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Mike Manning kämpft weiter Warnung vor Rückschritten bei LGBTIQ+-Rechten

Von ms - 03.11.2026 - 14:00 Uhr
Mike Manning kämpft weiter
Foto: Instagram / mike_manning_ / Human Rights Campaign
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Als sich Mike Manning im Alter von 22 Jahren im Fernsehen als bisexuell outete, befürchtete er, damit auf wichtige persönliche Lebensziele verzichten zu müssen. Eine Ehe, Kinder und ein gewöhnliches Familienleben erschienen ihm damals möglicherweise unerreichbar. 17 Jahre später ist der heute 39-Jährige verheiratet und erneut für einen Daytime Emmy nominiert. Nun hat er ausführlich zu seiner Karriere und seinem Privatleben Stellung bezogen und warnt vor Rückschritten. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Erneute Emmy-Nominierung: Mike Manning ist für seine Rolle in der CBS-Serie „Beyond the Gates“ als bester Nebendarsteller bei den Daytime Emmy Awards nominiert.
  • Coming-Out im Fernsehen: Durch die MTV-Realityshow „The Real World: D.C.“ wurde Manning 2010 bekannt und begann, sich für LGBTIQ+-Rechte einzusetzen.
  • Regenbogenfamilie im Fernsehen: In „Beyond the Gates“ spielt er einen schwulen Journalisten, der mit einem schwarzen Kongressabgeordneten verheiratet ist und zwei Adoptivkinder großzieht.
  • Kritik an Diskriminierung: Manning warnt vor Rückschritten bei LGBTIQ+-Rechten.
  • Privates Glück: Seit 2017 ist er mit Nick Tocco verheiratet. Wegen beruflicher Verpflichtungen führen beide derzeit eine Fernbeziehung.

Erneute Emmy-Nominierung 

Manning hat bereits zwei Daytime Emmys gewonnen: als Produzent und als Nebendarsteller der Serie „The Bay“. Bei der 53. Verleihung der Daytime Emmy Awards im Hollywood Palladium in Los Angeles geht er erneut als Kandidat ins Rennen. Diesmal ist er für seine Nebenrolle in der CBS-Seifenoper „Beyond the Gates“ nominiert. In der Serie spielt Manning den weißen schwulen Journalisten Bradley „Smitty“ Smith. Dieser ist mit Martin Richardson, einem schwarzen Kongressabgeordneten, verheiratet. Gemeinsam ziehen die beiden Männer zwei Adoptivkinder groß. Die Handlung konzentriert sich auf die wohlhabende schwarze Familie Dupree und verbindet familiäre Konflikte mit gesellschaftlichen Themen. Für Manning ist seine Arbeit vor und hinter der Kamera eng mit seinem Engagement für Gleichberechtigung verbunden. Geschichten könnten Einstellungen verändern und Menschen neue Perspektiven eröffnen, erklärte er weiter. 

Politisches Erwachen 

Als Manning 2009 nach Washington kam, stand die amerikanische Hauptstadt im Zeichen des politischen Wandels. Barack Obama hatte gerade seine Präsidentschaft begonnen. Gleichzeitig kämpften LGBTIQ+-Organisationen für besseren Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz, die Öffnung der Ehe und die Abschaffung der diskriminierenden Militärregelung „Don't ask, don't tell“. Diese Vorschrift schränkte den offenen Dienst homosexueller Soldaten in den US-Streitkräften ein. Manning war damals Teilnehmer der MTV-Sendung „The Real World: D.C.“. Das Format begleitete junge Erwachsene, die gemeinsam in einem Haus lebten und deren Alltag von Kameras dokumentiert wurde. Ursprünglich hatte Manning geplant, sich bei der Energy Action Coalition für Umweltfragen einzusetzen. 

Doch eine zufällige Begegnung veränderte seine Pläne. Bei einem Spaziergang auf der Connecticut Avenue entdeckte er in einem Schaufenster ein T-Shirt mit der Aufschrift „Amen“. Da er selbst kirchlich engagiert war, wurde er neugierig. Das Geschäft gehörte zur Human Rights Campaign (HRC), einer amerikanischen Organisation, die sich für LGBTIQ+-Rechte einsetzt und damals unter anderem religiöse Führungspersönlichkeiten für dieses Anliegen gewinnen wollte. „Ich scherze immer, dass Gott mich dazu gebracht hat, ein Aktivist für die Rechte homosexueller Menschen zu werden“, sagte Manning.

