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Ryan O’Connells neue Stärke „Special“-Schöpfer hat durch Sex zu sich selbst gefunden

Von ms - 22.07.2026 - 16:00 Uhr
Ryan O’Connells neue Stärke
Foto: Instagram / ryanoconn
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Ryan O’Connell (39) hat sich mit ungewöhnlicher Offenheit einen Namen gemacht. Der Autor, Regisseur, Schauspieler und Comedian hinter der erfolgreichen Netflix-Serie „Special“ erzählt in seinen Arbeiten von seinem Leben mit Zerebralparese, gesellschaftlichen Vorurteilen und der Suche nach Selbstbestimmung.

Das Wichtigste im Überblick

  • Ryan O’Connell ist Autor, Regisseur, Schauspieler und Comedian der Netflix-Serie „Special“.
  • In seinem Essayband „Inspiration Porn“ verarbeitet er Erfahrungen mit Behinderung, Sexualität, Sucht und persönlicher Entwicklung.
  • O’Connell beschreibt, wie er seinen Körper nach Jahren der Ablehnung neu angenommen hat.
  • Der Künstler spricht offen über schwulen Humor, Sex und die Bedeutung ehrlicher Erzählungen.
  • Seine Behinderung und sein Schwulsein sieht er heute nicht mehr als Belastung, sondern als besondere Stärke.

 „Jetzt gehört mir mein Körper wirklich“

Die Comedy-Dramaserie „Special“ basiert auf seinen eigenen Erfahrungen und zeigt seinen Umgang mit Behinderung sowie die Herausforderungen nach einem Autounfall. O’Connell ist dafür bekannt, schwierige Themen mit Humor, Ehrlichkeit und viel persönlicher Nähe zu behandeln. In seiner aktuellen Essaysammlung „Inspiration Porn“ beschäftigt er sich mit der Frage, wie aus persönlichen Verletzungen und Ausgrenzung schließlich schwule Lebensfreude entstehen kann. Dabei schreibt er über Familienbeziehungen, körperliche Veränderungen, Sucht und Sexualität.

Der Titel „Inspiration Porn“ spielt auf den Begriff an, mit dem Menschen mit Behinderung häufig beschrieben werden, wenn sie allein für alltägliche Dinge als „inspirierend“ dargestellt werden: „Behinderte Menschen werden oft schon dafür als ‚inspirierend‘ angesehen, dass sie einfach nach draußen gehen und den Tag begrüßen. Das kann sehr bevormundend sein“, sagte O’Connell. Er habe sich lange dagegen gewehrt, auf diese Weise gesehen zu werden. Beim Schreiben seiner persönlichen „Schlampen-Tagebücher“ habe er jedoch über seine eigene Entwicklung nachgedacht.

„Das, was mein 15-jähriges Ich am meisten überrascht hätte, wäre die Erkenntnis gewesen, dass ich mir später im Leben erlaube, von so vielen Männern gevögelt zu werden.“ Der Titel seiner Essaysammlung sei deshalb auch eine Rückeroberung eines verletzenden Begriffs. „Auf eine Art nimmt der Titel einen Begriff zurück, der sich verletzend und entmenschlichend angefühlt hat, und macht daraus etwas, auf das ich stolz sein kann und aus dem ich Wert schöpfen kann.“

Vom Blogger zum Erzähler 

Seine Karriere begann O’Connell als Blogger. Für das Portal Thought Catalog habe er in seinen Zwanzigern täglich mehrere Texte geschrieben. „Ich schrieb drei neue Beiträge am Tag und nahm eine autoritäre Stimme ein, die sagte: ‚Hallo, ich bin in meinen Zwanzigern, ich finde gerade heraus, wie das Leben funktioniert, und so macht man es richtig.‘“ Dabei habe er sich oft unsicher gefühlt. „Ich fühlte mich wie ein kompletter Hochstapler, weil ich eigentlich überhaupt nicht wusste, was ich tat: Ich schrieb aus der ersten Reihe der Verzweiflung heraus.“ Heute, in seinen späten Dreißigern, sehe er sich anders. „Jetzt habe ich das Gefühl, tatsächlich etwas Weisheit weitergeben zu können.“

