Auszeichnungen für herausragende Fernsehproduktionen, emotionale Dankesreden und deutliche politische Botschaften: Bei der Verleihung des Blauen Panthers in München haben mehrere Künstler die Aufmerksamkeit nicht nur für ihre beruflichen Erfolge genutzt. Besonders Schauspieler Johannes Hegemann setzte ein politisches Zeichen. Der Darsteller wurde für seine Hauptrolle im ZDF-Fernsehfilm „Olivia“ als bester Schauspieler geehrt.
Das Wichtigste im Überblick
- Johannes Hegemann erhält den Blauen Panther für seine Darstellung von Olivia Jones im ZDF-Film „Olivia“.
- Derya Akyol wird für ihre Rolle in der RTL-Serie „Euphorie“ geehrt.
- Politischer Appell: Hegemann fordert von konservativen Politikern einen stärkeren Schutz von Minderheiten.
- Weitere Gewinner: Preise gehen unter anderem an Annette Frier, Sonja Schönemann, Marcant sowie Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf.
- Große Gala: Rund 750 Gäste nahmen an der von Esther Sedlaczek moderierten Verleihung teil.
Hegemann fordert klare Haltung
Die Preisverleihung fand am Mittwochabend in der BMW Welt statt. Zum fünften Mal wurde dort der „Blaue Panther – TV & Streaming Award“ vergeben. Während zahlreiche Preisträger bereits vor der Veranstaltung feststanden, blieb die Entscheidung über die beiden Schauspielauszeichnungen bis zum Galaabend offen. Hegemann überzeugte die Jury mit seiner Verkörperung von Oliver Knöbel, der als Dragqueen Olivia Jones zu einer bekannten Persönlichkeit der deutschen Unterhaltungsszene wurde. Den Preis für die beste Schauspielerin erhielt Derya Akyol für ihre Darstellung in der Serie „Euphorie“. Seinen Auftritt nutzte Hegemann, um sich unmittelbar an die anwesenden Vertreter der Politik zu wenden. Mit Blick auf die „konservativen Politiker“ im Saal erklärte er: „Es muss eine klare Abgrenzung zur AfD geben“. Darüber hinaus verlangte der Schauspieler ein „ganz klares Bekenntnis zum Schutz von Minderheiten in diesem Land“. Unter den Gästen befanden sich auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Medienminister Florian Herrmann, beide CSU.
Hoffnung für Community
Für Hegemann steht seine Auszeichnung in engem Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Bedeutung des Films. Bereits vor Beginn der Veranstaltung hatte er auf dem blauen Teppich auf die Situation queerer Menschen aufmerksam gemacht. Der Schauspieler verwies darauf, dass Gewalt und Übergriffe gegen queere und homosexuelle Menschen wieder zunehmen. Zugleich fühlten sich immer mehr Menschen, die offen queer leben, bedroht, so Hegemann weiter. Umso wichtiger seien gesellschaftliche Sichtbarkeit und ein wirksamer Schutz der Betroffenen. Auch mit seiner schauspielerischen Arbeit verbindet Hegemann entsprechende Hoffnungen. „Ich hoffe, dass der Film dazu auch irgendwas beitragen kann und ein bisschen Hoffnung vermitteln kann“, sagte er.
Viel Aufmerksamkeit dank „Olivia“
Neben seiner politischen Botschaft zeigte sich Hegemann über die Anerkennung seiner Arbeit bewegt. Die Dreharbeiten zu „Olivia“ seien für ihn eine außergewöhnliche Erfahrung gewesen. „Ich bin sehr stolz auf den Film und feiere die Aufmerksamkeit gerne. Der Dreh war ein interessanter, krasser Ritt. Am Ende ist der Film toll geworden und ich bin einfach wahnsinnig glücklich und dankbar“, sagte der Schauspieler. Dass die Produktion auf Interesse stoßen würde, hatte er nach eigenen Angaben erwartet. Schließlich sei die Geschichte der bekannten Dragqueen schon aufgrund ihrer Popularität auf ein großes Publikumspotenzial gestoßen. Er habe mit Aufmerksamkeit gerechnet, „weil Olivia Jones einfach eine krasse Aufmerksamkeit genießt. Aber in dem Ausmaß habe ich das nie erwartet“.