Begegnungen verändern Sichtweise

Durch die Human Rights Campaign lernte Manning Menschen kennen, die wegen ihrer Homosexualität ihren Arbeitsplatz verloren hatten. Andere berichteten davon, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung aus dem Militär ausgeschlossen worden zu sein. Diese Begegnungen machten ihm die gesellschaftliche Ungleichbehandlung bewusst, die er zuvor zwar wahrgenommen, aber noch nicht in ihrem ganzen Ausmaß verstanden hatte. Zugleich erkannte er, dass seine Teilnahme an einer Fernsehsendung eine besondere Möglichkeit bot, auf diese Probleme aufmerksam zu machen. „Ich habe eine Plattform und hier die Gelegenheit, einige dieser Themen ins Licht zu rücken, über die ich als frischgebackener Aktivist gerade erst etwas lerne“, erinnerte er sich an seine damaligen Gedanken. Während der Dreharbeiten führte Manning allerdings auch das Leben eines gewöhnlichen jungen Erwachsenen. 

Er feierte Partys, ging auf Dates, hatte sexuelle Begegnungen und versuchte herauszufinden, wer er war. Diese Erfahrungen hätten ihm eine wichtige Erkenntnis vermittelt. „Es hat mir auch beigebracht, dass man nicht perfekt sein muss, um Aktivist zu sein“, sagte er. „Man muss einfach jemand sein, dem die Sache verdammt noch mal wichtig ist.“ Nachdem die Sendung 2010 ausgestrahlt worden war, besuchte Manning nach eigenen Angaben Dutzende amerikanische Hochschulen. Dort beteiligte er sich an Veranstaltungen für LGBTIQ+-Rechte und Kampagnen zur politischen Beteiligung und Wählermobilisierung. Sein Motto lautete: „Ich sage gerne: Erst empören, dann engagieren.“

Coming-Out vor Kameras

Dass Manning seine Bisexualität öffentlich machte, war zunächst keineswegs selbstverständlich. Während seiner ersten Woche im Haus von „The Real World: D.C.“ überlegte er, sich während der gesamten Staffel als heterosexuell auszugeben. Doch schon bald entschied er sich dagegen. „Mir wurde sehr schnell klar, dass ich es für den Rest meines Lebens bereut hätte, wenn ich eine Lüge gelebt und nicht ehrlich darüber gesprochen hätte, wer ich war und was ich damals durchmachte“, sagte er. Heute geht Manning mit seinem Privatleben vorsichtiger um. Dennoch habe ihn die frühe Fernseherfahrung nachhaltig geprägt und seine beruflichen Ziele beeinflusst. Unter anderem gründete er eine Produktionsfirma, die Dokumentarfilme über gesellschaftliche Themen realisieren soll. „Die wichtigste Lektion, die mir ‚The Real World‘ jemals vermittelt hat, war die Macht von Geschichten. Und diese Erkenntnis habe ich in jeden Bereich meiner Karriere mitgenommen“, erklärte Manning.

Serienrolle verändert Einstellungen

In „Beyond the Gates“ versucht Manning, diesen Gedanken auch als Schauspieler umzusetzen. Seine Figur Smitty ist ein Journalist mit ausgeprägten moralischen Überzeugungen, der gelegentlich selbstgerecht auftreten kann. Manning bewundert seinen Seriencharakter, wünscht sich aber manchmal, dass dieser weniger reden würde. Die Darstellung einer gleichgeschlechtlichen Ehe und einer Familie mit zwei Vätern habe bereits Reaktionen beim Publikum ausgelöst. Nach Angaben des Schauspielers schrieben ihm Frauen aus konservativ geprägten Familien, dass sie durch die Beziehung zwischen Smitty und seinem Ehemann Martin ihre Einstellung zu schwulen Menschen verändert hätten.