Selbstvermarktung und Ehrlichkeit

Zum Buch gehört auch eine sehr persönliche Fotoserie des Fotografen Ryan McGinley. O’Connell erklärt, dass die Bilder aus seiner ambivalenten Beziehung zu sozialen Medien entstanden seien. „In einer Welt, in der das Leben inzwischen mehr online als in der Realität stattfindet, ist jeder auf eine Weise zu seinem eigenen Verkäufer geworden, die sich für mich unangenehm anfühlt.“ Er habe mit McGinley zusammenarbeiten wollen, weil dieser Sex und Sexualität spielerisch darstelle. „McGinleys Arbeit ist dynamisch und interessant. Es stellt sich heraus: Selbstironisch zu sein, kann sexy sein.“

Während sich viele seiner früheren Texte mit seinem Leben mit Behinderung beschäftigten, steht in „Inspiration Porn“ stärker sein Verhältnis zum eigenen Körper im Mittelpunkt. Eine offene Beziehung, die er 2021 begann, habe ihm geholfen, sich selbst mehr anzunehmen. „Ich wurde nüchtern, ich verlor 30 Pfund und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, Kontrolle über meinen Körper zu haben. Ich fühlte mich zum ersten Mal heiß!“ Früher habe er sich selbst anders wahrgenommen. „Ich fühlte mich wie der schwule Shrek, obwohl ich in Wirklichkeit ziemlich süß war.“ Heute sei sein Verhältnis zu seinem Körper grundlegend verändert. „Ich ließ zehn Jahre lang niemanden mit mir schlafen, aber jetzt gehört mir mein Körper wirklich; ich zeige ihn. Das gibt mir Kraft.“

Aus Scham wird eine Stärke

O’Connell sieht inzwischen gerade die Dinge, für die er sich früher geschämt hat, als Grundlage seines Erfolgs. „Alles, wofür ich mich geschämt habe, ist der Grund, warum ich heute ein Haus besitze.“ Auch seine Behinderung und sein Schwulsein hätten ihn geprägt. „Es zeigt, dass die Dinge, die einen einzigartig machen, die Eigenschaften, die einen wirklich anders machen, die Dinge, für die man darauf trainiert wurde, sich zu schämen – tatsächlich die größten Superkräfte sein können.“

Zu seinen Einflüssen zählt O’Connell unter anderem Paul Rudnick, den Autor von „Addams Family Values“, sowie Ryan Murphy, John Waters, Gregg Araki und Gary Indiana. „Ich hatte immer eher eine unabhängige Kunst-Fag-Sensibilität. Ich schätze künstlerische Haltung und dunklen Humor.“ Sein schwuler Humor sei ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit und seines Blicks auf die Welt. O’Connell beschreibt seinen Ehrgeiz auch als Folge jahrelanger Unterschätzung. „Es hängt damit zusammen, schwul zu sein und eine Behinderung zu haben – ich habe die doppelte Portion bekommen.“ Er habe ständig das Gefühl gehabt, anderen beweisen zu müssen, dass sie falsch lagen. „Ich wurde mein ganzes Leben lang chronisch unterschätzt, und ständig zu beweisen, dass Menschen falsch lagen, ist wie meine seltsame Sucht. Ich liebe es.“

Sex als literarisches Thema

Auch über Sex schreibt O’Connell ausführlich – ein Thema, das seiner Meinung nach besonders viel über Menschen verrät. „Man muss aus einem Ort der Wahrheit heraus schreiben.“ Sex sei eine besonders vielseitige Erfahrung. „Sex ist eine reichhaltige Muse, weil er innerhalb von drei Stößen eine Million Dinge sein kann: lustig, nährend, einsam, verbindend – manchmal alles im selben Moment.“ Dabei gehe es nicht nur um körperliche Begegnungen. „Es ist faszinierend, wie Menschen in einer sexuellen Erfahrung auftauchen: Welchen Ballast sie mitbringen, welche Dämonen man gemeinsam austreiben kann. Es ist köstlich und ein Privileg.“ Auf die Frage, welchen Rat er seinem jüngeren Ich als Schriftsteller in den Zwanzigern geben würde, antwortete O’Connell mit seinem typischen schwarzen Humor: „Steck dir einen Schwanz in den Hintern und hör auf, Schmerzmittel zu nehmen, du dumme Schlampe.“

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