Lange Mähne, glänzende Lippen, dunkler Kajal: Thomas Anders brauchte in den Achtzigern keine wilde Rockmusik, um Deutschland nervös zu machen. Jetzt zieht der 63-Jährige einen überraschenden Vergleich: Er sei damals ein bisschen das gewesen, was später Bill Kaulitz wurde.
Der Look war die Provokation
„So ein bisschen war das Bill Kaulitz der 80er“, sagt Anders bei „MusikerGrillen von WELT und ROLLING STONE“. Musikalisch sei er wenig rebellisch gewesen. Die Aufregung habe sein androgynes Äußeres ausgelöst. Während geschminkte Männer wie Boy George oder die Mitglieder von Duran Duran international längst zum Pop gehörten, habe man bei einem deutschen Sänger genauer hingeschaut.
Der Vergleich trifft einen vertrauten Nerv: Auch Bill Kaulitz wurde mit seinem androgynen Auftritt zur Projektionsfläche. Als Tokio Hotel 2005 mit „Durch den Monsun“ durchstartete, waren seine schwarzen Augen und extravaganten Frisuren ebenso Gesprächsthema wie die Musik. Zwei Generationen, zwei völlig verschiedene Sounds – und erstaunlich viel Aufregung darüber, wie ein männlicher Popstar auszusehen hat.
Die Mähne ist längst Geschichte
Bei Anders gehören die Bilder mit langen Locken zur großen Modern-Talking-Zeit: 1985 gelang ihm und Dieter Bohlen mit „You’re My Heart, You’re My Soul“ der internationale Durchbruch. „Cheri, Cheri Lady“ und „Brother Louie“ machten das Duo zu einem der prägenden Pop-Exporte des Jahrzehnts. Auf die Trennung 1987 folgte 1998 das Comeback; 2003 endete die Zusammenarbeit endgültig.
Peinliches Jugendfoto? Für Anders offenbar die falsche Schublade. Er steht zu seinem früheren Ich. Und dieses Pop-Kapitel ist inzwischen sogar museumsreif: 2025 übergab er dem Bonner Haus der Geschichte seine Original-Keytar, mit der er 1985 bei „Wetten, dass..?“ aufgetreten war. Dazu zeigte das Museum eine Goldene Schallplatte und ein „Bravo“-Heft aus jener Zeit. Was einst die Gemüter erhitzte, wird heute als deutsche Popgeschichte ausgestellt.
Mit Bohlen klappte nur der Job
Über seinen früheren Duopartner spricht Anders ebenfalls offen. Im Studio hätten sie sich am besten verstanden. Gemeinsam lachen und Erfolge feiern konnten sie auch, ihre Vorstellungen vom Leben seien aber zu unterschiedlich gewesen. Nach den Feiern sei jeder wieder seinen eigenen Weg gegangen. Große Hits, goldene Platten – eine enge private Freundschaft wurde daraus nicht.
Die komplette Folge mit Anders läuft am Samstag, 24. Oktober, um 15 Uhr auf WELT. Dennis Sand und Sassan Niasseri laden darin zum Gespräch am Grill über den Dächern Berlins.
Das Wichtigste im Überblick
- Thomas Anders vergleicht seinen Achtziger-Look mit Bill Kaulitz.
- Seine Modern-Talking-Keytar ist inzwischen ein Museumsstück.
- Die TV-Folge läuft am 24. Oktober um 15 Uhr.