Direkt zum Inhalt
Morddrohungen bei Josh Cavallo

Morddrohungen bei Josh Cavallo Der erste offen schwule Fußballprofi Australiens berichtet von täglichen Todesdrohungen und Hass

ms - 19.03.2025 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Der erste offen schwule Fußballspieler Australiens, Josh Cavallo (25), äußerte sich jetzt zur Homophobie in der Welt des Fußballs. Der Mittelfeldspieler von Adelaide United bekommt seit seinem Outing im Oktober 2021 „täglich mehrere Todesdrohungen“, der Spitzensport bleibe in diesem Bereich ein „sehr vergifteter Ort.“  

Viele tägliche Todesdrohungen

Im Interview mit dem Podcast „Footballers Unfiltered“ erklärte der 25-Jährige jetzt: „Es gibt immer noch viele, viele, viele Todesdrohungen, die täglich auf mich einprasseln. Das ist sehr traurig zu sehen. In der Welt des Fußballs ist es sehr belastend, ein offen schwuler Spieler zu sein. Das ist etwas, das nicht jeder bewältigen und damit umgehen kann. Ich denke, wir sind noch sehr, sehr weit von der Akzeptanz in diesem Bereich entfernt.“

Cavallo betonte dabei ausdrücklich, dass er sowohl von seinem Verein, dem Team als auch von seinem Trainer stets unterstützt wird, trotzdem erlebt er von außerhalb nach wie vor viel Druck und Negativität nur aufgrund seiner Homosexualität. Inzwischen habe er ein Netzwerk von Freunden und Kollegen aufgebaut, er habe eine „Mauer errichtet“, um sich vor den fortwährenden Attacken zu schützen. 

Wenig Chance für neue Outings

Aus diesem Grund halte er es auch für besonders schwierig, andere Fußballer zu ermutigen, sich zu outen: „Das sind alles negative Faktoren, die die Leute bei ihrem Coming-Out in Betracht ziehen werden, und vielleicht sind sie noch nicht geoutet, aber ein Coming-Out bringt all diese Aufmerksamkeit, all diesen Druck, all diese Negativität, die sich langfristig auch auf ihr Spiel auswirken wird. Es ist daher schwierig, den Leuten zu sagen: 'Auf jeden Fall, outet euch, seid ihr selbst'. Es bringt leider auch viele Nachteile mit sich, die sich die Leute, glaube ich, nicht immer bewusst machen.“ 

Outing mit 21 Jahren 

Rückblickend sinnierte er zudem über sein eigenes Coming-Out und erklärte weiter, er wünschte sich, er hätte sich früher geoutet und nicht gewartet, bis er 21 Jahre alt war, bis das Gefühl, eine Lüge zu leben, übermächtig in ihm geworden war. Vielleicht wären dann auch die Angriffe heute nicht mehr so heftig wie sind noch immer sind. 

„Als ich aufwuchs, hatte ich immer das Bedürfnis, mich zu verstecken, weil ich mich schämte – ich schämte mich, dass ich nie das tun konnte, was ich liebte, nämlich schwul zu sein. Schwul aufzuwachsen und Fußball zu spielen waren zwei Welten, die sich bis dahin nicht gekreuzt hatten. Irgendwann hatte ich es aber satt, mich zu verstecken und mich vor den Leuten zu verstecken und nicht mein wahres Ich zu leben. Und dann habe ich mich gefragt: Warum passiert sowas nicht im Fußball? Warum hat sich nie jemand geoutet, um er selbst zu sein, erfolgreich zu sein und zu spielen? Ich verstehe das jetzt, wenn ich zurückblicke, all die Negativität, all die Dinge, die auf dich zukommen“, so der Fußball-Profi abschließend. Im März 2024 hat Cavallo seinem Freund, dem Elektriker Leighton Morrell, auf dem Spielfeld des Coopers Stadium von Adelaide United einen Antrag gemacht – zeitnah sollen jetzt die Hochzeitsglocken läuten.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Demo mit Ian McKellen

Kritik an Commonwealth-Gesetzen

Ian McKellen hat an einer Londoner Demo teilgenommen, die sich gegen die Kriminalisierung von LGBTIQ+-Personen in Commonwealth-Staaten richtet.
Zander Murray und Manosphere

Homophobie im Profi-Fußball

Zander Murray, erster offen schwuler schottischer Profifußballer, kritisiert anhaltende Homophobie und den Einfluss der „Manosphere“ im Fußball.
Der ewige George Santos

Neue Ermittlungen der US-Justiz

Der Lügenbaron und Ex-US-Politiker George Santos wurde erst Ende 2025 von Trump begnadigt, nun gibt es neue Ermittlungen wegen Wett-Betrugs gegen ihn.
Syphilis-Fälle sinken deutlich

Aufatmen in Großbritannien

Die Zahl der Syphilis-Diagnosen bei schwulen und bisexuellen Männern in Großbritannien ist 2025 deutlich zurückgegangen – erstmals seit Jahren!
Beratung für junge Menschen

Rekordzahlen aus Großbritannien

Tausende britische Jugendliche haben sich 2025 mit Fragen zur sexueller Orientierung an Childline gewandt. Zentrales Thema war das Coming-Out.
Neue US-Gesetzesinitiative

Kommt die LGBTIQ+-Helpline zurück?

Kalifornien reagiert jetzt auf die Abschaffung der LGBTIQ+-Hotline und will Jugendlichen in Krisensituationen verstärkt helfen.
Pride Monat und US-Firmen

Unterstützung zahlt sich aus

Eine neue Umfrage zeigt, dass US-Bürger Unternehmen, die Pride und LGBTIQ+-Rechte unterstützen, positiv sehen.
Verfassungsschutz in Berlin

Massive Zunahme von Extremismus

Der Berliner Verfassungsschutz warnt vor wachsendem Extremismus in Deutschland. Opfer davon sind immer wieder auch LGBTIQ+-Menschen.
Ghana prüft LGBTIQ+-Gesetz

Präsident kündigt Überprüfung an

In Ghana soll das vom Parlament beschlossene Gesetz gegen LGBTIQ+-Personen vor einer möglichen Inkraftsetzung noch rechtlich überprüft werden.