Große Solidarität in London 10.000 Konzertbesucher in der Wembley Arena erwartet
Mit einem besonderen Solidaritätskonzert wollen Künstlerinnen und Künstler am kommenden Mittwoch ein Zeichen für die trans* Community in Großbritannien setzen. Organisiert wird das Even „Trans Mission“ von Sänger und Schauspieler Olly Alexander in Zusammenarbeit mit Glyn Fussell, Direktor von Mighty Hoopla; viele weitere Stars wie Adam Lambert, Beth Ditto, Bimini, Beverley Knight, Christine and the Queens, Romy, Sophie Ellis-Bextor, Sugababes, Wolf Alice, Sir Ian McKellen und Nicola Coughlan sind mit dabei.
Ort kollektiver Empathie
Die Veranstaltung Trans Mission im Londoner Wembley Arena will auf die Situation von trans* Personen aufmerksam machen und Gelder für die Organisationen Good Law Project und Not a Phase sammeln. „Wir wollten etwas so Großes wie möglich auf die Beine stellen“, so Alexander. Für den schwulen Musiker steht das besondere Projekt für „Feier, Freude, Einheit“. Christine and the Queens sieht den Abend als „Ort kollektiver Empathie“. Dani St James, Gründerin von Not a Phase, beschreibt die Veranstaltung als „so etwas wie eine stark beschleunigte Royal Variety Performance, nur dass Olly und ich die Künstler und Künstlerinnen doppelt küssen und nicht Charles ihnen die Hand schüttelt.“
Entstehung aus politischer Sorge
Die Idee zu Trans Mission entstand nach einer Entscheidung des britischen Supreme Court im April 2025. Die obersten Richter des Vereinigten Königreichs urteilten, dass sich der Terminus „Sex“ im Equality Act von 2010 ausschließlich auf das „biologische Geschlecht“ bezieht – trans* Menschen fallen damit ausdrücklich nicht unter den gesetzlichen Schutzpassus. „Dieses Urteil hat viele Menschen aufgerüttelt“, so St James. „Es war nicht nur schädlich für sich genommen, sondern auch wegen der Verwirrung, des sozialen Stigmas und der Ermächtigung von anti-trans Stimmen. Es war sehr wichtig, selbst aktiv zu werden und etwas zu tun.“
Daraufhin begann Musiker und Autor Tom Rasmussen, einen offenen Brief aufzusetzen, der Solidarität aus der Musikbranche forderte. Unterzeichnet wurde er unter anderem von Charli xcx, Sam Smith, CMAT, Dua Lipa, Florence Welch und Hunderten weiteren Musikprofis. „Die Namen fluten weiterhin herein“, sagt Rasmussen. „Zu wissen, dass ein Künstler, den man liebt, einen auch liebt, bedeutet als trans* Person sehr viel. Dieses Gefühl kann einen durch schwierige Zeiten tragen – mir hat es definitiv geholfen.“
Live Aid als Inspiration
Fussell, den Alexander und St James als „Bob Geldof der Aktion“ beschreiben, hatte bereits zuvor eine Benefizveranstaltung für die trans* Community erwogen. Der offene Brief beschleunigte seine Pläne und lieferte eine Liste potenzieller Künstlerinnen und Künstler. „Wir konnten alle Slots schnell füllen“, so Alexander. Inspiriert wurden die Organisatoren unter anderem von Live Aid 1985 und dem Film Pride (2014), der die Solidarität zwischen LGBTIQ+-Aktivisten und Minenarbeitern während des britischen Bergarbeiterstreiks von 1984/85 porträtierte.
Das Line-up kombiniert trans* Künstlerinnen und Künstler wie Kae Tempest und Jasmine.4.T mit Allys, dazu kommen homosexuelle Kreative wie Beth Ditto und Adam Lambert als auch heterosexuelle Unterstützer wie Beverley Knight und Sophie Ellis-Bextor. „Es ist großartig, dass wir trans* Performer auf einer so bekannten Bühne präsentieren können. Aber die Botschaft durch prominente Stimmen außerhalb der Community zu verstärken, sorgt dafür, dass mehr Menschen zuhören“, so St James.
Bewusstsein für die Community
Obwohl das Konzert durch Ticketverkäufe, Merchandise und Spenden auch Geld für die Community einbringt, ginge es vor allem um Bewusstsein und Engagement, so Alexander weiter: „Unser Slogan lautet: ‚Eine Nacht der Solidarität für ein Leben voller Veränderung‘. Ich mache mir Sorgen über die sehr lauten anti-trans Stimmen in den Medien. Ich hoffe, dass dieses Event ein Signal setzt: Es gibt viele Menschen, die trans* Personen lieben und unterstützen – und wir bleiben nicht still.“
St James betont, dass Trans Mission auch auf lokaler Ebene Wirkung zeigen soll – etwa, indem Menschen unangenehme Gespräche über transfeindliche Kommentare führen oder Vorfälle am Arbeitsplatz thematisieren. „Für trans* Menschen selbst zeigt das Konzert: 10.000 Menschen haben sich versammelt und gesagt: ‚Wir stehen zu euch‘.“ Redcar von Christine and the Queens ergänzt: „Ich wünsche mir eine Nacht voller erhöhter Energie. Ich hoffe auf eine Art kollektiven Aufstand, bei dem wir aufhören, uns wegen allem schlecht und machtlos zu fühlen.“