Der italienische Schauspieler Gabriel Garko hat ungewöhnlich offen über seine Karriere, seine sexuelle Orientierung und sein Privatleben gesprochen. In dem Podcast „Non lo faccio per moda“ von Giulia Salemi erinnerte sich der 54-Jährige an peinliche Zwischenfälle bei erotischen Dreharbeiten, sein öffentliches Coming-Out im Jahr 2020 und die Schwierigkeiten, über Jahrzehnte ein bestimmtes Image aufrechterhalten zu müssen.
Das Wichtigste im Überblick
- Intime Geständnisse: Gabriel Garko berichtet von Erektionen während erotischer Filmszenen. Bei einem Dreh mit Regisseur Tinto Brass musste eine Sprühflasche helfen.
- Coming-Out unter Druck: Der italienische Schauspieler erklärt, warum er sich 2020 öffentlich zu seiner sexuellen Orientierung bekannte.
- Keine finanziellen Motive: Garko widerspricht Spekulationen, er habe sein Coming-Out wegen einer hohen Fernsehgage inszeniert.
- Klare Worte zur Diskriminierung: Der Schauspieler kritisiert den gesellschaftlichen Druck auf LGBTIQ+-Menschen, ihre sexuelle Orientierung öffentlich erklären zu müssen.
- Privates Eheglück: Mit seinem Ehemann Giorgio, einem Rechtsanwalt aus Palermo, führt der Schauspieler ein bewusst zurückgezogenes Leben.
Sexsymbol in Italien
Garko war über viele Jahre einer der bekanntesten männlichen Sexsymbole des italienischen Fernsehens und Kinos. In zahlreichen Produktionen spielte er Rollen, die auch erotische oder sinnliche Szenen verlangten. Podcast-Moderatorin Giulia Salemi wollte deshalb wissen, wie Schauspieler mit solchen Situationen umgehen, wenn sie vor einem Filmteam körperliche Intimität darstellen müssen. Garko erklärte, dass bei Nacktszenen üblicherweise spezielle Abdeckungen verwendet werden, um den Intimbereich zu schützen. „Ich hatte die berühmte Socke“, sagte er und bezog sich damit auf eine entsprechende Schutzvorrichtung. Auf die direkte Frage, ob es während solcher Dreharbeiten jemals zu einer ungewollten körperlichen Reaktion gekommen sei, antwortete der Schauspieler ohne Umschweife: „Zwei- oder dreimal hatte ich eine Erektion.“ Besonders unangenehm sei ein Vorfall bei einem Film von Tinto Brass gewesen. Der italienische Regisseur ist vor allem für seine erotischen Filmproduktionen bekannt. „Ich bekam eine Erektion und es war mir peinlich. Schließlich stand ich vor 70 Menschen“, erinnerte sich Garko.
Die Situation am Filmset habe sich erst aufgelöst, als Regisseur Brass bemerkte, weshalb der Schauspieler Schwierigkeiten hatte, die Szene fortzusetzen. Garko schilderte den Vorfall mit einer gewissen Selbstironie: „Dann kam Tinto Brass und sagte: ‚Was ist los? Ah, ich verstehe … Sprühflasche!‘ Jemand kam mit dieser Sprühflasche, und alles war wieder normal.“ Der Schauspieler machte deutlich, dass erotische Szenen vor laufenden Kameras keineswegs so selbstverständlich oder unkompliziert seien, wie sie später auf der Leinwand erscheinen könnten. Gerade die Anwesenheit zahlreicher Mitarbeiter könne intime Dreharbeiten zu einer unangenehmen Erfahrung machen.
Coming-Out im Reality-TV
Deutlich ernster wurde das Gespräch, als Salemi den Schauspieler auf sein Coming-Out im September 2020 ansprach. Damals hatte Garko während einer Ausgabe der italienischen Realityshow „Grande Fratello Vip“ öffentlich über seine sexuelle Orientierung gesprochen. Seine Entscheidung fiel in eine Phase intensiver Berichterstattung über sein Privatleben. Auslöser waren unter anderem Äußerungen der Schauspielerin Rosalinda Cannavò. Die beiden hatten in der Vergangenheit eine Beziehung öffentlich dargestellt. Nach Cannavòs Aussagen wurde erneut darüber diskutiert, wie diese Verbindung tatsächlich beschaffen gewesen war.
Garko erklärte nun, dass er sich damals unter erheblichen Druck gesetzt gefühlt habe. Er habe befürchtet, dass andere Menschen seine sexuelle Orientierung öffentlich machen könnten, bevor er selbst dazu bereit sei. „Entweder hätte ich mein Coming-Out selbst gemacht, oder jemand anderes hätte es für mich getan. Für mich war das ein Schock“, sagte er. Damit sei die Entscheidung, sich ausgerechnet in einer viel beachteten Fernsehsendung zu äußern, nicht einfach Ausdruck eines lange geplanten öffentlichen Bekenntnisses gewesen. Vielmehr habe er versucht, in einer für ihn belastenden Situation die Kontrolle über seine eigene Geschichte zu behalten. Nach seinem Fernsehauftritt hatte es Spekulationen darüber gegeben, ob Garko für sein Coming-Out eine besonders hohe Gage erhalten habe. Der Schauspieler wies den Vorwurf zurück, seine Entscheidung sei finanziell motiviert gewesen.
Outing-Zwang und Privatleben
Im Podcast ging Garko über seine persönlichen Erfahrungen hinaus und kritisierte den gesellschaftlichen Umgang mit sexueller Orientierung. Seiner Ansicht nach sollte niemand gezwungen sein, seine Identität öffentlich zu erklären oder sich für sie rechtfertigen zu müssen. „Meiner Meinung nach hat sich nichts verändert, solange wir gezwungen sind, uns zu outen. Heute höre ich einen solchen Unsinn, und zwar sogar von Menschen, die dieses Land regieren wollen. Man wird so geboren, man wird nicht erst dazu!“, sagte der Schauspieler. Für den Italiener ist die Möglichkeit, ohne äußeren Druck über das eigene Privatleben zu entscheiden, ein wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Akzeptanz.
Auch über seine heutige Partnerschaft sprach der Schauspieler im Podcast. Garko ist mit Giorgio zusammen, einem Rechtsanwalt aus Palermo, der nicht in der Unterhaltungsbranche arbeitet. Die beiden haben eine eingetragene Lebenspartnerschaft geschlossen. Über die Zeremonie und die anwesenden Gäste machten sie nur wenige Einzelheiten öffentlich. Diese Zurückhaltung ist nach Garkos Darstellung eine bewusste Entscheidung. Nachdem sein Privatleben über viele Jahre Gegenstand von Spekulationen und Medienberichten gewesen war, möchte er seine heutige Beziehung weitgehend aus der Öffentlichkeit heraushalten.