Homophobe Hetzkampagne Schulleiter in Wisconsin klagt wegen Diskriminierung
Der frühere Schulleiter der Raymond School im US-Bundesstaat Wisconsin, Jeffrey Peterson, hat seinen ehemaligen Schulbezirk und mehrere Einzelpersonen jetzt verklagt. Nach Darstellung seiner Klage sollen Mitglieder des Schulrats Vorwürfe über unangemessenes Verhalten gegenüber Kindern frei erfunden haben, um ihn nur wegen seiner sexuellen Orientierung aus dem Amt zu drängen.
Das Wichtigste im Überblick
- Der schwule Schulleiter Jeffrey Peterson verklagt seinen früheren Schulbezirk in Wisconsin.
- Er wirft Mitgliedern des Schulrats vor, Vorwürfe über unangemessenes Verhalten gegenüber Kindern erfunden zu haben.
- Die Vorwürfe seien laut Peterson ein Vorwand gewesen, um ihn wegen seiner Homosexualität aus dem Amt zu drängen.
- Mehrere Schulratsmitglieder sollen mit der konservativen Organisation Moms for Liberty verbunden gewesen sein.
- Peterson war 29 Jahre an Schulen in Wisconsin tätig und hatte nach eigenen Angaben zuvor nie eine schlechte Leistungsbewertung erhalten.
- Die Beklagten weisen die Vorwürfe zurück und verweisen auf eine Untersuchung wegen möglichen Fehlverhaltens.
Homophobe Schulrats-Mitglieder
Peterson war 2021 Schulleiter der Schule geworden. Nach Angaben der Klage begann die Hetz-Kampagne gegen ihn nach einer umstrittenen Schulratswahl im Jahr 2022. Damals seien mehrere Kandidaten gewählt worden, die von Organisationen unterstützt worden seien, die sich für traditionelle und konservative Werte einsetzen. Den Schulratsmitgliedern Gwen Keller und Janell Wise, die bei der Wahl ihre Sitze gewannen, wird in der Klage eine Verbindung zu Moms for Liberty zugeschrieben. Die US-amerikanische politische Organisation setzt sich unter anderem gegen Lehrpläne ein, in denen LGBTIQ+-Rechte, Critical Race Theory und Diskriminierung thematisiert werden.
Politischer Einfluss auf die Schule
Nach ihrer Wahl hätten die Schulratsmitglieder dem nicht gewählten, politischen Aktivisten Arthur Binhack ungewöhnlich weitreichenden Zugang zu den Richtlinien der Schule sowie zu Lehrern und Mitarbeitern ermöglicht, behauptet Peterson. Auch der kommissarische Schulbezirksleiter Michael Garvey spielt in der Klage eine Rolle. Peterson wirft ihm vor, im Herbst 2022 Äußerungen über LGBTIQ+-Lehrkräfte gemacht zu haben, die faktisch signalisiert hätten, dass Petersons sexuelle Orientierung ein Problem darstelle. Peterson war 29 Jahre lang an Schulen in Wisconsin tätig und hatte zuvor keine einzige schlechte Leistungsbewertung erhalten. Dennoch habe Garvey ihm nach nur 34 gemeinsamen Arbeitstagen seine erste und einzige negative Bewertung gegeben. Garvey habe nur in Teilzeit gearbeitet und sei lediglich zwei Tage pro Woche im Einsatz gewesen. Nach Darstellung Petersons nahm der Druck dann im Jahr 2023 weiter zu.
Vorwürfe über „liberale Extremisten“
Der Klage zufolge verteilte Binhack Flugblätter, in denen Peterson vorgeworfen wurde, „liberale Extremisten“ in die Gemeinde zu bringen. In einem Beitrag in den sozialen Medien im September 2023 habe Binhack später die Einwohner dazu aufgefordert, Petersons Entfernung aus dem Amt zu unterstützen. Binhack soll sich nach Angaben der Klage außerdem mit Kari Morgan und Joann Koenecke, der stellvertretenden Vorsitzenden von Racine County Moms for Liberty, bei einem Antrag auf Herausgabe öffentlicher Unterlagen abgestimmt haben, der Peterson zum Ziel hatte. Peterson wirft der Gruppe vor, die erhaltenen Dokumente anschließend „manipuliert“ und an die Öffentlichkeit und Medien verteilt zu haben. Darunter sei ein anonymer Brief gewesen, in dem fälschlicherweise behauptet worden sei, gegen ihn werde wegen „unangemessenen Verhaltens gegenüber Kindern“ ermittelt. In der Klageschrift wird behauptet, der Brief sei in Wirklichkeit von Morgan, Keller, Kostuch und dem Schulratsmitglied Amanda Falaschi verfasst worden.
Vertrag wird nicht verlängert
Bei einer späteren öffentlichen Sitzung stimmten Kostuch, Wise, Keller und Falaschi gegen eine Verlängerung von Petersons Vertrag. Schulratsmitglied Amy Helvick stimmte dagegen. Sie erklärte, Peterson werde nicht „fair oder zutreffend beurteilt“. Anfang Mai 2024 wurde Peterson nach eigenen Angaben für den verbleibenden Teil seiner Amtszeit ohne Bezahlung beurlaubt. Seine Anwälte argumentieren, diese Maßnahme sei faktisch einer Kündigung gleichgekommen und habe gegen seinen Arbeitsvertrag verstoßen. Peterson sieht in den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen einen Vorwand für eine Diskriminierung aufgrund seiner sexuellen Orientierung. Die Kampagne habe falsche Behauptungen über seine berufliche Leistung, Vorwürfe der Pädophilie und weitere „fiktive Anschuldigungen“ umfasst. Die Beklagten weisen die Vorwürfe zurück. Ihrer Darstellung zufolge beruhte die Entscheidung über Petersons Vertrag auf den Ergebnissen einer Untersuchung wegen möglichen Fehlverhaltens.