PrEP auf Kassenrezept 5 Fragen an Uli Manthey
Die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) ist seit 01. September Kassenleistung. Doch nicht überall hat sich schon eingespielt, wie das Ganze abläuft. So u.a. auch in Schleswig-Holstein, wo es teilweise noch einiges an Unkenntnis – sowohl auf Patienten – als auch auf Ärzte-/Apothekenseite zu geben scheint. SCHWULISSIMO sprach darüber mit Uli Manthey, Fachreferent für sexuelle Gesundheit und Landesvorsitzender beim Kompetenznetz Aids in S-H e.V. über die Thematik.
Uli, seit Anfang September ist die PrEP eine Kassenleistung. Doch scheinbar tut man sich zum Teil noch schwer mit der Umsetzung. Auch in Schleswig-Holstein scheint es zu Startschwierigkeiten zu kommen. Kannst du uns das einmal erläutern?
Ja, einerseits ist die medizinische Versorgungsstruktur in Schleswig-Holstein mit einem HIV-Behandler in Heide und je einer HIV-Ambulanz in Lübeck und Kiel unzureichend und mehr als mangelhaft. Andererseits wurde die PrEP bei den Mediziner*innen in S-H nur randständig wahrgenommen. Auf meine Initiative wurde ein dermatologisches MVZ angesprochen, so dass wir zumindest in Kiel künftig eine niedrigschwellige PrEP-Termin-Sprechstunde anbieten können, die sich derzeit noch im Aufbau befindet.
Ein Problem sind dabei offenbar auch die Ärzt*innen, denn für eine Verordnung der PrEP müssen diese bestimmte Anforderungen erfüllen. Welche sind dieses genau?
Wie erst kurzfristig veröffentlich, müssen z.T. noch besondere Qualifizierungsmaßnahmen für die Ärzt*innen erfolgen. Es sind folgende Anforderungen, die erfüllt werden müssen, damit ein*e Ärzt*in an der PrEP-Versorgung teilnehmen kann:
- Die Berechtigung zum Führen einer Facharztbezeichnung (Allgemeinmedizin, Inne Medizin, Kinder-Jugend-Medizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Urologie und Haut- und Geschlechtskrankheiten.
- Eine mindestens 16-stündige Hospitation in einer ambulanten oder stationären Einrichtung zur medizinischen Betreuung von HIV-/Aids-Patienten
- Nachweis von fachlicher Kompetenz durch die Präsenz bei der Behandlung von mindestens 15 Patient*innen mit HIV/Aids und/oder PrEP; dies kann im Rahmen von bisheriger Berufstätigkeit oder der durch eine Hospitation erfolgen und durch entsprechende Zeugnisse bzw. Hospitationsbescheinigungen belegt werden.
- Theoretische Kenntnisse im Bereich HIV/Aids und STI durch die Erlangung von 8 Fortbildungspunkten innerhalb eines Jahres vor Antragstellung.
Was muss denn in den nächsten Schritten passieren, damit es bald „rund läuft“?
In Kiel und Heide starten wir demnächst, was wir zurzeit in den Medien und Communities ankündigen. Es wäre wünschenswert, wenn die künftige Zusammenarbeit der Aidshilfe mit den derzeitigen Praxen als Modell-Projekt Schule machen und in anderen Teilen Schleswig-Holsteins sich Ärzt*innen finden, die nach dem Modell künftig ebenfalls die PrEP anbieten. Vielleicht lässt sich sogar auch ein*e HIV/STI-Schwerpunkt Ärzt*in in unserem Bundesland nieder. Das wäre weiter sehr zu begrüßen.
Dabei zeigen sich in ersten Studien, wie z.B. in Großbritannien, dass die PrEP durchaus ein Mittel ist, HIV/AIDS einzudämmen. Aktuell meldet PHE Public Health England einen Rückgang um rund 35 % der HIV-/STI-Neu-Infektionen in Großbritannien seit 2015. Warum tut man sich deiner Meinung nach in Deutschland teilweise noch so schwer damit, diese Chance zu nutzen?
Wir hier in Deutschland neigen zuweilen dazu, immer etwas dem Trend hinterher zu sein, sind dann aber nach Kräften bemüht. Aber wir sind dran!
Wenn sich jemand in Schleswig-Holstein nun für die PrEP interessiert, wie sollte er dabei vorgehen?
Bis die verbindliche Kooperationen starten, sollten Interessierte sich bei den Aidshilfen melden. Wir organisieren aktuell bereits eine Versorgung. Wichtig hierbei ist, dass sich wirklich alle Männer bei uns melden, auch wenn sie lediglich nur Infobedarf haben.
Interessierte Männer können sich jetzt an die Aidshilfe Kiel www.aidshilfe-kiel.de/tag/prep/ wenden.