Milo Miles an US-Flughafen Schwuler Adultdarsteller wird bei US-Einreise festgehalten
Der kolumbianisch-kanadische schwule Pornodarsteller und aktueller Preisträger eines GayVN Awards, Milo Miles, wurde bei der Einreise in die USA festgehalten und anschließend mit einem zehnjährigen Einreiseverbot belegt. Miles berichtete, er sei am Flughafen Toronto Pearson insgesamt mehr als acht Stunden von US-Grenzbeamten kontrolliert und verhört worden.
Zehn Jahre Einreiseverbot
„Es war der schlimmste und schmerzhafteste Tag meines Lebens“, so Miles. „Ich habe ein zehnjähriges Einreiseverbot für die Vereinigten Staaten bekommen, während ich versucht habe, nach Las Vegas zu fliegen. Ich wurde acht Stunden lang von der US-Zollbehörde festgehalten und verhört.“ Der Vorfall ereignete sich bereits Mitte Januar, als Miles zu den GayVN Awards nach Las Vegas reisen wollte, wurde aber erst jetzt publik. Dort habe er als Präsentator auftreten sollen und sei mehrfach nominiert gewesen. „Ich sollte präsentieren, hatte sechs Nominierungen und habe letztlich eine gewonnen.“
Nach eigenen Angaben wurde Miles zunächst für rund zwei Stunden einer zusätzlichen Kontrolle unterzogen. Dabei hätten sich die Fragen stark auf seine sexuelle Orientierung konzentriert. „Sie hielten mich zwei Stunden fest, befragten und verhörten mich mit einem beunruhigenden Fokus auf meine sexuelle Orientierung. Sie beschuldigten mich ohne Beweise, als Escort zu arbeiten.“
Einreise mit vielen „schwulen Klamotten“
Obwohl keine illegalen Gegenstände bei ihm gefunden worden seien, hätten die Beamten die Durchsuchung ausgeweitet. Miles berichtete, auch seine Medikamente und sein Gepäck seien durchsucht worden. „Sie versuchten herauszufinden, warum ich so viele Medikamente dabeihatte, weil sie nicht wussten, was PrEP ist“, sagte er. Zudem sei er gefragt worden, warum er so viele „schwule Klamotten“ mit sich führe.
Nach der ersten Kontrolle verpasste Miles seinen Flug und buchte für den nächsten Tag um. Auch dort wurde er erneut zur Überprüfung herausgezogen und mehrere Stunden festgehalten. „Diesmal sagte mir der erste Beamte, dass mein Konto markiert sei“, berichtete er. Während der zweiten Kontrolle seien auf seinen Mobiltelefonen Hinweise auf seine Tätigkeit in der Pornobranche sowie auf Escort-Dienstleistungen entdeckt worden. „Sie haben mich aufgrund früherer Textnachrichten gesperrt, die bestätigten, dass ich mich in der Vergangenheit mit Kunden getroffen habe.“ Miles betonte, es habe sich dabei nicht um Prostitution gehandelt: „Escort bedeutet ein Austausch von Geld für gemeinsam verbrachte Zeit. […] Prostitution ist ein Austausch von Geld für sexuelle Dienstleistungen. Es gab keine Beweise für Prostitution auf meinem Handy, nur Escort-Service.“
Stundenlange Befragungen
Während der mehrstündigen Befragung habe er keine Verpflegung erhalten. „Ich hatte nur Zugang zu einer Toilette und einem Wasserspender. Die Befragung war sehr aggressiv und herablassend. Der Beamte setzte mich unter Druck, einzugestehen, was sie als Prostitution und unerlaubte Arbeit definieren.“ Nach US-Reiserecht kann Personen, die mit Prostitution in Verbindung gebracht werden oder diese in den vergangenen zehn Jahren ausgeübt haben, die Einreise verweigert werden. Ein entsprechendes Verbot kann bis zu zehn Jahre gelten.
Miles äußerte sich auch zu möglichen Gründen für die Kontrolle, ohne dass ihm eine offizielle Erklärung gegeben worden sei. Das Einreiseverbot habe erhebliche Auswirkungen auf sein Berufs- und Privatleben. „Ich hatte geplant, mit meinem zukünftigen Ehemann, meinem amerikanischen Partner, ein Leben in den Vereinigten Staaten aufzubauen“, sagte er. Sein Fazit fällt deutlich aus: „Vermeidet die Vereinigten Staaten um jeden Preis. Es ist das Risiko nicht wert.“
Vom Politiker zum Pornostar
Miles wurde in Kolumbien geboren, immigrierte nach seiner Schulzeit aber nach Kanada. In seiner Jugend erlebte er als Heranwachsender mit ADHS viel Mobbing und Homophobie. Nach der Schule studierte er Politikwissenschaft und später Public Policy und engagierte sich politisch. Schlussendlich wurde er in ein lokales Bildungsgremium gewählt als jüngster und einzig offen schwuler Politiker seiner Stadt. Mit den Jahren merkte er allerdings, dass ihn die Politik nicht glücklich machte, so begann er als Model zu arbeiten und erstellte zunächst anonym einen Account bei OnlyFans. Richtig offen indes konnte Miles erst nach seinem Umzug nach Toronto leben, wo auch erste Pornostudios auf ihn aufmerksam wurden und seine Karriere schnell durchstartete. „Ich hatte die Zeit meines Lebens – und wusste sofort, dass ich das machen will“, so Miles. In diesem Jahr hat er seinen ersten GayVN Award gewonnen – nach seiner aktiven Karriere möchte er sich politisch für die Rechte von Sexarbeitern engagieren.