Der britische schwule Schauspieler Bradley Riches (24) hat offen über sein Leben mit Autismus, seine Ehe und die Erfahrungen gesprochen, die ihn persönlich und beruflich geprägt haben. In einem Interview berichtete der aus der Netflix-Serie „Heartstopper“ bekannte Darsteller von schwierigen Arbeitsbedingungen, einem beinahe tödlichen Erlebnis in seiner Jugend und seiner Motivation, anderen autistischen Menschen zu helfen.
Das Wichtigste im Überblick
- Karriere nach „Heartstopper“: Bradley Riches wurde durch die Netflix-Serie bekannt und spielt inzwischen auch in der britischen Fernsehserie „Emmerdale“.
- Leben mit Autismus: Der Schauspieler berichtet von Überforderung am Arbeitsplatz und dem früheren Gefühl, Teile seiner Persönlichkeit verstecken zu müssen.
- Frisch verheiratet: Riches bezeichnet seine Hochzeit als seine bisher teuerste Ausgabe, die sich für ihn aber gelohnt habe.
- Erinnerungen an „Heartstopper“: Besonders die Freundlichkeit und das gemeinsame Lachen am Set sind ihm in Erinnerung geblieben.
- Eigene Lebensgeschichte: Sein Buch „Autistically Me“ bezeichnet Riches als den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere.
- Wichtige Botschaft: Riches möchte neurodivergente junge Menschen stärken und ihnen Möglichkeiten eröffnen, die er sich selbst als Kind gewünscht hätte.
Ruhige Tage mit Hund
Riches' Karriere hat sich seit seinem Auftritt in „Heartstopper“ weiterentwickelt. Inzwischen gehört auch eine Rolle in der britischen Fernsehserie „Emmerdale“ zu seinen Engagements. Darüber hinaus veröffentlichte er das autobiografische Buch „Autistically Me“, in dem er seine Erfahrungen als autistischer Mensch verarbeitet. Für die Interviewreihe „Who Is He?“ beantwortete Riches jetzt persönliche Fragen zu seinem Privatleben, seinen Erinnerungen und seinen beruflichen Zielen. Auf die Frage nach seiner Vorstellung von vollkommenem Glück beschrieb Riches einen ruhigen Tag im Kreis seiner Familie. „Eigentlich ist es einfach Frieden und Ruhe. Zu Hause zu sein, mit meinen Hunden, meinem Ehemann und meiner Familie, mit einem großen Sonntagsbraten vor uns und ohne irgendwo anders sein zu müssen.“
Mit sich selbst gehe er dagegen häufig weniger nachsichtig um. „Ich bin oft viel zu streng mit mir selbst. Ich setze mich sehr unter Druck und vergesse manchmal, mir selbst die gleiche Freundlichkeit entgegenzubringen, die ich anderen Menschen schenken würde.“ Der Schauspieler hat erst vor Kurzem geheiratet. Auf die Frage nach seiner bisher teuersten Anschaffung nannte er deshalb seine Hochzeit. „Ich habe gerade geheiratet, also muss es wohl die Hochzeit sein. Ich gebe überhaupt nicht gerne Geld aus. Als ich die endgültigen Kosten gesehen habe, musste ich erst einmal tief durchatmen. Aber es war jeden Cent wert.“
Zusammenbrüche im Job
Besonders eindrücklich schilderte Riches seine Erfahrungen in einem früheren Job. Er habe einmal in einem Café gearbeitet, dessen Arbeitsbedingungen nicht auf die Bedürfnisse autistischer Menschen ausgerichtet gewesen seien. „Ich hatte mehrmals Zusammenbrüche auf der Toilette, weil das der einzige ruhige Ort war, an den ich mich zurückziehen konnte.“ Anschließend habe er seine Arbeit wieder aufnehmen müssen. „Irgendwann musste ich dann mit geschwollenen Augen wieder hinausgehen und mich einer langen Schlange von Kunden stellen.“ Aus dieser Zeit habe er eine wichtige Erkenntnis mitgenommen: „Diese Erfahrung hat mir viel darüber beigebracht, wie wichtig es ist, dass Arbeitgeber unterschiedliche Bedürfnisse verstehen, anstatt von allen zu erwarten, dass sie mit denselben Bedingungen auf genau die gleiche Weise zurechtkommen.“ Heute nutzt Riches seine öffentliche Bekanntheit, um das Bewusstsein für Autismus zu stärken. Dabei geht es ihm auch darum, die unterschiedlichen Bedürfnisse neurodivergenter Menschen sichtbarer zu machen.
