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50 @ Sentir y Viajar

WTF - Ich bin 50, Digga! Das Wort am Sonntag

g.j. - 09.02.2025 - 15:25 Uhr
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Vor meinem Fenster sitzt seit Tagen derselbe Spatz. Ein freches Kerlchen, das mich mit schiefgelegtem Kopf betrachtet, als wollte er sagen: „Na, Alter, was geht?“ Und ehrlich gesagt, frage ich mich das manchmal selbst. Früher, als ich noch der König der Tanzfläche war, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einmal mit einem Vogel Blickduelle austragen würde.

Das Leben Ü50 als schwuler Mann ist ein wilder Mix aus nostalgischen Erinnerungen, Erstaunen über den technologischen Fortschritt und gelegentlicher Resignation vor der Tatsache, dass mein Rücken nicht mehr so mitmacht wie früher. Letztens fragte mich ein junger Kollege: „Wie habt ihr euch eigentlich früher verabredet, ohne Handy?“ Ich lächelte weise und antwortete: „Wir haben geheime Botschaften in Discokugeln reflektiert!“ – was ihn offensichtlich verwirrte.

Die Wahrheit ist: Man wartete geduldig an der Telefonzelle, hoffte, dass das Date auch wirklich kam, und wenn nicht, ging man halt ins nächste Lokal und machte neue Bekanntschaften. Heute? Ein Wisch nach links, ein Wisch nach rechts – und wenn man Pech hat, ghostet einen jemand noch vor dem ersten Treffen. Romantik geht anders, aber gut, jede Zeit hat ihre eigenen Spielregeln.

Das Alter bringt natürlich auch einige Erkenntnisse mit sich. Zum Beispiel: Die schwule Szene ist gnadenlos auf Jugend fixiert. Wer über 50 ist, hat es schwer, zwischen den durchtrainierten Twinks und hippen Daddys noch einen Platz zu finden. Es sei denn, man akzeptiert seinen neuen Status als „Silver Fox“. Ein Freund von mir nennt das liebevoll „Upgrade zur erfahrenen Edition“. Klingt schicker als „zu alt für den Club“.

Doch es gibt auch Lichtblicke: Endlich hat man die innere Ruhe, nicht mehr jedem Trend hinterherzuhechten. Niemand kann mich mehr dazu bringen, eine enge Lederhose zu tragen, und das ist auch gut so. Ich genieße die kleinen Dinge – einen guten Wein, Gespräche mit Freunden, das Wissen, dass ich in meinem Leben schon genug durchgemacht habe, um mich von nichts mehr aus der Bahn werfen zu lassen.

Ob ich mich vor dem Alter fürchte? Nein. Ich sehe es so: Solange ich noch lache, solange ich noch liebe – und solange mich dieser Spatz vor meinem Fenster weiterhin so unverschämt mustert – habe ich noch jede Menge Zukunft vor mir. Und wer weiß? Vielleicht lerne ich doch noch, wie man Tinder richtig benutzt. Aber nur, wenn’s sein muss.

Euer Grey Jay

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