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Elle Kennedys „Off Campus“ wegen Lesbenfeindlichkeit kritisiert

Boykottaufrufe gegen Serie Elle Kennedys „Off Campus“ wegen Lesbenfeindlichkeit kritisiert

kw - 22.05.2026 - 21:30 Uhr
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Die kanadische Bestsellerautorin Elle Kennedy steht im Mittelpunkt einer aktuellen Medienkritik, nachdem ihre populäre "Off Campus"-Romanreihe, Vorlage zur neuen Amazon Prime Video-Serie, Vorwürfe der Lesbenfeindlichkeit ausgelöst hat. Auslöser der Debatte war die Anschuldigung, Kennedy würde gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Frauen in ihren Büchern lediglich als erotisiertes Zuschauen für männliche Charaktere inszenieren. Die Kritik entzündete sich am Umgang mit lesbischen Szenen und erschüttert damit nicht nur die Fan-Community, sondern wirft zentrale Fragen nach Verantwortung und Sensibilität bei queerer Repräsentation auf.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • TikTok-Kritik an Elle Kennedy verbreitete sich seit dem 4. Mai mit über 375.000 Aufrufen innerhalb weniger Wochen.
  • Mehrere Buchstellen in "Off Campus" zeigen Frauen, die ausschließlich zum Vergnügen männlicher Figuren miteinander intim werden.
  • Kennedy äußerte 2019 öffentlich, keinerlei Interesse an F/F-Romanzen zu haben.
  • Die Vorwürfe zeigen Auswirkungen: Lesende wenden sich ab, Boykottaufrufe der Buchreihe und Verfilmung nehmen zu.
  • Die Prime Video-Adaption erreichte nach Veröffentlichung umgehend breite mediale Aufmerksamkeit.

 

Kritik und Reaktionen: Die Kernvorwürfe

Innerhalb der sozialen Medien, insbesondere auf TikTok, dokumentierten Lesende, wie etwa Nutzerin Alyssa zahlreiche Szenen aus Kennedys Bücher herausstellte, in denen weibliche Intimität als Zuschauermoment für Männer dargestellt wird. In "The Mistake" beobachtet eine männliche Hauptfigur zwei Frauen beim Küssen, gefilmt von weiteren männlichen Nebenfiguren – eine Szene, die mit Kommentaren zur späteren Veröffentlichung auf Pornoseiten versehen ist. Vergleichbar schildern weitere Passagen in "The Score", dass weibliche Sexualität für männliche Befriedigung im Mittelpunkt steht, ohne den Figuren oder lesbischer Identität Tiefe oder Selbstbestimmung zuzugestehen. Diese Beispiele belegen faktisch die Kritik des "Fetischisierens", wie sie auch von anderen queeren Bücherinfluencerinnen und Bücherinfluencern detailliert angeführt wurde.

 

Diskurs um Repräsentation in Mainstream-Medien

Die rasante Verbreitung der Kritik an Kennedys Darstellungen lässt sich auch als Spiegel wachsender Erwartungen an Medienhäuser und Autoren hinsichtlich queerer Sichtbarkeit im Unterhaltungssektor lesen. Während lesbische Protagonistinnen im Mainstream-Romance-Genre ohnehin unterrepräsentiert sind, stoßen Stellvertreterbeziehungen, die einzig und allein für männliche Fantasien genutzt werden, auf immer weniger Akzeptanz. Mehrere Community-Stimmen betonen, dass sich derartige Stereotype gravierend auf die Lesekultur junger queerer Frauen und Lesben auswirken – und dies gerade zu einer Zeit, in der authentische Sichtbarkeit gefordert wird.

 

Was sagen die Autorin und die Plattformen?

Kennedy selbst wies bereits in einem Social-Media-Beitrag 2019 darauf hin, sie habe "kein Interesse" an F/F-Romanzen – ein Statement, das in den Kontext der nun angeprangerten Szenen gestellt wird. Während Amazon Prime Video auf Nachfrage bisher keine Stellungnahme zu den konkreten Vorwürfen veröffentlicht hat, beobachtet die Verlagswelt diese Kontroverse aufmerksam. Die Verwertung und Vermarktung literarischer Vorlagen im Streaminggeschäft gerät dadurch unter stärkeren Legitimationsdruck, insbesondere wenn es um die Darstellung marginalisierter Gruppen geht.

 

Hintergrund: Queere Buchcommunity zunehmend einflussreich

Queere Buchkritik gewinnt gerade im Umfeld sozialer Medien erheblich an Bedeutung – sogenannte BookTok-Kanäle erreichen teils Hunderttausende, prägen Leseentscheidungen und bilden Gegenöffentlichkeiten zur etablierten Feuilletonkritik. Dass ausgerechnet Stereotype, wie sie Kennedy zugeschrieben werden, viral problematisiert werden, sollte Verlegen und Streamingdiensten als Mahnung dienen, Diversität nicht als Verkaufs- oder Schaulustfaktor zu instrumentalisieren.

Abzuwarten bleibt, inwiefern Publisher und Streamingplattformen künftig sensibler auf Herangehensweisen an queere Repräsentation achten und ob die Boykottaufrufe den Markterfolg der "Off Campus"-Reihe spürbar beeinträchtigen werden. Die Debatte könnte einen stärkeren Bewusstseinswandel bezüglich authentischer lesbischer Sichtbarkeit befeuern – nicht nur in den Bestsellerlisten, sondern auch auf den großen Bildschirmen.

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