„Mach dich nicht kleiner“
Als wichtigsten Ratschlag seines Lebens nannte Riches einen Satz, der seine persönliche Entwicklung geprägt habe. „Mach dich nicht kleiner, nur damit andere Menschen sich wohlfühlen.“ Dabei erzählt er weiter: „Gerade als autistischer Mensch hatte ich lange das Gefühl, bestimmte Seiten meiner Persönlichkeit verstecken zu müssen.“ Inzwischen habe sich seine Haltung verändert. „Deshalb war es für mich unglaublich wichtig zu lernen, dass ich das Recht habe, Raum einzunehmen und so zu sein, wie ich bin.“ Auch über seine Zeit bei der erfolgreichen Netflix-Serie „Heartstopper“ sprach der Schauspieler.
Auf die Frage, was ihm von den Dreharbeiten dauerhaft in Erinnerung bleiben werde, nannte er vor allem die Atmosphäre unter den Beteiligten. „Die Freundlichkeit und das viele Lachen, das wir am Set miteinander geteilt haben.“ Besonders die gemeinsamen Momente zwischen den Dreharbeiten seien für ihn unvergesslich. „Es gibt nichts Besseres als diese Art von Lachen – wenn man völlig erschöpft ist, aber trotzdem irgendwie so lange weiterlacht, bis einem der Bauch wehtut.“ Inzwischen steht Riches auch für die britische Fernsehserie „Emmerdale“ vor der Kamera.
Beinahe tödlicher Unfall
Neben seiner Karriere erinnerte sich Riches an ein Erlebnis aus seiner Jugend, bei dem er nach eigener Einschätzung nur knapp dem Tod entkommen sei. Der Vorfall ereignete sich auf einem Fahrgeschäft am Brighton Pier, als er ungefähr 13 Jahre alt gewesen sei. „Meine Beine baumelten in der Luft, und zwischen mir und meinem Onkel befand sich nur ein einziger Sicherheitsbügel. Plötzlich begann ich herauszurutschen.“ Sein Onkel habe ihn daraufhin festhalten müssen. „Wenn ich heute daran zurückdenke, war das wirklich furchterregend.“
Wäre er nicht Schauspieler geworden, hätte Riches nach eigenen Angaben gerne Medizin studiert. „Ich wollte schon immer Arzt werden.“ Der Wunsch, anderen Menschen zu helfen, habe ihn schon früh begleitet. „Ich hatte schon immer diesen Instinkt, anderen Menschen zu helfen und dafür zu sorgen, dass sie sich besser fühlen. Deshalb glaube ich, dass dieser Teil meiner Persönlichkeit auch in einem anderen Beruf seinen Platz gefunden hätte.“ Eine weitere berufliche Möglichkeit wäre für ihn die Arbeit mit neurodivergenten Kindern gewesen, insbesondere im Bereich der darstellenden Künste. Seine Motivation dafür begründete er mit den eigenen Erfahrungen während seiner Kindheit. „Ich würde ihnen gerne das Selbstvertrauen und die Möglichkeiten geben, die ich mir selbst als Kind gewünscht hätte.“
Lego, Tiere und ein Buch
Auch einige persönliche Eigenheiten verriet der Schauspieler. „Ich kann Lego-Sets ganz ohne Anleitung zusammenbauen, indem ich mir einfach die einzelnen Teile anschaue. Gebt mir einen Haufen Lego-Steine, und ich bin wahrscheinlich stundenlang beschäftigt.“ Eine wichtige Rolle spielten in seinem Leben außerdem Tiere. „Ich beurteile Menschen definitiv danach, wie sie mit Tieren umgehen. Wenn mein Hund dich nicht mag, sage ich nicht, dass du schuldig bist. Aber ich werde auf jeden Fall genauer nachforschen.“
Als größten Erfolg seiner bisherigen Laufbahn bezeichnet Riches nicht eine Fernsehrolle, sondern die Veröffentlichung seines Buches „Autistically Me“. Darin erzählt er seine eigene Geschichte und verarbeitet Erfahrungen, die ihn als autistischen Menschen geprägt haben. Die Veröffentlichung habe ihm ermöglicht, Gedanken und Erfahrungen auszudrücken, die er selbst in jüngeren Jahren gebraucht hätte. „Es gehört mir, es ist meine Geschichte, und darin stehen all die Dinge, die ich selbst gerne gehört hätte, als ich jünger war.“ Auch die anschließende Lesereise und die Begegnungen mit Menschen, die sich in seinen Schilderungen wiedererkennen, seien für ihn von besonderer Bedeutung. Vor allem die mögliche Wirkung auf andere autistische Menschen mache das Projekt für ihn wertvoll. „Zu wissen, dass etwas, das ich geschaffen habe, vielleicht dazu beitragen kann, dass sich ein anderer autistischer Mensch weniger allein fühlt, ist unglaublich besonders.“