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Robert Mugabe stirbt im Alter von 95 Jahren
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Simbabwes Ex-Diktator tot Robert Mugabe stirbt im Alter von 95 Jahren

id - 06.09.2019 - 15:00 Uhr

Der frühere Diktator in Simbabwe Robert Mugabe ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Der derzeit amtierende Präsident Emmerson Mnangagwa bestätigte am Freitagmorgen entsprechende Berichte über Twitter. Dort wird Mugabe als in Befreiungsheld beschrieben, welcher sein Leben der Emanzipation seines Volkes gewidmet habe. Zuletzt hatte er sich in einem Krankenhaus in Singapur in Behandlung begeben. Auf der einen Seite galt er als Vater des modernen Simbabwe, als ein mutiger Kämpfer gegen den Kolonialismus, auf der anderen Seite war er aber auch ein brutaler Diktator, korrupter Machthaber und zudem extrem homophob.

Doch Mugabe war umstritten. Seit 1987 amtierte Mugabe 30 Jahre lang als Präsident des südafrikanischen Landes. Nach den erfolgreichen Anfangsjahren als Staatsoberhaupt glitt seine Regierung ab den 1990ern zunehmend in eine offene Diktatur ab. In die Amtszeit Mugabes fielen Hungersnöte, Wahlmanipulationen, schwere Menschenrechtsverletzungen und Korruption. So ließ er ab dem Jahr 2000 beispielsweise weiße Farmer systematisch enteignen. Doch statt das Land wie versprochen an ärmere schwarze Bauern zu geben, schenkte Mugabe es Günstlingen aus seinem Umfeld. Die Europäische Union verhängte deswegen 2002 ein Einreiseverbot gegen ihn. Umso erstaunlicher, dass Mugabe am 18. Oktober 2017 vom Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus zum „Botschafter des guten Willens der WHO“ ernannt wurde. Dieses wurde von vielen Seiten, darunter die britische Regierung und die US-Organisation Human Rights Watch (HRW), scharf kritisiert. In den Krankenhäusern Simbabwes fehle es oft an der elementarsten Ausstattung, während der Präsident sich für teure medizinische Behandlungen ins Ausland fliegen ließ. Angesichts der weltweiten Proteste machte der WHO-Generaldirektor die Ernennung nur vier Tage später wieder rückgängig.

Zudem fiel Mugabe immer wieder durch extrem homophobe Aussagen auf. Seit 1991 machte Mugabe mit einer Kampagne gegen Homosexualität, die „unnatürlich“ und „unafrikanisch“ sei, von sich reden. Homosexuelle Männer – für Mugabe „niederer als Schweine und Hunde“ – können seitdem mit zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. Mugabe begründete seine Aussagen und sein Vorgehen u. a. mit der Absicht, gegen Aids vorzugehen. Mugabes Vorgänger im Amt des Präsidenten Canaan Banana wurde wegen Homosexualität verurteilt und floh nach Südafrika, weil er um sein Leben fürchtete. Doch nicht nur im eigenen Land, sondern auch in Europa griff Mugabe wiederholt die  zunehmende Gleichstellung von LGBTI* in Europa an. Bei einer Feier zu seinem 90. Geburtstag in einem Fußballstadion sagte er ins einer Rede u.a. „Wir akzeptieren hier keine Homosexualität. Gott hat Männer und Frauen geschaffen, damit sie Kinder zeugen können.“ Seinem Land hinterlässt er ein kompliziertes Vermächtnis. So sind die Gesetze gegen LGBTI* seit seiner Entmachtung im November 2017 nicht verändert worden.  

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