Fünf Textzeilen, kein Rollenname und nur ein kurzer Auftritt in einer Fernsehserie: Für den schwulen US-Schauspieler Cheyenne Jackson (51) war ein unscheinbarer Gastauftritt in „Matlock“ von entscheidender Bedeutung. Die kleine Rolle half ihm, die Voraussetzungen für seine Krankenversicherung zu erfüllen. Vermittelt wurde das Engagement nach seinen Angaben von Oscarpreisträgerin Kathy Bates (78).
Das Wichtigste im Überblick
- Hilfe von Kathy Bates: US-Schauspielerin Kathy Bates verschaffte Cheyenne Jackson eine kleine Gastrolle in der Fernsehserie „Matlock“, damit er die Voraussetzungen für seine Krankenversicherung erfüllen konnte.
- Nur fünf Textzeilen: Jackson spielte einen namenlosen Ermittler und hatte lediglich fünf Textzeilen. Bates organisierte die Rolle nach seinen Angaben innerhalb von weniger als fünf Minuten.
- Für den Krankenversicherungsschutz über die US-Schauspielgewerkschaft SAG-AFTRA müssen Versicherte ein jährliches Mindesteinkommen von 28.933 US-Dollar erreichen.
- Jackson stand unter besonderem Druck, weil auch sein Ehemann Jason und die beiden gemeinsamen Kinder auf seinen Versicherungsschutz angewiesen waren.
- Neue Hilfsinitiative: Mit „One Job Away“ macht Jackson auf Schauspieler aufmerksam, denen nur noch ein Engagement fehlt, um die Einkommensgrenze zu erreichen.
Kathy Bates hilft
Der Schauspieler berichtete auf Instagram, dass er 2025 Schwierigkeiten gehabt habe, das erforderliche Mindesteinkommen für den Versicherungsschutz über die US-Schauspielgewerkschaft SAG-AFTRA zu erreichen. Besonders belastend sei die Situation gewesen, weil auch sein Ehemann Jason und die beiden gemeinsamen Kinder über seine Krankenversicherung abgesichert seien. „Letztes Jahr hat Kathy Bates mir geholfen, die Voraussetzungen für meine SAG-AFTRA-Krankenversicherung zu erfüllen, indem sie dafür sorgte, dass ich in einer Folge von ‚Matlock‘ fünf Textzeilen bekam“, schrieb Jackson. Jackson zufolge benötigte Kathy Bates weniger als fünf Minuten, um ihm die kleine Rolle in der CBS-Serie „Matlock“ zu verschaffen.
Die Schauspielerin, die in der Neuauflage der bekannten Anwaltsserie die Hauptrolle spielt, habe ihm die Nachricht mit einer humorvollen Einschränkung überbracht. „Sie sagte: ‚Ich habe gute und schlechte Nachrichten für dich. Die gute Nachricht ist, dass ich dir eine Rolle bei ‚Matlock‘ besorgt habe. Die schlechte Nachricht ist, dass du nur fünf Textzeilen hast und deine Figur nicht einmal einen Namen besitzt.‘“ Jackson habe ohne zu zögern zugesagt. „Ich sagte: ‚Ich bin dabei! Hier gibt es keine Starallüren, mein Freund!‘“ Seinen Auftritt beschrieb der Schauspieler anschließend mit einem Augenzwinkern. „Ich spielte einen namenlosen Detective. Ich untersuchte einen Tatort und sagte: ‚Hey, Sergeant, wir haben hier drüben Blut gefunden.‘“ Für Jackson war die Größe der Rolle zweitrangig. Entscheidend war, dass ihm das Engagement half, die Einkommensvoraussetzungen für seine Krankenversicherung zu erfüllen.
