Schattenseiten des Erfolgs Harry Styles über Ruhm, Einsamkeit und
Popstar Harry Styles zählt zu den erfolgreichsten Musikern seiner Generation. Doch der weltweite Ruhm hat für den 32-Jährigen nicht nur glamouröse Seiten. In einem neuen Interview spricht der Sänger offen darüber, dass Erfolg und Öffentlichkeit zeitweise auch ein Gefühl der Isolation mit sich bringen können.
Offenes Interview
Der ehemalige One-Direction-Star erklärte im Gespräch mit dem Magazin Runner’s World UK, dass er sich im Laufe seiner Karriere gelegentlich von seiner eigenen Arbeit entfremdet gefühlt habe. Besonders der Moment, in dem neue Musik veröffentlicht wird, sei emotional komplex. Styles vergleicht ihn mit einem sehr persönlichen Abschied.
„Wenn man etwas erschafft, gibt es einen Moment, in dem es sich unglaublich rein anfühlt“, sagte der Musiker. „Es ist ein wirklich schöner Augenblick, wenn etwas fertig ist und ganz dir gehört.“ Doch sobald ein Song oder ein Album veröffentlicht werde, verändere sich dieses Gefühl. „Dann kommt fast eine Traurigkeit beim Loslassen. Man muss es gehen lassen, wie wenn man sein Kind zur Schule bringt. Danach fühlt es sich irgendwie von einem selbst losgelöst an.“
Der schwierige Umgang mit Erwartungen
Laut Styles habe es mehrere Jahre gedauert, bis er gelernt habe, die Reaktionen der Öffentlichkeit auf seine Musik nicht zu persönlich zu nehmen. Gerade für Künstler könne es herausfordernd sein, wenn ein Werk plötzlich zum Gegenstand von Kritik, Interpretationen und Erwartungen wird.
„Erst in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass die Reaktionen der Menschen darauf nicht unbedingt etwas mit mir zu tun haben“, erklärte der Sänger. Diese Erkenntnis habe seine Perspektive auf Ruhm und Erfolg grundlegend verändert.
Der Musiker beschreibt diesen Prozess als ambivalent. Einerseits könne es beängstigend sein, zu erkennen, dass die eigene Person nicht im Mittelpunkt steht. Andererseits empfindet er diese Einsicht als befreiend. „Ich glaube, ich bin weniger wichtig, als ich dachte“, sagte Styles. „Und das kann ziemlich beängstigend sein – aber auch sehr befreiend.“
Für ihn bedeute das vor allem, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. „Meine Aufgabe hier ist einfach, Mensch zu bleiben und weiter aufzunehmen“, so der Sänger.
Fragen statt Antworten
Mit dieser neuen Perspektive habe sich auch sein Selbstverständnis als Künstler verändert. Während viele Fans und Beobachter von Popstars klare Botschaften oder Antworten erwarten, sieht Styles seine Rolle inzwischen anders.
„Anstatt dass ich die Antworten liefern und allen erklären soll, worum es im Leben geht, liegt die Freiheit vielleicht darin, zu erkennen, dass meine Aufgabe eigentlich ist, die Menschen zuschauen zu lassen, während ich die Fragen stelle“, sagte er. Für ihn seien Fragen oft spannender als endgültige Antworten.
Diese Haltung spiegelt sich auch in seiner Musik wider. Seit dem Ende von One Direction im Jahr 2016 hat Styles eine erfolgreiche Solokarriere aufgebaut und sich musikalisch immer wieder neu erfunden. Seine Alben verbinden Pop, Rock und Folk-Einflüsse und greifen häufig persönliche oder gesellschaftliche Themen auf.
Laufen als Ausgleich zum Starrummel
Neben der Musik hat Styles in den vergangenen Jahren eine neue Leidenschaft entdeckt: das Laufen. Der Sänger beschreibt die sportliche Aktivität als wichtigen Ausgleich zum hektischen Leben als internationaler Superstar.
Beim Joggen schätzt er besonders die Freiheit und Anonymität. „Das Wichtigste ist, dass man immer in Bewegung ist“, sagte er. „Man kann jederzeit um eine Ecke biegen.“
Gerade in Großstädten ermögliche ihm das Laufen kurze Momente der Normalität. Wenn Menschen ihn sehen, sei die Reaktion oft eher ein unsicheres „War das…?“ statt einer sofortigen Fanansprache. „Und bis dahin bist du schon wieder weg“, erklärte der Musiker mit einem Lächeln.
Eine reflektierte Phase der Karriere
Die offenen Worte zeigen einen Künstler, der inzwischen mit größerer Gelassenheit auf Ruhm und Erwartungen blickt. Styles gehört zu den wenigen Popstars seiner Generation, die es geschafft haben, sowohl kommerziellen Erfolg als auch eine eigenständige künstlerische Identität zu entwickeln.
Gleichzeitig hat er sich über Jahre hinweg als LGBTQ+-freundliche Stimme in der Popkultur positioniert. Mit seinem spielerischen Umgang mit Geschlechterrollen, seinem Einsatz für Vielfalt und seiner offenen Unterstützung queerer Fans gilt Styles für viele als Symbol einer inklusiveren Popwelt.