als „Bachelor Hall“, sinngemäß eine Junggesellenresidenz. Fotos aus dieser Zeit zeigen die beiden Männer in ihrem gemeinsamen Zuhause. Einige der bekanntesten Aufnahmen stammen von dem Fotografen Jerome Zerbe. Die enge Freundschaft und das zeitweilige Zusammenleben führten zu Spekulationen darüber, ob Grant und Scott auch romantisch miteinander verbunden waren. Diese Vermutungen wurden später durch Aussagen mehrerer Zeitzeugen verstärkt.
Sowohl Zerbe als auch der Schauspieler und spätere Modekritiker Richard Blackwell behaupteten, mit beiden Männern sexuelle Kontakte gehabt zu haben. Blackwell ging in seiner Autobiografie noch weiter und beschrieb Grant und Scott ausdrücklich als Liebespaar. „Sie waren zutiefst und wahnsinnig ineinander verliebt. Ihre Hingabe zueinander war vollkommen“, schrieb er. Seine Darstellung gehört zu den bekanntesten Aussagen über die mutmaßliche Beziehung der beiden Schauspieler. Ob die Männer tatsächlich eine romantische Partnerschaft führten, ist jedoch nicht zweifelsfrei geklärt. Grant bestätigte eine solche Beziehung öffentlich nicht.
Tochter hätte es ihm gewünscht
Auch Tochter Jennifer Grant wurde nach ihrem Vater gefragt. In ihren Memoiren „Good Stuff: A Reminiscence of My Father, Cary Grant“ hatte sie Spekulationen über eine mögliche Homosexualität ihres Vaters zunächst zurückgewiesen. Später äußerte sie sich differenzierter. In einem Interview mit der britischen Zeitung „The Guardian“ erklärte sie, dass sie selbst keine Hinweise auf gleichgeschlechtliche Beziehungen ihres Vaters bemerkt habe. Sie fügte hinzu: „Ich glaube, ich hätte es bemerkt – nicht, dass es mich gestört hätte … Vielleicht hatte er früher in seinem Leben eine Affäre mit einem Mann]. Ich werde es nie erfahren, aber wenn es so war, wunderbar. Ich hoffe, er hat es genossen.“
Hollywoods und Homosexualität
Die Diskussion über Cary Grant lässt sich kaum von den gesellschaftlichen Bedingungen seiner Zeit trennen. Während des klassischen Hollywoods standen Filmstars unter erheblichem Druck, ihr Privatleben mit den Erwartungen der Filmstudios und des Publikums in Einklang zu bringen. Homosexualität war gesellschaftlich stark tabuisiert. Ein öffentliches Coming-Out konnte für Schauspieler erhebliche berufliche Konsequenzen haben. Zahlreiche homosexuelle Künstler lebten deshalb nicht offen oder hielten gleichgeschlechtliche Beziehungen vor der Öffentlichkeit verborgen. Zu den bekanntesten Beispielen zählen Rock Hudson, Montgomery Clift und Ramon Novarro. Das Rätsel um Cary Grants Privatleben bleibt damit für immer bestehen.