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Niedersachsen: Mittel gegen Hass an queeren Menschen erhöht

500.000 Euro neue Finanzmittel Niedersachsen: Mittel gegen Hass an queeren Menschen erhöht

mr - 12.11.2025 - 16:30 Uhr
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Mit neuen Finanzmitteln von 500.000 Euro will Niedersachsen die Akzeptanz queerer Menschen stärken und gezielt gegen Hasskriminalität vorgehen. Dies wurde am Dienstag von den Regierungsfraktionen SPD und Grünen bei der Vorstellung wichtiger Haushaltsprioritäten für das Jahr 2026 angekündigt. Nach einer Zunahme von Übergriffen auf lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche Menschen (LGBTIQ+) sieht das Land somit eine Aufstockung der bisherigen Mittel um 200.000 Euro vor – ein klares politisches Signal für Schutz und Sichtbarkeit dieser Communities.

 

Erhöhte Mittel gegen Hass und Ausgrenzung

Die Verstärkung der Förderung fällt in eine Zeit, in der die bundesweite Polizeiliche Kriminalstatistik einen Anstieg queerfeindlicher Straftaten vermeldet. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland laut offiziellen Zahlen mehr als 1.600 Hassverbrechen gegen LGBTIQ+ registriert – ein Rekordwert. Auch in Niedersachsen bleibt die Lage angespannt: Verbände und Initiativen berichten von wachsender Verunsicherung, insbesondere vor und nach Großveranstaltungen wie Pride-Demonstrationen. Die jetzt beschlossenen Mittel zielen darauf ab, zivilgesellschaftliche Projekte, Beratungsstellen sowie Bildungsinitiativen nachhaltig zu stärken.

Der Queeres Netzwerk Niedersachsen (QNN), einer der zentralen Akteure im Land, begrüßt die Aufstockung. Lisa Kühn aus dem Vorstand betont: „Die Erhöhung der Mittel ist das richtige Signal in einer Zeit steigender Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen und wachsender Unsicherheit in den queeren Communities.“ Zahlreiche Beratungsangebote und Präventionsprojekte hatten zuletzt vor Finanzierungsengpässen und daraus resultierender Gefahr für den Fortbestand ihrer Arbeit gewarnt. Schon jetzt trägt QNN als landesweite Interessenvertretung maßgeblich zur Sichtbarkeit und zum Schutz queerer Menschen bei – beispielsweise durch Antidiskriminierungsberatung, Fortbildungsangebote für Fachkräfte und Lobbyarbeit gegenüber Politik und Verwaltung.

 

Fördermittel nur vorübergehend – Kritik an fehlender Verstetigung

Während die Stärkung queerer Angebote gelobt wird, gibt es auch Kritik an der Ausgestaltung der Mittel. Die Förderung ist bislang nur für ein Jahr eingeplant. Diese Kurzfristigkeit stoße vielen Initiativen bitter auf, da wichtige Präventions- und Bildungsmaßnahmen langfristige Planungssicherheit benötigen. QNN-Geschäftsführer Nico Kerski fordert: „Nur wenn Gelder ab dem kommenden Jahr fest in den regulären Haushalt aufgenommen werden, lassen sich Projekte zur queeren Akzeptanzarbeit und gegen Hasskriminalität nachhaltig umsetzen.“ Die Gesellschaft stehe nicht zuletzt durch anhaltende Polarisierung und das Erstarken rechter Kräfte vor einer Bewährungsprobe; daher dürfe der Schutz queerer Menschen nicht von kurzfristigen Gemeinwohlentscheidungen abhängen.

„Wir müssen leider davon ausgehen, dass sich das gesellschaftliche Klima für queere Menschen auch in den Folgejahren nicht unbedingt verbessern wird“, so QNN-Geschäftsführer Nico Kerski.

Der Gesamtumfang der „politischen Liste“, zu der auch die Förderung gehört, liegt für 2026 bei über 93 Millionen Euro. Vorrang erhalten neben der queeren Akzeptanzarbeit vor allem Maßnahmen zur Verbesserung des Nahverkehrs, Investitionen in die Sanierung von Schwimmbädern sowie das neue „Niedersachsen-Menü“ für erschwinglichere Mahlzeiten in Universitätsmensen.

 

Queere Sicherheit unter Druck – gesellschaftlicher Kontext

Nicht nur in Niedersachsen zeigen sich Herausforderungen: In ganz Deutschland werden regelmäßig Angriffe auf queere Menschen gemeldet. Das Bundesinnenministerium berichtet für das vergangene Jahr von einem flächendeckenden Anstieg queerfeindlicher Gewalt. Expertinnen und Experten warnen, dass unabhängig von gesellschaftlicher Offenheit auf Bundesebene regionale Unterschiede weiterbestehen. Gerade in ländlichen Gebieten fehlt es vielerorts an Beratungsstrukturen, Vorbildern und sicherem Raum.

Ein Großteil diskriminierender Vorfälle wird zudem nicht angezeigt oder statistisch erfasst, was das volle Ausmaß unsichtbar macht. Initiativen wie die LSVD und QNN kritisieren, dass eine effektive Präventionsarbeit nicht allein auf ehrenamtlichem Engagement beruhen dürfe. Nachhaltige Finanzierung sei unabdingbar für die professionelle Unterstützung Betroffener, für Bildungsprojekte und für die Sensibilisierung im Bildungs- und Gesundheitswesen.

 

Perspektiven und politische Verantwortung

Die geplante Förderung bietet eine dringend benötigte Entlastung für die queere Infrastruktur in Niedersachsen. Die Herausforderung bleibt jedoch, den eingeschlagenen Weg nicht als singuläre Maßnahme zu begreifen. Die Aufnahme der Queer-Förderung in die reguläre Haushaltsplanung wird als nächste politische Hürde gesehen. Nur so lässt sich langfristige Teilhabe und Sicherheit für queere Menschen gewährleisten.

In diesem Kontext richtet die queere Community ihren Appell nicht nur an die niedersächsische Landesregierung, sondern an die gesamte Gesellschaft. Eine verlässliche Finanzierung von Akzeptanz- und Antidiskriminierungsarbeit ist Basis für eine demokratische und inklusive Gemeinschaft. Die Entscheidung Niedersachsens könnte als Vorbild für andere Bundesländer und den Bund dienen, die nachhaltige Absicherung queerer Strukturen zum Standard zu machen.

Ob die nun beschlossene Mittelerhöhung den erhofften gesellschaftlichen Wandel anstößt, bleibt abzuwarten. Die nächsten Monate werden zeigen, ob aus der einmaligen Aufstockung ein dauerhafter Schutz für queere Menschen erwächst oder ob Unsicherheiten fortbestehen. Fest steht: Das Engagement für ein offenes und respektvolles Miteinander bleibt eine Daueraufgabe – heute so sehr wie in Zukunft.

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