Der britische Geistliche und bekannte schwule Fernsehmoderator Richard Coles hat offen über die letzten Jahre mit seinem verstorbenen Lebenspartner David Oldham gesprochen. Der 64-Jährige blickt heute mit Bedauern auf seine damalige Wut zurück. Während Oldham zunehmend unter seiner Alkoholabhängigkeit litt, fühlte sich Coles hilflos und überfordert.
Das Wichtigste im Überblick
- Schmerzhafte Erinnerungen: Der britische Geistliche Richard Coles bereut, wie wütend er während der Alkoholsucht seines Partners David Oldham war.
- Tragischer Verlust: Oldham starb 2019 im Alter von 43 Jahren an einer alkoholbedingten Lebererkrankung.
- Treue trotz Krankheit: Coles hatte sich vorgenommen, seinen Partner trotz dessen Alkoholabhängigkeit nicht zu verlassen.
- Auch Jahre nach Oldhams Tod denkt der 64-Jährige regelmäßig an ihn und möchte die Erinnerung bewahren.
- Neue Liebe: Seit vier Jahren ist Coles mit dem Schauspieler Richard „Dickie“ Cant zusammen, der verständnisvoll mit seiner Vergangenheit umgeht.
„Ich konnte es nicht stoppen“
Im Podcast „White Wine Question Time“ schilderte der bekannte Geistliche der anglikanischen Church of England, wie sehr ihn die Erkrankung seines Partners belastet hatte. „Ich wünschte, ich wäre nicht so wütend auf ihn gewesen, denn er fühlte sich ohnehin schon schlecht genug, auch ohne dass ich wütend auf ihn war“, sagte Coles. Oldham starb 2019 im Alter von nur 43 Jahren an einer alkoholbedingten Lebererkrankung. Die beiden Männer hatten neun Jahre lang in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt.
Besonders schwer sei es für Coles gewesen, die zunehmende Abhängigkeit seines Partners mitanzusehen, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Er habe Oldhams Alkoholkonsum „nicht stoppen können“ und zugleich „nicht verstehen können“, warum dieser sich selbst und ihrer Beziehung das antat. Trotz der wachsenden Belastungen habe für ihn eine Entscheidung immer festgestanden. Während der Erkrankung seines Partners habe er nur „eine Regel“ gehabt: „Dass ich ihn nicht verlassen würde.“
Wut und Trauer
Bereits 2021 hatte Coles erstmals öffentlich über die Hintergründe der Alkoholabhängigkeit gesprochen. Oldham habe Alkohol zunächst als eine Art „Betäubungsmittel“ eingesetzt, um schwierige Lebenssituationen zu bewältigen. Mit der Zeit habe sich sein Trinkverhalten jedoch zunehmend verschlimmert. Heute bedauert Coles vor allem, dass er auf die Krankheit seines Partners häufig mit Wut reagierte. Rückblickend sei ihm bewusst, wie sehr Oldham selbst unter seiner Situation gelitten habe.
Der Tod seines Partners beschäftigt Coles dabei bis heute. Obwohl inzwischen mehrere Jahre vergangen sind, möchte er die Erinnerung an Oldham bewusst bewahren. „Manchmal spreche ich seinen Namen auch heute noch laut aus“, erzählte der Geistliche. Er wolle den Verlust nicht verlieren, erklärte Coles. Die Trauer sei weiterhin ein Teil seines Lebens und seiner persönlichen Geschichte. Gleichzeitig hat der frühere Musiker und heutige Geistliche inzwischen einen Weg gefunden, wieder eine glückliche Partnerschaft zu führen.
Neue Liebe mit Richard Cant
Seit vier Jahren ist Coles mit dem 62-jährigen Schauspieler Richard „Dickie“ Cant liiert. Die beiden lernten sich über eine Dating-App kennen und leben inzwischen gemeinsam in East Sussex im Südosten Englands. Cant ist unter anderem durch Auftritte in der Netflix-Serie „The Crown“ und der britischen Fernsehserie „It's A Sin“ bekannt. Besonders wichtig ist Coles, dass sein neuer Partner die Trauer um Oldham akzeptiert und respektiert. „Eines der Dinge, die ich an Dickie, meinem neuen Partner, liebe, ist, dass er sehr respektvoll mit dem Verlust umgeht, der mein Leben prägt“, sagte er. Dabei sei Cant bewusst, dass er diese Erfahrung nicht mit ihm teile. „Und er weiß auch, dass dieser Verlust nicht seiner ist, sondern meiner. Es ist sehr gut, dass er das versteht und respektiert. Aber er ist eben ein sehr verständnisvoller und respektvoller Mensch.“ Für Coles schließen sich die Erinnerung an seinen verstorbenen Partner und das Glück in einer neuen Beziehung nicht aus.
Blick in die Zukunft
Inzwischen blickt der 64-Jährige wieder zuversichtlich auf seine Zukunft. Seine neue Beziehung und sein Alltag bereiteten ihm große Freude. „Das Leben ist jetzt großartig“, sagte Coles. Er genieße seine Sechzigerjahre „wirklich sehr“ und habe „einen neuen Partner, der fantastisch ist“. Auch gemeinsame Zukunftspläne beschäftigen das Paar. So haben Coles und Cant bereits darüber gesprochen, sich einen Hund anzuschaffen. Dabei hat der Geistliche eine genaue Vorstellung: „Ich möchte einen Corgi. Ich möchte einen Cardigan Welsh Corgi, nicht den Corgi der Königin, sondern die Art von Corgi, die als Arbeitshund eingesetzt wird.“ Trotz seines neuen Lebensglücks bleibt die Erinnerung an Oldham für Coles von großer Bedeutung.