Während der Produktion sei sein Vertrauen in das Projekt weiter gewachsen. Er habe beim Drehen festgestellt, „dass wir hier was Cooles schaffen, weil ich mit dem Regisseur von Minute eins an die gleiche Sprache gesprochen habe“. Die Auszeichnung reiht sich für Hegemann in die bisherigen Erfolge des Films ein. „Olivia“ hatte bereits den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Bester Film“ gewonnen. Hegemann war mit der Goldenen Nymphe in Monte Carlo ausgezeichnet worden. Nun soll auch der Porzellan-Panther einen Platz neben dieser Trophäe erhalten. „Ob ich die da immer so offen stehen lasse, weiß ich noch nicht. Ist vielleicht ein bisschen unangenehm", sagte er lachend. Auch der Kontakt zur echten Olivia Jones besteht weiterhin. Noch am Morgen der Verleihung hätten sich beide ausgetauscht. „Wir hatten heute Morgen Kontakt und Olli hat schon ganz viel Glück gewünscht. Spätestens morgen werden wir bestimmt telefonieren.“
Weitere Preisträger
Hegemann blieb nicht der einzige Künstler, der den Galaabend für eine gesellschaftspolitische Botschaft nutzte. Schauspieler Jonathan Berlin griff in seiner Laudatio für das ARD-Doku-Drama „Nürnberg 45 – Im Angesicht des Bösen“ ein Zitat des Schriftstellers Bertolt Brecht auf: „Ich lebe in finsteren Zeiten“. Damit erhielt auch die politische und historische Dimension des Fernsehfilms bei der Preisvergabe besondere Aufmerksamkeit. Zu den weiteren Höhepunkten der Veranstaltung gehörte die Ehrung von Johannes B. Kerner. Der Fernsehmoderator erhielt den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten zum „Blauer Panther – TV & Streaming Award“.
Den Publikumspreis als „Beliebteste Social-Media-Persönlichkeit“ erhielt Marcant. Bei den Publikumspreisen konnten sich außerdem Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf durchsetzen. Ihre Sendung „Ein sehr gutes Quiz (mit hoher Gewinnsumme)“ wurde zur „Beliebtesten Familienshow“ gewählt. Eine weitere Auszeichnung ging an die Autorin Hanna Hribar. Sie erhielt den Nachwuchspreis des Blauen Panthers, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Einen gemeinsamen Erfolg feierten Annette Frier und Sonja Schönemann. Für „Frier und Fünfzig – Am Ende meiner Tage“ wurden sie in der Kategorie „Besondere kreative Gesamtleistung“ ausgezeichnet.
Zu den weiteren prämierten Produktionen gehörte die Spionage-Thriller-Serie „Unfamiliar“. Sie wurde als „Beste Serie“ ausgezeichnet. Im Entertainmentbereich setzte sich die Prime-Video-Produktion „The Summit – Der steile Weg zur Million“ durch. Die Serie wurde zum „Besten Entertainment-Format“ gekürt. In der Kategorie „Bestes Factual-Entertainment-Format“ wurde die Dokumentationsserie „In höchster Not – Bergretter im Einsatz“ geehrt. Eine weitere Auszeichnung erhielt die Dokumentation „Die Nacht von Paris – Terror am Stade de France“. Auch die Serie „Hundertdreizehn“ wurde ausgezeichnet.
Preis mit Tradition
Der Blaue Panther blickt auf eine längere Geschichte zurück. Bis zur Umbenennung im Jahr 2022 wurde die Auszeichnung unter dem Namen „Bayerischer Fernsehpreis“ vergeben. Die Porzellan-Trophäe wird jährlich im Rahmen der Medientage München verliehen. Diese feiern in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Die Gala wurde von ARD-Moderatorin Esther Sedlaczek präsentiert. Insgesamt kamen rund 750 Gäste in der BMW Welt zusammen, darunter zahlreiche Persönlichkeiten aus Film, Fernsehen, Streaming und Politik.