Frage des Versicherungsschutzes
Hinter der Geschichte steht ein Problem, mit dem zahlreiche Schauspielerinnen und Schauspieler in den Vereinigten Staaten konfrontiert sind. Um sich über den Gesundheitsplan der Schauspielgewerkschaft SAG-AFTRA zu versichern, müssen die Mitglieder eine bestimmte Einkommensgrenze erreichen. Diese liegt aktuell bei 28.933 US-Dollar. Für Darsteller, die nicht regelmäßig beschäftigt sind, kann diese Voraussetzung eine erhebliche Belastung darstellen. Denn die Einnahmen in der Film- und Fernsehbranche schwanken häufig stark. Auf ein erfolgreiches Jahr mit hohen Honoraren kann eine längere Phase ohne größere Engagements folgen.
Jackson erklärte gegenüber dem US-Branchenmagazin Variety, dass frühere Erfolge in solchen Situationen nicht zwangsläufig helfen. „Ein Schauspieler kann in einem Jahr 500.000 Dollar verdienen. Aber wenn er im nächsten Jahr nicht viel verdient, helfen ihm diese 500.000 Dollar nicht dabei, die Mindesteinkommensgrenze für die Krankenversicherung im darauffolgenden Jahr zu erreichen.“ Deshalb versuchten viele Betroffene verzweifelt, noch „eine kleine Gastrolle zu ergattern, um ihren Krankenversicherungsschutz aufrechterhalten zu können“. Ein einzelnes zusätzliches Engagement könne somit darüber entscheiden, ob die Voraussetzungen für die Krankenversicherung erfüllt werden.
Jackson startet Hilfsaktion
Um Kollegen in einer solchen Situation zu unterstützen, hat Jackson auf Instagram die Initiative „One Job Away“ ins Leben gerufen. Der Name bedeutet sinngemäß, dass nur noch ein einziger Auftrag fehlt. Die Aktion richtet sich an Schauspielerinnen und Schauspieler, die kurz davorstehen, die notwendige Einkommensgrenze für ihren Versicherungsschutz zu erreichen. Die Erfahrung habe ihm gezeigt, wie wichtig selbst ein sehr kleiner Auftrag sein könne. „Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem nur noch ein Job fehlt … und was es bedeutet, wenn jemand tatsächlich hilft.“
Jackson stellt die Betroffenen auf seinem öffentlichen Instagram-Profil vor und macht auf ihre beruflichen Erfahrungen aufmerksam. Dazu veröffentlicht er Porträtfotos, Informationen über bisherige Arbeiten und Kontaktdaten. Auf diese Weise sollen Produzenten, Casting-Verantwortliche und andere potenzielle Arbeitgeber auf die Darsteller aufmerksam werden und sie möglicherweise für neue Projekte engagieren. Jackson kann dafür seine eigene Bekanntheit nutzen. Sein Instagram-Profil hat rund 743.000 Follower. Jackson wurde durch Broadway-Musicals wie „All Shook Up“ und „Xanadu“ bekannt. Im Fernsehen spielte er unter anderem in „30 Rock“, „Glee“, „American Horror Story“ und „Call Me Kat“ mit. Im Kinofilm „Flug 93“ verkörperte er den Passagier Mark Bingham.
22 Schauspieler vorgestellt
Die Initiative hat innerhalb kurzer Zeit mehrere bekannte Namen aus der Unterhaltungsbranche erreicht. Bis Ende Oktober hatte Jackson insgesamt 22 Porträtfotos von Schauspielerinnen und Schauspielern veröffentlicht, die Unterstützung bei der Suche nach einem Engagement benötigen, darunter auch trans* Schauspielerin Trace Lysette. Jacksons Initiative fällt in eine Zeit, in der trans* und nicht-binäre Schauspielerinnen und Schauspieler zunehmend öffentlich über fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten sprechen. Erst im September wandte sich auch die nicht-binäre Person Jack Haven mit einem Video auf YouTube an die Öffentlichkeit. Haven bat darin um eine bezahlte Beschäftigung und erklärte, noch 4.000 US-Dollar verdienen zu müssen, um die Voraussetzungen für die Krankenversicherung zu erfüllen.