Für Manning bestätigt dies die gesellschaftliche Bedeutung solcher Fernsehgeschichten. „Schwule Menschen verdienen es, so gesehen zu werden: als Menschen, die genauso viel Liebe und dieselben Chancen auf Erfolg verdienen wie alle anderen“, sagte er. „Wenn es also eine verdammte Seifenoper braucht, um das zu vermitteln und die Menschen daran zu erinnern, dann ist das großartig. Ich mache das gerne.“ Für sein Engagement und seine Arbeit wurde Manning 2025 außerdem in die „Out100“-Liste aufgenommen, die einflussreiche Persönlichkeiten der LGBTIQ+-Gemeinschaft würdigt.

Privates Glück gefunden

Privat ist Manning seit 2017 mit Nick Tocco verheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem gemeinsamen Paintball-Ausflug, als sie noch mit anderen Partnern zusammen waren. Manning erinnert sich besonders an den ersten Moment, in dem er Tocco sah. Dieser trug eine Tarnhose und befand sich zunächst hinter seinem Jeep. „Ich schaute hinüber, und ich schwöre, wie in Zeitlupe sprang er aus seinem Jeep Rubicon und ging über diesen staubigen Parkplatz, während hinter ihm der Staub aufwirbelte“, erzählte Manning. Tocco habe damals allerdings kaum Blickkontakt aufgenommen. Manning deutete dessen Zurückhaltung zunächst als Desinteresse. Später erfuhr er, dass Tocco lediglich nervös gewesen war, weil er Manning attraktiv fand. Zunächst entwickelte sich zwischen den beiden eine Freundschaft. Erst nachdem ihre jeweiligen Beziehungen beendet waren, kamen sie sich näher. Manning ließ sich bewusst Zeit, bevor er eine romantische Beziehung begann. Er wollte, dass die Verbindung eine langfristige Zukunft haben konnte.

Wegen seiner beruflichen Verpflichtungen lebt Manning inzwischen überwiegend in Atlanta. Sein Ehemann Nick Tocco hält sich dagegen in Los Angeles auf, wo er sich um die beiden älteren Hunde des Paares kümmert. Langfristig wollen die Männer wieder gemeinsam in Atlanta leben. Bis dahin müssen sie ihre Ehe über die räumliche Entfernung hinweg führen. „Wir führen im Moment eine Fernbeziehung, was nicht besonders toll ist. Aber ich weiß auch, dass das nicht für immer so bleiben wird“, sagte Manning. Trotz der aktuellen Trennung auf Zeit hat sich für den Schauspieler ein Lebensentwurf erfüllt, den er bei seinem Coming-out mit 22 Jahren noch für gefährdet hielt.

Warnung vor Rückschritten 

Sein beruflicher Erfolg und seine Ehe bedeuten für Manning allerdings nicht, dass der Kampf um Gleichberechtigung abgeschlossen ist. Er zeigt sich enttäuscht darüber, dass in einigen gesellschaftlichen Bereichen weniger Fortschritte erreicht wurden, als er früher erwartet hatte. „Ich dachte, dass wir inzwischen in bestimmten Bereichen mehr Fortschritte gemacht hätten. Aber das haben wir nicht, und wir müssen weiterkämpfen“, sagte er. Besonders wichtig ist ihm, dass jüngere LGBTIQ+-Menschen verstehen, wie ihre heutigen Rechte erkämpft wurden. Die Möglichkeiten, die vielen Menschen inzwischen offenstehen, seien das Ergebnis jahrzehntelanger politischer und gesellschaftlicher Arbeit.

Manning warnt davor, diese Errungenschaften als selbstverständlich zu betrachten. „Wir haben so viele Erfolge erzielt, so viele Fortschritte gemacht. Aber es gibt Menschen, die versuchen, uns diese Rechte wieder wegzunehmen und die Uhr zurückzudrehen. Und das dürfen wir nicht zulassen“, erklärte der Schauspieler. Für Manning bleibt sein öffentliches Engagement deshalb ein wichtiger Bestandteil seiner Karriere. Die Erfahrungen aus seiner Zeit bei „The Real World: D.C.“ prägen ihn bis heute: Er will seine Bekanntheit nutzen, um gesellschaftliche Missstände sichtbar zu machen und mit Geschichten Verständnis für andere Lebensweisen zu schaffen.

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